Comic-Rezension: Sleeper 3 & 4 (Brubaker/Philipps)

Sleeper 3 - Cross Cult
Sleeper 3 - Cross Cult
Ed Brubaker und Sean Phillips bringen ihre düstere Hard Boiled/Superhelden/Spionage-Serie "Sleeper" zum Höhepunkt und Abschluss

Das Eisner-prämierte Erfolgsduo von Criminal hat sich in Sleeper 3 „Die Gretchenfrage“ und Sleeper 4 „Das lange Erwachen“ erneut zusammengetan, um die harte und komplexe Story um den Doppelagenten Carver, der Superkräfte besitzt, zu einem Ende zu bringen.

Bauer oder König?

Das Duo Brubaker/Phillips gelingt ein Ende mit großem Knalleffekt, das in mancherlei Hinsicht an die klassische Anti-Utopie 1984 von George Orwell denken lässt. Ohne konkret das Ende verraten zu wollen sei vorweggenommen, dass der Autor kein Happy-End geschrieben hat. Wie auch, nach den turbulenten und umwälzenden Ereignissen in den Bänden 3 und 4. Lynch Einfluss auf Carver ist wieder spürbarer als Taos Manipulationen, weshalb sich nach gewissen Zweifeln im zweiten Band „Die Schlinge zieht sich zu“ Carvers Rolle als Held doch wieder deutlicher hervorzutreten scheint.

Doch sonnenklar ist auch das nicht, denn Brubaker lässt seine Leser ähnlich im Dunkeln wandern wie Lynch oder Tao ihre Marionetten, die sie wie Schachfiguren für ihre Zwecke zu platzieren wissen. Doch auch der Schmerz resistente Carver beweist sich als guter Schüler, indem sich im vierten Band immer mehr abzeichnet, dass nun auch er eigene Pläne verfolgt und damit die Fäden selbst in die Hand nimmt.

Gegenwart oder Vergangenheit?

Wie in den vorangegangenen Bänden spielt Brubaker auch in den Bänden drei und vier mit der Zeit als erzählerische Komponente. Sinnbildlich für die charakterliche Verwandlung Carvers können die beiden Frauenfiguren herangenommen werden: Seine Ex-Freundin Veronica, mit der Brubaker übrigens auf Thomas Pynchons Roman V. anspielt, symbolisiert den moralischen handelnden Helden vor der tragischen Metamorphose zum Schurken, der er durch seine Rolle als Doppelagent geworden ist.

Die gegenwärtige Freundin, Gretchen alias Miss Missery, steht für das gefühllose und kaltblütige Monster, das er inzwischen geworden ist. Dabei schlägt der Autor Ed Brubaker immer wieder überraschende Wendungen ein oder springt durch Origin Stories einzelner Charaktere oder Rückblenden in der Erzählzeit zurück. Auf diese Weise ist eine vielschichtige Serie entstanden, die eine Mischung aus Superhelden, Pulp, Hard Boiled- und Agenten-Thriller darstellt.

Realismus oder Stilsierung?

Der Zeichner Sean Phillips hat die Story in einer Mischung aus groben Strich und Realismus umgesetzt. Die oft düsteren Bilder erinnern sicherlich an Frank Millers Sin City (Cross Cult). Die typische „Photoshop“-Kolorierung weist ebenfalls vor allem düster gehaltene Farben auf und sorgt mitunter für Lichteffekte. Das Artwork ist insgesamt stimmungsvoll und mit seinen scharfen Konturen und dominierenden Schattenelementen passend zur harten Story.

Die Bände können auf gar keinen Fall einzeln gelesen werden. Zum Verständnis benötigt man die vollständige Serie. Bei vier Bänden ist das aber kein Manko. Im dritten Sleeper-Band ist ein recht interessantes Interview mit dem Autor enthalten. Die Serie ist wie der Prolog Point Blank bei Cross Cult in der üblichen Hardcover-Ausgabe im Din A 5 Format erschienen. Auch Hollywood hat inzwischen den vielschichtigen Stoff für die Kinoleinwand adaptiert: Die Verfilmung von Sam Raimi (Spider-Man) mit Tom Cruise als Holden Carver wird demnächst in die Kinos kommen.

Ed Brubaker & Sean Phillips: Sleeper 3: Die Gretchenfrage. Cross Cult, 2009. Hardcover, 144 Seiten. Euro 19,80.

Ed Brubaker & Sean Phillips: Sleeper 4: Das lange Erwachen. Cross Cult, 2010. Hardcover, 144 Seiten. Euro 19,80.