
- Holmes vs. Zombies Cover - Paninicomics
Als im Jahr 1887 „A Study in Scarlet" von Sir Arthur Conan Doyle auf dem englischen Buchmarkt erschien, war das die Geburtsstunde eines der wohl bekanntesten Figuren in der europäischen Literaturgeschichte. Privatdetektiv Sherlock Holmes trat zum ersten Mal in Erscheinung, um mit seinen höchst ungewöhnlichen, weil streng rationalen, Ermittlungsmethoden Jagd auf Verbrecher jeglicher Art zu machen. In Deutschland dauerte es ein paar Jahre, bis 1894 auch hier erste Sherlock-Holmes-Roman erschien - der Titel damals: „Späte Rache". In wenigen Romanen, aber unzähligen Erzählungen und Kurzgeschichten schaffte es Doyle, das Stereotyp für den Detektiv der Moderne zu schaffen, der wiederum unzählige Male kopiert wurde - man denke nur an die TV-Serien „Dr. House" oder „Monk". Aber auch viele direkte Ehrerweisungen sind eine Verbeugung vor dem Privatdetektiv mit der Vorleibe für Geigenspiel und scheinbar unlösbare Fälle.
Sherlock Holmes und Zombies
Eine Ehrerweisung neueren Datums ist der Comic „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies", der auf Deutsch bei Paninicomics erschienen ist. Sherlock Holmes und Zombies? Mit der Vermischung dieser beiden Welten hat höchst umtriebige britische Comic-Autor Ian Edington eine recht absurde Idee umgesetzt. Schließlich sind Zombies eine ziemlich irrationale Erscheinungsform. Und wie soll der stet rational denkende und handelnde Detektiv Holmes damit etwa anfangen können?
Comic im viktorianischen London
Dabei erinnert der Anfang dieses Comics weniger an Detektiv- oder klassische Zombiegeschichten, sondern ist eine gezeichnete Reminiszenz an den Kinofilm „Die Körperfresser kommen" in der Version von 1978 (Regie:Philip Kaufman) mit Donald Sutherland in der Hauptrolle. 1854: Das London der viktorianischen Zeit wird von einem merkwürdigen Krankheit heimgesucht, die viele Menschen das Leben kostet. Dr. Snow und Reverend Whitehead obduzieren einige der Leiche und vermuten die asiatische Form der Cholera als Verursacher ausgemacht zu haben. Doch als sich ein vermeintliches Opfer vom Obduktionstisch erhebt und mit ungesunder grüner Gesichtsfarbe, hervortretenden Augen sowie furchteinflößenden Zähnen zum Angriff übergeht, ändern sie ihre Meinung recht schnell.
Comic, Zombies, Holmes, Watson und die große Verschwörung
Schnitt: London 1898. Sherlock Holmes und Dr. Watson sind einem Schurken auf der Spur, der den Hypnosebedarf von gestressten Herren der britischen Oberschicht dazu nutzt, eben jene Personen um ein paar Pfund ihres Vermögens zu erleichtern, als sie unversehens mit einem Mann konfrontiert werden, der offensichtlich tot ist, aber einfach keine Ruhe findet und mit voller Gewalt, den Lebenden nach dem Leben trachtet - ein klassischer Zombie eben. Nach und nach entdecken Holmes und Watson in diesem Comic, dass es weit mehr als nur einen Zombie gibt - und es werden immer mehr. Sie sind hungrig und breiten sich aus. Wo kommen die Zombies her und wie kann man sie bekämpfen? Schnell finden Holmes und Watson heraus: Es scheint sich um eine Verschwörung zu handeln, die bis ganz nach oben reicht.
Genremix: Detektiv- und Horrorcomic
Ian Edington ist mit „Sherlock Holmes vs. Zombies" der Genremix aus Horror- und Detektivcomic geglückt. Die Story ist spannend und folgt der Logik einer klassischen Holmes-Geschichte. Die Horrorelemente passen sich da hervorragend ein. Da stört es auch kein bisschen, dass der Auftritt der Zombies ein bisschen überdreht wirkt. Mit den Zeichnungen von Davide Fabbri, die die morbide Düsternis Londons treffsicher einfangen, wird „Sherlock Holmes vs. Zombies" zu einem rundum gelungenen und kurzweiligen Comic - nicht nur für Holmes-Fans.
Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies. Zeichnungen: Davide Fabbri, Story: Ian Edington. Paninicomics / Wildstorm Universe. Softcover, farbig 148 Seiten. Euro 16,95.
