Comic-Rezension: Mouse Guard 2: Winter 1152 (David Petersen)

Mouse Guard 2 - Cross Cult
Mouse Guard 2 - Cross Cult
Phantasievolle und eigenwille Dark Fantasy, die zwischen Naturalismus und Historie pendelt und dabei die jungen und alten Leser magisch in den Bann zieht

Der heiß ersehnte Fortsetzungsband von Mouse Guard ist bei Cross Cult erschienen. Bereits der Auftaktband „Herbst 1152“ wurde mit dem Eisner Award in der Kategorie „Bester Comic für Kinder 2008“ ausgezeichnet. Damit hat sich der Autor David Petersen eine hohe Messlatte gesetzt. Mit „Winter 1152“ knüpft er genau da an, wo er aufgehört hatte – das heißt „realistische“ Dark Fantasy für Jung und Alt, mit einem unnachahmlichen Universum, das Petersen mit viel Liebe und Phantasie geschaffen hat.

Riskanter Auftrag

Beim Herbstausklang des Jahres 1152 standen die Mäuseterritorien dem Winter vollkommen unvorbereitet gegenüber. Denn Midnight , der Aufständische, hatte eine Armee aufgestellt, um die Mauern von Lockhaven zu bezwingen und Gwendolyn, die Oberin der Wache, zu ermorden. Mit dem Einbruch der kalten Jahreszeit ist es der Mangel an Nahrung und Medizin, der den Mäuseterritorien zum Verhängnis zu werden droht.

Die Mäusewächter Saxon, Kenzie, Lieam, Sadie und der Graupelz Celanawe werden auf eine diplomatische Reise zu den entlegenen Mäusekolonien geschickt, auf der Suche nach Vorräten und Medizin für das bedrohte Lockhaven. Doch nicht nur die eisige Witterung macht die Reise zu einem riskanten Unterfangen. Hungrige Raubtiere machen auf und über den verschneiten Pässen zwischen den Maus-Ortschaften Jagd auf die kleinen Nagetiere.

Naturalistische Dark Fantasy

Petersen erzählt die Geschichte wie bereits im ersten Band mit viel Liebe zum Detail und einer unnachahmlichen Phantasie. Er schmückt seine Erzählung mit erfundenen Gedichten und heroischen Liedern, die er zum Teil als Voice Overs über die Panels setzt. Er erschafft eine ganz eigene Dark Fantasy, die auf der Realität aufbaut. Die Mäuse werden nur leicht anthropomorphisiert und die anderen Tiere sogar gar nicht. So entwickelt der Autor eine naturalistische Fantasy, wo die Mäuse mit Problemen konfrontiert werden, die sie in der Realität auch hätten.

Zudem besticht auch „Winter 1152“ wieder durch Petersens liebevolle Charakterzeichnungen seiner Figuren. Da ist beispielsweise der Draufgänger-Typ oder der bedachte Mauswächter, die ständig in Konflikt geraten. Die Mauswelt spiegelt letztlich unsere Welt wider, in der es Verrat, Tod, Abschied und Neuanfang genauso gibt wie Liebe, Freundschaft und Feinde. Das zeichnet Petersens Mouse Guard als herausragende Fantasy aus, die auf Zauberei und Sagengestalten gänzlich verzichtet.

Detail- und einfallsreiche Illustrationen

Petersens Zeichnungen bestechen durch seinen individuellen Strich, der mehr der Welt der Kinderbuchillustrationen ähnelt, als der Comicwelt. Die Bilder sind detail- und einfallsreich. Zum Beispiel verwendet Petersen eine ungewohnte Perspektive, wenn er einen Querschnitt durch einen schneebedeckten Boden darstellt, der sowohl das Geschehen unterhalb als auch oberhalb des Bodens zeigt. Die flächig aufgetragenen Farben weisen leichte Nuancen auf und sind angenehm zurückhaltend, wodurch eine stimmungsvolle Atmosphäre zur Geschichte entsteht.

Insgesamt konnte Petersen die an ihn hohen gestellten Erwartungen voll und ganz erfüllen. Die Fortsetzung des gefeierten und vielfach prämierten Comic-Debüts von David Petersen wurde völlig zu Recht für den Max-und-Moritz-Preis der Stadt Erlangen in der Kategorie „Bester Jugendcomic 2008“ nominiert. Das Buch enthält als Bonusmaterial neben einer Covergalerie eine Karte der Maus-Territorien, eine mauskundliche Einführung in die Berufe sowie einen Führer. Man darf sich schon auf den dritten Band „Die schwarze Axt“ freuen, an dem Petersen gerade arbeitet.

David Petersen: Mouse Guard 2: Winter 1152. Cross Cult. 2010. Hardcover, 192 Seiten. Euro 24,90.