Comic-Rezension: The Secrets of Coney Island (Reinhard Kleist)

The Secrets of Coney Island - Edition 52
The Secrets of Coney Island - Edition 52
Der deutsche Comicautor Reinhard Kleist erhebt in "The Secrets of Coney Island" die einstige Jahrmarktsinsel zur Kulisse seiner phantastischen Geschichten

Der deutsche Comiczeichner Reinhard Kleist nähert sich in The Secrets of Coney Island einem ur-amerikanischen Mythos: dem Jahrmarkt und den damit verbundenen Illusionen, dem Zauber und der Magie, die von solchen Orten ausgeht, an denen sich Phantasie zu einem geballten Konzentrat bündelt. Der Band ist 2007 in der Edition 52 erschienen und enthält drei Kurzgeschichten, die allesamt auf dem Vergügungspark vor New York spielen und wovon die erste und die letzte miteinander verbunden sind.

Coopers Show

In der ersten und längsten Episode ("Coopers Show") geht es um den jungen Schwertschlucker Cooper, der den schon immer ein schleichendes Gefühl der Unbehaglichkeit und Unzugehörigkeit inmitten der Artisten begleitet hat. Und dann stößt er einen Tages auch noch auf ein dunkles Geheimnis über seine wahre Herkunft.

Kleist skizziert in dieser Kurznovelle das Leben Coopers innerhalb der bizarren Welt der Artisten und Schausteler auf einem Coney Island, das vom Verfall eingeholt wird. Nur noch vereinzelte Paare scheinen sich in diesen einst blühenden Vergnügungspark zu verirren. Nun kämpfen die Schausteller gegen gewinnstrebende Grundstückverwalter, die mit dem Gelände andere Pläne haben.

Cone Island Angel

Danach dreht sich in "Coney Island Angel" alles um den frusrierten Schauspieler Mickey Rourke. Der Hollywood-Star ist beim Dreh eines Alan Parker-Films (Angel Heart) auf dem Coney Island-Gelände sichtlich genervt und macht in der Bar die erfreuliche Bekanntschaft mit einer attraktiven, aber auch mysteriösen Frau. Auch in dieser erfundenen Hintergrundstory zum Film verbindet der deutsche Autor wieder phantastische Elemente mit Realismus.

Thunderbolt

In "Thunderbolt" treffen die gealterten Artisten aus der ersten Episode auf einen Drink zusammen in Coney Island zusammen und tauschen ihre erlebten Geschichten von früher aus. In Rückblicken lässt Kleist die alten Erlebnisse noch einmal aufblühen. Diese schon ältere Kleist-Geschichte wurde für diesen Sammelband eigens nochmal neu gezeichnet.

Reduzierter Strich

Mit seinem gewohnt leicht reduziertem Strich bringt Kleist seine phantastischen Geschichten zu Papier. Die Schwarzweißzeichnungen bestechen durch eine Vermischung von Realismus und einem leichten karikierenden Einschlag. Kongeniale Licht- und Schatteneffekte, die Kleist in Perfektion beherrscht, ergänzen diese grandiosen Schwarzweißbilder, wodurch insgesamt eine atmosphärisch dichte Stimmung entsteht.

Phantastische Geschichten

Diese überragende Story-Sammlung gehört in jede gut sortierte Comic-Sammlung und ist jedem Liebhaber phantastischer Geschichten ans Herz zu legen. Kleist erweist sich nach seiner Berlin Noir-Vampir-Trilogie ("Scherbenmund", "Mord", "Narbenstadt"; Edition 52) oder seinem H. P. Lovecraft-Story-Sammelalbum Das Grauen im Gemäuer (Edition 52) einmal öfter als herausragender deutscher Comickünstler. Dass er nicht nur im Phantastik-Genre brilliert hat Kleist inzwischen auch durch durch seine Musiker-Biografien Elvis (Ehapa) und Cash - I see a darkness (Carlsen) oder durch seine Kuba-Arbeiten Havanna und Castro (beide Carlsen) bewiesen.

Reinhardt Kleist: The Secrets of Coney Island. Edition 52, 2007. Softcover, 80 Seiten. 12 Euro.