
- The Umbrella Academy 2 - Cross Cult
Dallas ist nicht nur für Seifenoperfans und TV-Junkies ein ikonischer Name, sondern auch der Schauplatz eines der perfidesten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Ein Verbrechen, bei dem ein Mitglied der Umbrella Academy die Finger im Spiel hatte bzw. haben wird, das ist immer etwas kompliziert bei Zeitreisen. Gerard Way, Sänger der US-Rockband My Chemical Romance, und Zeichenstar Gabriel Bá (B.U.A.P. - 1947) laden zu einer weiteren Tour-de-Force mit der ungewöhnlichsten Familie der Comic-Welt ein. The Umbrella Academy wird für 2012 als Verfilmung unter der Regie von Alfonso Cuarson (Harry Potter und der Gefangene von Azkaban) vorbereitet.
Tatort Dallas
Harte Zeiten sind für die Umbrella Academy angebrochen. Nach dem Tod ihres Ziehvaters Reginald Hargreeves und ihres Mentors Pogo bricht die dysfunktionale Superheldentruppe und Adoptivfamilie endgültig auseinander. Rumor hat zusammen mit ihren Stimmbändern auch ihre Kräfte verloren, Spaceboy hat seinen mechanischen Affenkörper in einen ballonähnlichen Zustand gefuttert und verlebt sein Tage als Fast-Food-TV-Junkie auf dem Sofa die Weiße Violine vegetiert im Wachkoma im Krankenzimmer dahin.
Während Nummer Fünf, der 80-jährige zeitreisende Zyniker im Körper eines Grundschülers, seine Zeit mit Hunderennen und Schnaps vergeudet, hat Kraken in seinem „kleinen“ Bruder den Grund für einige seltsame Verbrechen im Umfeld der Umbrella Academy ausgemacht – Verbrechen, hinter denen sich das größte Trauma der amerikanischen Nation verbirgt: die Ermordung des 35. US-Präsidenten, John Fitzgerald Kennedy.
Postmoderne Narrative und karikierende Superlative
Die Handlung und viele Pointen sind vorhersehbar und zählen sicherlich nicht zu den Stärken Ways. Ausschlaggebend ist dann wohl eher „Wie“ die Story erzählt wird. In einer turbulenten Mischung aus Pulp-, Superhelden- und Science-Fiction-Elementen hängt die Beliebtheit der Serie an der Fabulierfreude des Autors und Rocksängers. Ähnlichkeiten und Anlehnungen an die Arbeiten von klangvolle Namen wie Alan Moore, Tim Burton oder Quentin Tarantino liegen auf der Hand.
Auch Bà darf sich durch seine karikierenden Zeichnungen, die zwischen Ernsthaftigkeit und Übertreibung pendeln, mit etablierten und Stilbildenden Comicgrößen, vor allem mit Mike Mignola und dessen charakteristischen, leicht eckigen Strich vergleichen lassen. Die knallbunte Kolorierung von Dave Stewart erzeugt in Kombination mit den kolorierten Hintergründen, die im Comic meist weiß bleiben, für die entsprechende Stimmung.
Ein (ur-)amerikansicher Comic
Die Eigenleistung des Duo beziehungsweise Trios fällt bei all den Zitaten aus der Populärkultur bei vielen Kritikern unter den Tisch. Auch die geglückte Ästhetik und die effektvollen narrativen Kunstgriffe können nicht darüber hinaus hinwegtäuschen, dass der Plot recht vorhersehbar ist. Und irgendwie hat man endlich doch schon alles vorher bei den genannten Klassikern gesehen. Die Substanz der Fortsetzung von The Umbrella Academy strahlt letztlich doch trotz aller formeller Fortschrittlichkeit wieder nur konservative (ur-)amerikanischen Werte und die amerikanische Geschichte aus.
Apfelkuchen und Trash-TV, Atombomben. Marylin Monroe, Diamanten und ein Geburtstaglied, Abraham Lincoln und der Albtraum „Vietnam“, Atomic Café, Suburbua zbd ein Gott, der wie John Wayne aussieht. Das ist zu wenig und zu dünn beziehungsweise zu dick aufgetragen oder aufgeblasen, um als „Graphic Novel“ – ein inflationär benutzter Begriff um Comics aufzuwerten – durchzugehen. Unterm Strich bleibt nur eine bunte amerikanische Comicserie, Schall und Rauch, viel Lärm um Nichts.
Gerard Way & Gabriel Bá: The Umbrella Academy 2: Dallas. Cross Cult, 2010. Hardcover (A5), 160 Seiten. Euro 19,80.
