Comic: Spirou & Fantasio Spezial Band 8

Rezension: „Portrait eines Helden als junger Tor“ von Emile Bravo

Spirou & Fantasio Spezial 8 - Cover - Carlsen Comics
Spirou & Fantasio Spezial 8 - Cover - Carlsen Comics
Spirou geht zurück zu seinen Wurzeln im Jahr 1939: Ein unpolitischer Pimpf, der von den Ereignissen der Weltpolitik jäh heimgesucht wird - mutig und großartig.

Rund 50 Comic-Alben, einige Spezialbände und unzählige Strips umfasst das Universum des wohl berühmtesten Pagen der Welt. Die Rede ist vom rothaarigen Spirou, der im Jahr 1938 vom Franzosen Rob-Vel (eigentlich Robert Velter) für das Comic-Magazin „Spirou" geschaffen wurde. Zuerst als Gegenstück zum sehr erfolgreichen „Tim und Struppi" entwickelte sich „Spirou" sehr schnell zu einer eigenständigen und erfolgreichen Serie sowie als Paradestück für den Abenteuercomic frankobelgischer Machart.

Spirou – frankoblegischer Comic par excellence

Im nunmehr achten Band der Spirou und Fantasio Spezial-Serie geht Emile Bravo (Story und Zeichnungen) der Frage nach, wo die Ursprünge des Helden liegen. Als der Band „Portrait des Helden als junger Tor" 2008 zum 70. Geburtstag von Spirou in Frankreich erschien, sorgte er für unglaubliches Aufsehen. Durch diesen Comic, so die fast einhellige Meinung von Journalisten und Fans, ist die gesamte Serie den Kinderschuhen entwachsen. Denn Spirou bekommt von Emile Bravo eine mehr als bewegte Vergangenheit auf die Pagenuniform geschrieben. Er führt ihn zurück an seine Wurzeln.

Alles neu in diesem Comic

Nicht die große weite Welt mit ihren Abenteuern und exotischen Orten ist Gegenstand von „Portrait eines Helden als junger Tor", sondern die belgische Hauptstadt Brüssel im Sommer des Jahres 1939. Im teuren Hotel Moustic fährt ein Wagen vor, hält an und ein Herr von Glaubitz aus Deutschland steigt aus. Er will sich im Hotel mit einer Delegation polnischer Gesandter treffen. Thema: Der drohende Einmarsch von Hitler-Deutschland in Polen. Schon allein dieses reale Setting unterscheidet den vorliegenden Comic von allen seinen Vorgängern. Anspielungen auf politische und gesellschaftliche Konflikte gab es zwar auch davor, aber nur in sehr geringem Maße. In dieser konkreten Form betritt die Serie also absolutes Neuland.

Spirou mal ganz politisch

Mittendrin: Der junge Hotelpage Spirou, der von all diesen Konflikten zunächst nichts mitbekommt und sich überhaupt recht wenig für politische Fragen interessiert. Er spielt lieber Fußball und begnügt sich damit, im Magazin „Le Petit Vingtieme" zu lesen (dort erschien derzeit unter anderem „Tim und Struppi"). Erst als er sich verliebt und sich herausstellt, dass seine neue Liebe politisch sehr aktiv – und damit gefährdet – ist, beginnt er die politische Lage zu verfolgen. Schnell kommt ans Tageslicht, dass im Hotel Moustic die entscheidenden Hebel umgelegt werden, die über den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs oder dessen Vermeidung entscheiden können. Spirou, sein Gefährte Fantasio, das Eichhörnchen Fips und defekte Telefonkabel spielen dabei eine wichtige und zugleich tragische Rolle.

Spirou als Graphic-Novel

Emile Bravo hat mit diesem Spirou-Comic bewusst provoziert und Mut bewiesen. Trotz einiger Spirou-typischer Humoreinlagen ist „Porträt eines Helden als junger Tor" ein durchweg ernster Comic, der eher im Bereich Graphic-Novel anzusiedeln ist. Emilie Bravo orientiert sich zeichnerisch an seinen Vorgängern sowie an Hergés „Tim und Struppi" und schafft es trotzdem, einen ganz eigenen Stil zu entwickeln. Fans der Serie und des frankobelgischen Comics kommen durch zahlreiche Ansielungen und Insider-Gags auf ihre Kosten. Der Comic „Porträt eines Helden als junger Tor" kommt ganz ohne die serientypische Action aus und lebt von einer spannenden Handlung und intensiven Dialogen.

Spirou & Fantasio Spezial Band 8. Porträt eines Helden als junger Tor. Zeichnungen und Text: Emile Bravo. Carlsen Comics 2009. Softcover, farbig, 80 Seiten. Euro 10,00.

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Martin Höche, Martin Höche

Martin Höche - Martin Höche hat als Journalist für das Interviewportal Planet-Interview gearbeitet und Beiträge in verschiedenen deutschen ...

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