Comic-Rezension: Red (Warren Ellis/Cully Hammer)

Red - Panini Comics
Red - Panini Comics
Außergewöhnlicher, mitreißender und kompromissloser Vollstreckercomic aus der Feder des innovativen Kultautors Warren Ellis

Der kompromiss- und schnörkellose Vollstrecker-Comic von Warren Ellis (Transmetropolitan) und Cully Hammer (Detective Comics) ist die Vorlage zum Hollywood-Blockbuster mit Bruce Willis, Morgan Freeman und John Malkovich, der Ende 2010 in den Kinos anläuft. Ellis ist bekannt für durchdachte Genrecomics mit starken Charakteren und außergewöhnlichen Ideen. Bei Panini Comics ist der One Shot mit Sketchbook- und den ursprünglichen Cover-Skizzen endlich auf Deutsch erschienen.

Code Red

Ellis erzählt die mitreißende Geschichte des Ex-CIA-Agenten Paul Moses, den ein Killerkommando unsanft aus dem Ruhestand holt. Denn all die fürchterlichen Geheimnisse, die er kennt, soll er gefälligst mit ins Grab nehmen. So denkt zumindest der neue CIA-Direktor Michael Beesley, der von seinem Stellvertreter Adrian in die grauenvollen Machenschaften Moses‘ eingeweiht wird, die er im Namen der Vereinigten Staaten weltweit verübt hat.

Doch einen Profikiller von seinem Schlag sollte man besser nicht reizen. Die CIA macht einen fatalen Fehler und übersieht, welche Ausbildung er genossen hat. Der pensionierte Auftragskiller aktiviert „Code Red“ und tritt damit wieder in seinen Dienst ein. Der Leichenberg wird höher und höher, während die Männer, die den Killer reaktiviert haben, sicher in ihren Büros in Langley sitzen. Das glauben sie jedenfalls

Stars & Stripes

Ohne Erzähltext und mir sparsamen Dialogen erzählt Ellis seine unverfrorene und brutale Vollstrecker-Geschichte vom EX-CIA-Auftragskiller. In Flashbacks zucken immer Erinnerungsfetzen seiner Morde auf, die Moses nicht mehr aus seinem Kopf bekommt. Im Subtext erzählt Ellis eine zweite Geschichte, nämlich die von einem gealterten Mann – und das „Mann“ muss man hier fett unterstreichen – der die heutige Zeit und die neue Generation nicht mehr versteht.

Moses erkennt das gegenwärtige, für ihn degenerierte und entscheidungsunfreudige Land nicht mehr wieder. Interessant ist auch die ethische Ebene: Zwar bedauert Moses jeden einzelnen Mord, gleichzeitig tötet er ohne mit der Wimper zu zucken immer weiter. Das „Monster“ ist nicht er, so die Quintessenz von Red, sondern das Land, das Killer wie ihn ausbildet und im Nachhinein nicht mehr zu ihren Entscheidungen steht.

Panels & Blockbuster

Ellis inszeniert die Panels wie einen Hollywood-Blockbuster, wodurch die Verfilmung nur der nächste logische Schritt ist, zumal Comicadaptionen seit über einem Jahrzehnt ein Dauerbrenner auf der großen Leinwand sind. Es ist eher verwunderlich, dass noch keine weiteren Ellis-Comics verfilmt worden sind, aber wer weiß, was noch alles kommt. Hammers Zeichnungen weisen einen leicht kantigen Strich und genügend Details auf. Die Bilder sind passend gezeichnet, stehen aber hinter der Originalität Ellis‘ weit zurück.

Wer auf knallharte Action, Vollstrecker-Strories oder Blockbuster-Thriller steht ist mit Red bestens bedient. Insgesamt ist der Band leider etwas schmal ausgefallen, Ellis hätte gerne mehr schreiben dürfen. Auch die sozialkritische beziehungsweise Amerika-kritische Ebene hätte durchaus noch mehr Seiten verdient gehabt. Aber für zwischendurch ist Red genau die richtige Lektüre. Man darf gespannt sein, was Panini Comics in naher Zukunft noch von Ellis veröffentlichen wird. Mit Freakangels steht schon eine Serie in den Startlöchern.

Warren Ellis & Cully Hammer: Red. Panini Comics, 2010. Softcover, 84 Seiten. Euro 12,95.