Comic-Rezension: Die Chroniken von Centrum

Frankobelgischer Science-Fiction Comic von Khaled und Andrevon

Chroniken von Centrum - Cover - Ehapa Comic Collection
Chroniken von Centrum - Cover - Ehapa Comic Collection
Düstere Science-Fiction Vision: In Milliardenstadt wird die Überbevölkerung durch Spezialeinheit reduziert. Aber irgendwas läuft falsch - fesselnder und spannender Comic

Das Bevölkerungswachstum auf der Erde könnte, vorsichtig ausgedrückt, zu Versorgungsengpässen führen. Das haben nicht nur zahlreiche Politiker, Ökonomen, Menschenrechtler und dergleichen mehr längst erkannt, sondern hat auch zahlreiche Autoren aus dem Genre der Science-Fiction immer wieder variantenreich inspiriert.

Inspiration der Science-Fiction

Wie unlängst die beiden Franzosen Afif Khaled (Zeichnungen) und Jean-Pierre Andrevon (Text / Szenario), im Science-Fiction Comic "Die Chroniken von Centrum“, der jetzt bei Ehapa im Albumformat auf Deutsch erschienen ist. Andrevon entwirft das Bild eines Europas in einer nicht allzu fernen Zukunft, das selbst die kühnsten Prognosen der wagemutigsten Demografen übertreffen würde. Wesentliche Teile Europas sind in der Mammutmetropole Centrum zusammengewachsen. In ihr wohnen nicht nur ein paar Millionen Menschen, sondern gleich einige Milliarden. Wie ein Pilz hat sie sich auf dem Kontinent hingestreckt und ist bei ihrem Wachstum nicht nur in die Breite gegangen – Centrum ist ebenfalls auch in die Höhe gewachsen.

Metropolis trifft Star Wars

Afif Khaleds Zeichnungen im Comic "Die Chroniken von Centrum“ sind eine Adaption verschiedener klassischer Motive aus dem Fundus der Science-Fiction. Wolkenkratzer, die nicht nur an den Wolken kratzen, sondern über die Wolken hinaus ragen. Dazu gehören tiefe Häuserschluchten und die Aufeilung der Stadt in Reichen- und Armenviertel. Rein optisch ist Centrum Mischung aus Luc Bessons "Das fünfte Element“, Fritz Langs legendärem Klassiker "Metropolis“ und der einen oder andern Wolkenstadt, wie sie aus "Star Wars“ bekannt sind.

Worum geht’s in "Die Chroniken von Zentrum“?

Eingangs bereits angedeutet, leidet Centrum unter einer chronischen Überbevölkerung, die angesichts der immensen Einwohnerzahl zu einem massiven Problem zu werden droht. Statt restriktiver Geburtenkontrolle hat sich Andrevon in diesem Comic eine extrem perfide Art der Bevölkerungsregulierung ausgedacht. Jedes Jahr sucht das Gesundheitsministerium etwa eine Million Einwohner von Centrum aus, die von einem speziellen Polizeikorps eliminiert werden sollen. In "Die Chroniken von Centrum“ nennt sich dieses Korps die "Frettchen“ – die Mitglieder gehen zwar weniger bissig, dafür mit der geballten Kraft von Schusswaffen an ihr brutales Werk.

Comic mit namenlosem Helden

So wie der namenlose, aber Trenchcoat tragende, Protagonist in Khaled und Andrevons Science-Fiction Comic, der bis etwa zur Hälfte des Comics namenlos bleibt. Er ist einer dieser Frettchen. Der Leser begleitet ihn durch die Schluchten und Slums von Centrum, dabei beobachtet er ihn bei seiner täglichen Routine. Nach und nach stellen Protagonist und Leser fest, dass bei der Geburtenkontrolle doch nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Seine Überzeugung für das Kontrollprogramm wandelt sich in wachsenden Zweifel um.

Düstere Science-Fiction Story

Insgesamt ist die düstere Science-Fiction Story von "Die Chroniken von Centrum“ sehr gut durchdacht und trotz des etwas abrupten Endes durchaus spannend. Fans actiongeladener Comics kommen definitiv auch nicht zu kurz. Neben der Story sind aber vor allem die Zeichnungen in typisch frankobelgischem Stil von Afif Khaled überzeugend, denen es gelingt, die dystopische Vision einer Megacity plausibel einzufangen.

Die Chroniken von Centrum. Zeichnungen: Afif Khaled, Text / Szenario: Jean-Pierre Andrevon. Ehapa Comic Collection. Hardcover, farbig, 144 Seiten. Euro 39,95.

Martin Höche, Martin Höche

Martin Höche - Martin Höche hat als Journalist für das Interviewportal Planet-Interview gearbeitet und Beiträge in verschiedenen deutschen ...

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