Comic-Rezension: Prophet 3 (Matthieu Lauffray)

Dritter Band der Mystery-Apokalypse

Prophet 3 - Splitter
Prophet 3 - Splitter
In der Fortsetzung der vierbändigen Prophet-Serie „Pater Tenebrarum" entdeckt Jack Stanton in einer unmenschlichen Welt die Macht, die in ihm steckt

„Das Ende ist nah!“ – Nachdem Jack Stanton im ersten Band der Prophet-Serie „Ante Genesem“ durch das Aktivieren eines 8.000 Jahre alten Artefakts – einer Stele – im Himalaja den Untergang der Welt ausgelöst hat und sich im darauf folgenden Band „Infernum in Terra“ auf einer unwirklichen und trostlosen postapokalyptischen Erde wiederfindet, stehen die Zeichen in „Pater Tenebrarum“ auch nicht besser.

Messias wider Willen

Der ehemalige Forscher Jack Stanton erkennt in seinen Visionen erste Anzeichen dafür, dass er den Schlüssel zur Rettung der Menschheit nicht außerhalb, in der Welt, zu suchen braucht, sondern längst in sich trägt. Doch Jack glaubt nicht an seine Berufung als Messias. Zusammen mit der stummen Athenais, die aufgrund einer Mutation mit herausragenden Fähigkeiten ausgestattet ist, und dem aufgrund seines entstellten Gesichts maskierten Jahir macht sich Stanton auf um die Stele zu finden, mit der man den Untergang der Welt doch noch aufhalten und die unzähligen Geistermenschen wieder in normale Menschen zurück verwandeln kann.

Dabei steht das ungleiche Trio ständig (buchstäblich) am Abgrund: Wenn nicht gerade der „Heuler“ – ein überdimensionaler Dämon – Jagd auf alles noch lebende macht, dann fliehen die drei nachts vor den „Ghosts“ – ehemaligen Menschen oder Stantons erbitterter Verfolger, der Höllenteufel, taucht auf und stellt ihn auf dem Rücken eines (noch) ruhenden Titanen. Wenn gerade niemand angreift passiert es darüber hinaus, dass Athenais, die ihre Kräfte nicht unter Kontrolle hat, selbst für Gefahr sorgt, indem sie zum Beispiel zu verbrennen droht.

Jack Stanton - Eine kurze Charakterskizze

Wie der Protagonist aus der Science-Fiction-Filmtrilogie Matrix (Neo) kämpft auch Jack Stanton weiterhin gegen seine Rolle als heilsbringender Messias an. Die Rolle als Prophet hat er ja hingenommen, aber die wahren Kräfte, die noch in ihm schlummern, will er nicht wahrhaben. So kann die charakterliche Entwicklungsstufe des Helden aus Prophet umschrieben werden. Seinem Weggefährten Jahir verschweigt er lieber seine Vergangenheit als Weltzerstörer.

Denn dies hat er sich eingestehen müssen, dass er die vielen Warnungen von unterschiedlichen Personen im ersten Band aufgrund seines Egoismus ignoriert hat und damit eine Apokalypse ausgelöst hat. Doch es gibt auch Anzeichen für Hoffnung und Wandel: In Athenais erkennt er seine ehemalige Liebe wieder. Um ihretwillen bzw. um sie zu beschützen könnte es passieren, dass sich seine verborgenen Kräfte doch noch rechtzeitig vor dem absoluten Weltuntergang entfesseln.

Memento Mori – Die Allgegenwärtigkeit des Todes

Die Ästhetik ist wie bereits in den vorangegangenen Bänden geprägt durch eine düstere und unmenschliche Welt. Überall sind versteinerte Titanen, hinter der nächsten Ecke könnte der nächste todbringende Dämon lauern. Kalte und dunkle Farben dominieren die Bilder Lauffrays. Im Gegensatz dazu schimmert oder bricht auch auf symbolische Weise Feuer oder Licht in die Dunkelheit hinein. Die detailreichen Zeichnungen entsprechen zwar dem typischen franko-belgischen Strich. Jedoch schafft es Lauffray eine individuelle Note hinzuzufügen.

Alles in allem hat sich die Serie spätestens seit dem zweiten Band als Messias-Geschichte entpuppt. Das ist nicht neu. Auch die postapokalyptische Umwelt mit seinen höllischen Bewohner ist nicht noch nie dagewesen. Der Abgang vom Szenaristen Xavier Dorison (W.E.S.T.) nach dem Auftakt-Band konnte Lauffray erzählerisch nicht kompensieren. Was er abliefert ist grundsolide Endzeit-Kost, aber kein innovativer Wurf, wie man es von Dorison gewohnt ist.

Matthieu Lauffray: Prophet 3: Pater Tenebrarum. Splitter, 2010. Hardcover, 48 Seiten. Euro 13,80.