Comic-Rezension: The King (Rich Koslowski)

The King - Edition 52
The King - Edition 52
Mit "The King" inszeniert Rich Koslowski einen satirisch gezeichneten und spannend erzählten Reportage-Thriller über den Mythos "Elvis Presley".

Der in Deutschland noch unbekannte Comicautor Rich Koslowski ist in Amerika längst etablliert. Egal ob als Animator, Comiczeichner oder -autor: Neben Arbeiten für Archie Comics, Marvel oder Comedyserie Three Geeks, für die er 2003 den Ignatz-Preis erhielt - Koslowski kann schon auf ein breites Lebenswerk blicken. Zusätzlich hat Koslowski schon eine handvoll Graphic Novels geschrieben und gezeichnet. Mit The King liegt beim Verlag Edition 52 schon seit 2008 eine wahre Comicperle vor, der bislang nicht die verdiente Aufmerksamkeit zuteil wurde.

Der Mythos "Elvis Presley"...

Ganz Las Vegas steht auf dem Kopf: Elvis Presley ist zurückgekehrt. Zumindest singt jemand genau wie er und ähnelt ihm auf verblüffende Weise. Überraschenderweise wird der ausrangierte Reporter Paul Erfurt vom King persönlich für ein Exklusiv-Interview für das Time Magazin hergebeten. Der von den Massen als wiederkehrender Heilsbringer gefeierte King lößt bei Erfurt zunächst nur Zweifel und Misstrauen aus. Dieser vermutet hinter dem King nichts weiter als einen Scharlatan, allerdings einen verblüffend guten Scharlatan.

Wie in alten Tagen schließt sich Erfurt mit seinem einstigen Kollegen zusammen und will Licht hinter den nebulösen Schleier aus Glaube, Verzweiflung, Massenhysterie, Wunsch und Illusion bringen. Doch die zwielllichtigen Schergen der Memphis-Mafia, die der King um sich geschart hat, macht es Erfurt nicht einfach. Ist der King nach Apollo, Beethoven und Sid Vicious tatsächlich die nächste Reinkarnation des "Gottes des Gesangs"? Oder nur ein fabelhafter Schauspieler mit einer begnadeten Singstimme?

...als Reportage-Thriller

Koslowski präsentiert sich als fabelhafter Autor, wenn es darum geht einen clever durchdachten und fesselnd erzählten Reportage-Thriller zu schreiben. Der Spannungsbogen wird stets aufrechterhalten ohne an Dynamik zu verlieren, aber auch ins Stolpern zu geraten. Die Balance zwischen Ruhe und Dynamik ist ausgeglichen. Der kritische Leser nimmt von Beginn an natürlich die prädestinierte Zweifler-Rolle des Journalisten Erfurt ein. Bei der Recherche taucht dieser dann tief in das komplex gestrickte Illusionsspiel aus Mythen, Realität, Fiktion und Legende ein.

Semi-Funny-Zeichenstil

Die Schwarzweißzeichnungen sind durch flächige Grautöne "koloriert". Koslowskis Strich geht aufgrund stark karikierender Elemente in die Semi-Funny-Richtung, ohne dabei aber völlig ins Lächerliche oder Absurde abzudriften. Dafür legt er dann doch noch zuviel Wert auf eine realistische Darstellung. Auf diese Weise herrscht ein stimmungsvolles Gleichgewicht, das eine grandiose Atmosphäre erzeugt.

Keine Musiker-Biografie

Mit The King liegt keine weitere Elvis-Biografie vor. Der deutsche Comiczeichner Reinhardt Kleist (The Secrets of Coney Island; Edition 52) war da mit seiner illustrierten Lebensgeschichte über den King etwas schneller. Vielmehr handelt es sich um eine herrliche fiktive Erzählung, den den Mythos "Elvis" gleichermaßen kritisch verballhornt, aber eben auch begührend feiert. Damit ist Koslowski ein unterhaltsamer und amüsanter Spagat geglückt, den sich kein Graphic Novel-Liebhaber entgehen lassen sollte.

Rich Koslowsk: The King. Edition 52, 2008. Softcover, 264 Seiten. 17 Euro.