Comic-Rezension: "300" Frank Miller/Lynn Varley

Die berühmte Schlacht der Spartaner gegen die Perser

300 - Cross Cult
300 - Cross Cult
Drei Tage dauerte die Schlacht bei den Thermophylen zwischen den Spartaner und den Perser, die von Miller und Varley in Comicform gegossen wurde.

Neben Frank Millers „Sin City“ und „Hard Boiled“ hat Cross Cult auch „300“ neu veröffentlicht. Die überlieferte Geschichte von der Schlacht bei den Thermophylen um 450 vor Christus ist von dem Historiker Herodot überliefert worden. Darin wird der dreitägige Kampf zwischen den unbeugsamen, aber zahlenmäßig unterlegenen Spartanern unter der Führung ihres Königs Leonidas und der unüberschaubaren Streitmacht Persiens, die auf das Kommando ihres „Gottkönigs“ Xerxes hört. Der Text und die Zeichnungen stammen aus der Feder von Miller, während Lynn Varley für die Farbgestaltung verantwortlich ist.

Der Initiationsmythos des Leonidas

Wieso sollte ein Comickünstler wie Frank Miller Interesse an einer Adaption des historischen Stoffes haben? Seine anderen Arbeiten zeugen nicht unbedingt von einer geschichtlichen Neugier. Jedoch ähneln die Charakterzüge der Spartaner in vielerlei Hinsicht zum Beispiel den Protagonisten aus „Hard Boiled“ oder „The Dark Knight Returns“. Der Vollstrecker-Robotor und der gealterte „Batman“ sind genauso willensstarke und unbeugsame Figuren wie die Soldaten Spartas.

Miller lässt die Geschichte von den spartanischen Überlebenden Dilios erzählen. Dieser wurde von seinen König aufgrund seiner Erzählkünste rechtzeitig fortgeschickt. So baut Miller die narrative Struktur auf den pathetischen und subjektiv gefärbten Erinnerungen des Überlebenden auf. Insgesamt gibt es mehr Erzähltext als gesprochenen Text. Im Zentrum steht der spartanische König Leonidas, dessen Initiationsmythos – als Junge hat er aus einer unterlegenen Position einen Wolf durch Geschick, Mut und Strategie bezwungen – wie ein roter Faden durch die Handlung mitschwingt.

Ikonographie und Symbolhaftigkeit

Miller zeichnet die Bilder in seinem typischen kräftigen Strich. Seine Zeichnungen wirken skizzenhaft und sind von flächig getuschten Schatten gekennzeichnet. Eine Verwandtschaft zur Holzschnitttechnik liegt unweigerlich auf der Hand, was auch die ikonographische Wirkung erklärt. Dadurch, dass bei Miller Vieles – durch Schatten – angedeutet oder umrissen bleibt, wird der Effekt zusätzlich unterstützt. Die Farben von Varley, vermutlich aquarelliert, fügen sich perfekt zu Millers Zeichnungen hinzu: Ihre dreckigen oder lichten Farbtöne werden nur von den roten Umhängen der Spartaner durchbrochen.

In „300“ sind große, oft auch ganz- oder doppelseitige, Panels numerisch dominanter gegenüber kleineren Einzelbildern. Dadurch wird die pathetische Größe der Schlacht nochmals unterstrichen, was unter anderem bereits mit den Kapitelnamen – Ehre, Pflicht, Ruhm, Kampf – ohnehin narrativ stark verankert ist. Hinzu kommt eine starke Symbolhaftigkeit, die beispielsweise durch einen komponierten Szenenaufbau – Vogelperspektive, kreisförmige Anordnung – zum Ausdruck kommt.

Das Kriegervolk in Sprechblasen

Dem Team Miller/Varley gelingt eine hervorragende Übertragung des legendenumwobenen Stoffes in die Sprache des Comics. In ihrer Version erscheinen die Spartaner als Soldatenvolk, das den Krieg durch lebenslanges Training verinnerlicht hat. Die perfide Grausamkeit, die bei der Selektion bei der Geburt eines jeden Spartaners durchgeführt wird, wird nicht ausgeklammert, aber auch nicht implizit moralisch kritisiert. In einem ungewöhnlichen Querformat liegt bei Cross Cult ein handlicher Comicklassiker vor, der verfilmt wurde und in keiner Sammlung fehlen sollte.

Frank Miller & Lynn Varley: 300. Cross Cult, 2006. Hardcover, 88 Seiten. Euro 29,80.