Comic-Rezension Die hermetische Garage (Moebius)

Ein hintergründiger Science-Fiction-Trip mit bitterbösem Humor

Die hermetische Garage - Cross Cult
Die hermetische Garage - Cross Cult
„Die hermetische Garage" zeigt einmal mehr ein satirisches und surreales Science-Fiction-Universum, das keinen Regeln unterliegt und aus dem Unterbewussten schöpft

Neben der Comicstripsammlung „Arzach“ hat Cross Cult von Jean Giraud alias Moebius auch den Science-Fiction-Klassiker „Die hermetische Garage“ veröffentlicht. Beiden Werken ist gemein, dass Moebius in experimenteller Manier die Swift’sche Literaturtradition der Satire aufgreift und mit Science-Fiction-Elementen kombiniert. „Die hermetische Garage“ ist entgegen „Arzach“ vollständig in schwarzweiß gezeichnet stellt eine mehr oder weniger „zusammenhängende“ Erzählung mit ausgleisenden Episoden dar.

In der Tradition von William S. Burroughs

Die überwirklichen Exkurse und irrationalen Wendungen lassen jedenfalls keine geradlinige Handlungsstruktur erkennen, jedoch kreisen die antinatürlichen narrativen Stränge um ein festes Ensemble an Protagonisten. Neben der Vermischung von Surrealismus und Versatzstücken aus der Science-Fiction ähnelt auch die sprunghafte Erzählstruktur stark an die Romane des Beatnik und Kult-Autoren William S. Burroughs.

Der Protagonist Major Grubert erinnert in seiner Tropen-Erkundungs-Bekleidung sogar äußerlich an das Mitglied der Beat Generation, das für seine Drogen-Exkursionen in den lateinamerikanischen Dschungel, die er anschließend literarisch verarbeitete, bekannt ist. Beide Künstler stehen schließlich auch in der literarischen Tradition eines Jonathan Swift.

Hommage an die US-Superheldencomics

Die schwarzweißen Zeichnungen werden von Moebius im Verlauf der Geschichte zwar geringfügig varriiert, im Großen und Ganzen dominiert aber seine typische, nur leicht reduktionistische Realästhetik. Wie in vielen anderen Arbeiten ist auch in „Die hermetische Garage“ sein Hang zur Detailbesessenheit zu erkennen. Die reale und wohlkomponierte Ästhetik trifft hier auf die überwirkliche Erzählung.

Eine weitere auffällige Erscheinung sind die vielen Querverweise auf die US-amerikanischen Superheldencomics. Zum Beispiel zitiert er die bekannte Flughaltung des Superhelden „Iron Man“, was er im Vorwort zu „Die hermetische Garage“ selbst preisgibt. Figuren wie die Bogenschützen „Hawkeye“ oder „Green Arrow“ sowie der Magier und Superschurke „Ming“ oder der Telepath „Vision“ sind weitere Superhelden-Figuren, die bei Moebius Pate gestanden haben.

Amerikanische und europäische Comictradition

Durch die Referenzen an die Superhelden vermischt Moebius auch die beiden Traditionen der amerikanischen und der europäischen Comickulturen. Hier werden auf gekonnte Weise die Vorzüge beider Traditionskriese miteinander verbunden. Darüber hinaus parodiert er seine eigenen Arbeiten als Jean Giraud („Blueberry“): Die Western-Episoden in „Die hermetische Garage“ wirken wie eine LSD-Variante seines geradlinigen Genrecomics.

Neben dem Vorwort des Künstlers selbst ist im Vorspann auch ein Artikel („Grenzenlose Freiheit“) von Martin Jurgeit abgedruckt, in dem er vor allem die intuitive und spontane Arbeitsweise Moebius‘ reflektiert – er zeichnet Panel für Panel, ohne Plan und Vorstellung über die weitergehende Geschichte. Dadurch erhält er sich eine unumschränkte Arbeitsweise und kreative Unabhängigkeit. Insgesamt betrachtet, darf dieser Moebius-Band in keiner Science-Fiction- oder Comicsammlung fehlen.

Moebius: Die hermetische Garage. Cross Cult, 2008. Hardcover, 120 Seiten. Euro 19,80.