Comic-Rezension: Renaissance (Christian Volckmann)

Renaissance Cover - Cross Cult
Renaissance Cover - Cross Cult
Licht und Schatten bestimmen nicht nur die innovative S/W-Optik, sondern leider auch die durchschnittliche SF-Noir-Story

Ein imposantes Schwarzweiß-Artwork trifft auf eine durchwachsene Geschichte. Das Album, das bei Cross Cult 2007 erschien, ist eine gleichnamige Comic-Adaption des Films Renaissance von Christian Volckmann. Der Grafiker, Maler und Fotograf legte 2006 mit seinem Spielfilmdebüt einen futuristischen Film Noir in eleganter Schwarzweiß-Animationsoptik vor. Die grafische Adaption stammt von Julien Renoult und der Story hat sich Greg Newman bemächtigt.

Paris 2054

Im Gegensatz zum Film steigt die Adaption sofort bei der Entführung von Ilona Tasuiev, einer jungen Wissenschaftlerin ein. Avalon, ein Global Player mit gewissenlosen Methoden, versucht als Arbeitgeber alles in die Wege zu leiten, um sie wiederzufinden. Denn Ilona scheint einer bahnbrechenden Entdeckung auf der Spur zu sein, auf die der multinationale Konzern aus Kostengründen und Gewinnaussichten keinesfalls verzichten will.

Währenddessen nimmt sich Karas, ein draufgängerischer Kriminalbeamter mit zweifelhafter Vergangenheit, den Fall an. Er verspricht Ilonas Schwester Bislane, aufzuklären, ob die Forschungsarbeiten ihrer Schwester im Mittelpunkt einer Intrige stehen und Ilona zu retten. Bei ihren Nachforschungen stoßen sie auf eine Geschichte aus dem Jahr 2006. Darin wird detailliert geschildert, wie unheilbar kranke Kinder zu Forschungszwecken getötet wurden. Diese litten an Progerie, einer Krankheit, die vorzeitige Alterung auslöst.

Licht und Schatten: Story

Die durchwachsene Story wird spätestens ab dem Mittelteil vorhersehbar. Die Bösewichte wirken durch die Bank stereotyp und erfüllen alle Klischees von Hollywood-Blockbuster-Produktionen aus dem Thriller-Genre. Die Protagonisten erscheinen zwar facettenreicher, aber auch sie erfüllen viele Genreklischees. Die Dialoge wirken oft gestelzt.

Wo Film und Comic in inhaltlicher Hinsicht punkten können ist im sozialkritischen Kern: Avalon erscheint als Symbol für Schönheits- und Jugendwahn und hält damit ähnlich wie der SF-Noir-Comic The Surrogates (Cross Cult) unserer Zeit den Spiegel vor. Die Idee von Unsterblichkeit - "Renaissance" heißt "Wiedergeburt" - als ökonomisches Produkt ist dagegen nicht neu, aber deswegen auch nicht schlecht. Skrupellose Wissenschaft gibt es in der literarischen Tradition spätestens seit H. G. Wells' Die Insel des Dr. Moreau.

Licht und Schatten: Grafik

Der Grund, der das Album leicht über den Genre-Durchschnitt hebt ist das innovative Artwork. Die Schwarzweißbilder weisen einen harten Kontrast auf und bestechen durch einen eleganten Realismus. Viel dunkle Fläche erzeugt die passende Atmosphäre zur SF-Noir-Story. Setting und Szenario schaffen eine kühle Blockbuster-Ästhetik, die im Comicbereich schwer auf seinesgleichen stößt.

Auch wenn das Album in inhaltlicher Hinsicht wenig Neues oder Überraschendes für Genre-Liebhaber auf Lager hat und die Story manchmal etwas sprunghaft erscheint, ist allein die imposante Grafik einen Blick in das Album wert. Bei 12 Euro liegt das Preis-Leistungsverhältnis in einem sehr günstigen Bereich. Ob DVD/Blu-Ray oder Comic besser ist, muss schlussendlich jeder selbst entscheiden. Fakt ist: Man braucht den Film nicht gesehen zu haben, um die Adaption lesen zu können.

Christian Volckmann: Renaissance. Cross Cult, 2007. Hardcover, 56 Seiten. Euro 12.