Comic-Rezension: Vinci

Stimmungsvoller Comic von Chaillet und Convard

Vinci - Cover - Ehapa Comic Collection
Vinci - Cover - Ehapa Comic Collection
Grausame Morde im Italien der Renaissancezeit. Wer ist der Mörder? Frankobelgischer Genremix mit prächtigen Bildern, aber vorhersehbarer Story.

November 1519: Im Zisterzienserkloster Vauluisant zwischen Burgund und der Champagne. Der König von Frankreich Franz I. bittet um eine Audienz beim Pater Prior des Klosters. Im Gepäck hat er ein Gemälde des legendären Leonardo da Vinci, das der Prior nach einem kurzen Blick als grauenhaft und entsetzlich bewertet. Was hat es mit diesem letzten Bild des großen Meisters auf sich und was veranlasst den König in da Vincis Todesjahr, das Gemälde zu verstecken? Diese Rahmenhandlung bildet die Grundlage für den historischen Krimi-Comic „Vinci“ von Gilles Chaillet und Didier Convard. Die Ehapa Comic Collection veröffentlicht den Zweibänder bestehend aus den Alben "Der zerbrochene Engel“ und "Schatten und Licht“ in der Serie „All in one“.

Krimi, Liebesgeschichte oder Historiencomic?

Frank I. beginnt zu erzählen und präsentiert Mönch und Leser in „Vinci“ eine wirklich unglaubliche Geschichte. Rückblick: Am 15. Dezember 1494, gegen sieben Uhr, wird die Leiche des Notars Christoforo di Rodrigo am Ufer des Martesana-Kanals in Mailand gefunden. Allerdings weist sie ein äußerst unappetitliches Merkmal auf: Ihr wurde mit chirurgischer Präzision das Gesicht gestohlen. Wer hat das getan und warum? Vogt Vittore, seines Zeichens Vorstehe der örtlichen Polizei, nimmt die Ermittlungen auf und bittet keinen anderen als den Meister Leonardo da Vinci um seine Meinung zu dieser grausamen Tat. Tja und da macht sich der große da Vinci verdächtig. Hat etwa der Schöpfer der legendären Mona Lisa etwas mit diesem grausamen Mord zu tun? Und wer ist jene geheimnisvolle Unbekannte im Dunstkreis von Leonardo da Vinci.

Batman in Mailand?

Als ein zweiter Mord mit identischer Gesichtsenthäutung folgt und der Täter mit einem seltsamen Fluggerät im besten Batman-Stil entfliehen kann, kommt zumindest dem versierten Leser der Verdacht, dass das Universalgenie Leonardo da Vinci seine Finger im Spiel haben könnte. Wenn dem so ist, was könnte da Vinci dazu bewogen haben. Vielleicht eine lang zurückliegende Tat, die einen persönlichen Rachefeldzug in der erzählten Gegenwart nach sich zieht?

Traditionelle Panelaufteilung

Das klingt ja alles recht spannend und mysteriös. Genau genauso ist der Comic „Vinci“ auch. Eine gelungene Mischung aus Krimi, Historiencomic, Liebesgeschichte und einer kleinen Prise Horror. Besonders beeindruckend sind die stimmungsvollen Zeichnungen von Gilles Chaillet, die historische Genauigkeit in Anspruch nehmen und einen wirklich plastischen Eindruck vom Italien der Renaissancezeit vermitteln. Erfrischend-konservativ ist die traditionelle Panelaufteilung, die in diesem frankobelgischen Comic nur durch einige mittelgroße Panoramen aufgebrochen werden. Einziger Wermutstropfen ist die recht vorhersehbare Story.

Vinci. Zeichnungen: Gilles Chaillet. Text: Didier Convard. Ehapa Comic Collection / Glénat. Hardcover, farbig, 112 Seiten. Euro 29,95.

Martin Höche, Martin Höche

Martin Höche - Martin Höche hat als Journalist für das Interviewportal Planet-Interview gearbeitet und Beiträge in verschiedenen deutschen ...

rss