Comic-Rezension: Elende Helden (Baru/Pelot)

Eine bitterböse Satire über die Provinz und seine Außenseiter

Elende Helden - Edition 52
Elende Helden - Edition 52
Baru und Pelot holen die Leichen der Provinzler säckeweise aus den Kellern hervor und üben Sozialkritik, indem sie die das Leben der gesellschfatlichen Randfiguren zeigen

Nach seinem zweiten Boxercomic „Wut im Bauch“ – „Der Champion“ war der erste – meldet sich der Autodidakt Baru wieder zurück. Das Szenario für die Graphic Novel „Elende Helden“ stammt diesmal aber aus einer fremden Feder: der Allround-Schriftsteller – neben Horror- und Science-Fiction-Literatur hat er unter anderem auch Kriminalerzählung geschrieben – Pierre Pelot („Pakt der Wölfe“) liefert mit einem seiner Romane den nötigen Stoff für eine typische Baru-Erzählung, die sich in der Regel um gesellschaftliche Außenseiter dreht.

Die Außenseiter bei Baru

Er darf auf keinen Fall in einem Baru-Comic fehlen: der grimmig dreinschauende und meist jähzornige junge Mann – hier ist es Jose, der die Scheinheiligkeit der die gealterte Chefärztin des Hospiz Saint Maurice Magard aufdecken will. Er kennt ihre Vergehen noch aus seiner eigenen Kindheit und muss nun mit ansehen, wie seine Freundin von der tyrannische Alten herumkommandiert und gedemütigt wird.

Grund ist ein verschollenes Kind, auf das Joses Freundin hätte aufpassen müssen. Die französische Provinzstadt scheint voll von kauzigen, sturen oder sonderbaren Gestalten zu sein. Da ist der arbeitslose Kleinkriminelle Anastase Bremont oder der an Ufos glaubenden Landwirt Albert. Baru zeigt die sozialen Randfiguren der Gesellschaft, jedoch nicht um diese bloßzustellen oder sich über diese zu belustigen, sondern allen voran um soziale Ungerechtigkeit und deren Folgen bloßzustellen.

Der individuelle Baru-Zeichenstil

Die verschieden Protagonisten werden auf unterschiedlichen, sich abwechselnden Handlungsebenen eingeführt. So entsteht eine multiperspektivische Ansicht der französischen Provinz. Die Wege der Handelnden kreuzen und trennen sich im Verlauf der Geschichte. Baru verzichtet dabei vollständig auf einen Erzähltext und verlässt sich auf seine Charaktere und Bilder.

Diese sind von Barus einzigartigen und unnachahmlichen Strich geprägt, der umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt, dass er nie eine Ausbildung genossen hatte, sondern sich das Zeichnen selbst beigebracht hat. Sein Zeichenstil wirkt leicht karikaturistisch, weil er prägnante Körperteile ein wenig überspitzt darstellt. Der Charme seiner Ästhetik wird durch eine herausragende Kolorierung abgerundet. Schatten und rote Nasen sorgen wiederum für eine nuancierte und realistische Darstellung.

Ein Muss für jeden Comic- und Literaturliebhaber

Baru bevorzugt die mittelgroßen Panels, die wohl komponiert sind und die narrative Dynamik unterstützen, indem sie den Lesefluss voranbringen. Die Geschichte wird durch eine inhaltliche Klammer abgerundet, die für eine humorvolle Pointe sorgt. Trotz sozialkritischer Charakterdarstellungen oder satirischer Stellungnahmen beweisen Pelot und Baru einen ausgezeichneten Sinn für Humor.

Die Graphic Novel zeichnet in einfühlsamen Bildern eine facettenreiche Skizze der französischen Provinz mit vielen Zwischentönen. Was bleibt sind die elenden Helden, die verzweifelten Randfiguren und pseudo-rechtschaffenen Anstandsbürger wie sie allesamt im wahren Leben tatsächlich vorkommen könnten.

Baru & Pierre Pelot: Elende Helden. Edition 52, 2009. Klappenbroschur, 96 Seiten. Euro 18.