
- The Warlord 2 - Cross Cult
Travis Morgan alias Warlord erschien zum ersten Mal in 1st Issue Special (DC). Das war 1975, als der Autor Mike Grell auf Anhieb seinen Durchbruch mit The Warlord geschafft hat. 133 Hefte sind seit der ersten Ausgabe am ersten Februar 1976 danach erschienen. Nach gut 35 Jahren liegt nun bei Cross Cult zum allersten Mal eine edle Schwarzweiß-Gesamtausgabe sämtlicher Abenteuer des populären Fantasy-Helden auf Deutsch vor.
Deimos
Im zweiten Band sind Morgan und seine Mitstreiter – der Königssohn Machiste und die russische Wissenschaftlerin Mariah – gezwungen, aus den Fallen eines Großwildjägers zu entkommen, nehmen die Herausforderung gegen den personifizierten Tod an und kommen schließlich einer Verschwörung des Erzmagiers Deimos auf die Schliche, der aus dem Reich der Toten auferstanden ist, um Rache an Travis und seine Begleiter zu nehmen.
Auf den Spuren der klassischen Abenteuer-Autoren
Nach dem Auftaktband (Skartaris) der Gesamtausgabe ist bei Cross Cult mit „Deimos“ der zweite Band erschienen. In einer Pulp-mäßigen Mixtur von Abenteuer, Fantasy und Science Fiction steht Grell ganz in der Tradition von klassischen Schriftstellern wie Edgar Rice Burroghs (Pellucidar) oder Jules Verne (Reise zum Mittelpunkt der Erde), die in ihren Romanen ähnliche Welten unter der Erde erschaffen. Außerdem mischt Grell noch Elemente aus der Phase der klassischen Sword and Socery-Romanwelt von Autoren wie Robert E. Howard (Conan der Barbar) oder Clark Ashton Smith (Des Magiers Wiederkehr).
Trotz fortschrittlichem Männerbild: archaisch-nostalgisch
Leichte Unterhaltung, die den Leser keinesfalls überfordern soll, steht dabei im Vordergrund, wenn Dinosaurier oder der Tod in Gestalt einer leichtbekleideten Frau mit Schwert und Pistole bekämpft und leichtbekleidete Frauen aus den Fängen von verfeindeten Barbaren entrissen werden. Diese Art von absolutem Eskapismus zeichnet sich durch ein archaisches, nostalgisches Weltbild aus, durch eine antiquierte Sehnsucht nach der Vergangenheit, in der ja alles besser war. Interessant ist dagegen das Männerbild Grells, denn Travis ist nicht nur stark, sondern auch einfühlsam. So weint er beispielsweise um ein getötetes Einhorn, nachdem er dessen barbarische Mörder mit seinem Schwert getötet hat.
Typisch 70er Pulp-Artwork
Die Schwarzweißzeichnungen entsprechen dem typischen 1970er Jahre- Zeichenstil in Abenteuercomics. Sie sind meist dynamisch und die Panels wirken überbordend voll, um möglichst viele Reize auszusenden. Splashpanels, große und ganzseitige Panels durchbrechen immer wieder die Anordnung der Einzelbilder. Auch hier gilt, was schon für den Inhalt galt: die leichte Unterhaltung steht im Vordergrund.
The Warlord ist ein trashiger Pulp-Kult-Comic, der ausnahmslos für nostalgische Liebhaber des Genres geeignet ist. Wer auch schon Andrax (auch Cross Cult) gern gelesen hat, der wird sich auch an The Warlord erfreuen, denn die Comics schlagen in die gleiche Kerbe. Vorerst sind im Rahmen der Neu-Edition sechs Bände mit insgesamt über 1.000 Seiten geplant. Als Extra gibt es in jedem Band eine farbige Galerie mit den Covern der US-Heftausgaben. Im zweiten Band ist außerdem noch ein Interview mit dem Autor enthalten. Gegenwärtig erscheint in den USA bei DC Comics eine neue Warlord-Serie von Mike Grell, die ebenfalls auf Deutsch bei Cross Cult geplant ist. Diese soll aber farbig veröffentlicht werden.
Mike Grell: The Warlord 2: Deimos. Cross Cult, 2010. Hardcover, 192 Seiten. Euro 22.
