
- Prometheus 1 - Splitter
Der Titel verweist bereits auf die griechische Mythologie, genauer auf den von Zeus Verstoßenen, der den Menschen gegen den Willen des Zeus das Feuer – und damit die Kultur – überreicht hat, weil er mit ihnen Mitleid hatte. Dafür wurde dieser für die Ewigkeit an einen Berghang gefesselt, wo ihm fortan täglich das gleiche Schicksal als Strafe heimsucht: Ein Adler besucht ihn jeden Tag aufs Neue, um ihn seine Leber zu entreißen.
Hard-Science-Fiction und Mystery
Das Mysterium ist eröffnet: Was hat Prometheus Schicksal mit der Menschheit der nahen Zukunft zu tun? Denn 2018 und 2019 ereignen sich global wissenschaftlich unerklärliche Phänomene. So bleiben an einem Tag zur gleichen Uhrzeit – 13:13 Uhr UTC (Universal Time Coordinated) – alle Uhren, auch die in den Computern, stehen. Atomwissenschaftler und Computerexperten rätseln über die Ereignisse und gestehen ein, dass nur noch eine Einmischung übernatürlicher Kräfte als Urheber in Frage kommen.
Christophe Bec kombiniert in „Prometheus“ auf spannende Weise Mystery- mit Hard-Science-Fiction-Elementen. Arthur C. Clarke, ein typischer Vertreter dieses Subgenres, das naturwissenschaftliche Exaktheit mit Fiktion paart, wird in dem Comic sogar zitiert. Bec verknüpft die Ebenen gekonnt: Die Mythologie von gestern greift in die Welt von morgen hinein. Beispielsweise stellt eine Parallele der Sieg über Kronos und das Stehenbleiben der Uhren dar. Denn beides sind Symbole für „Zeit“. Beim Sturz Kronos‘ sind die Titanen beteiligt und der Zukunftswelt Becs greifen die chinesische Hackergruppe „Titan Rains“ das Computersystem der USA an.
Ein Blockbuster in Sprechblasen
Die rätselhafte Story wird durch realistische Zeichnungen und Farben abgerundet. Die griechische Mythologie ist durch eine düstere, aber warme Ästhetik geprägt, wohingegen die Zukunftsszenen eher hell und kalt wirken. Bec setzt punktuell auf effektvolle große, ganz- und doppelseitige Panels, die die Größe der Ereignisse betonen. Die Atmosphäre erinnert stellenweise an Mainstream-Blockbuster-Filme eines Roland Emmerichs. Und spätestens die globalen Auswirkungen ähneln tatsächlich an dessen Endzeit-Film „2012“. Beiden gemein ist auch das Aufgreifen der Mythologie.
Inhaltlich stehen alle Zeichen auf Zerfall, was wiederum als Hinweis auf die tatsächlich bevorstehende Klimakatastrophe gedeutet werden kann. Untergehende Sonnen, Ruinen, archäologische Funde, Abschiedsbriefe sind Indizien und Symbole für einen gesellschaftlichen Verfall. Der Golfstar kämpft genauso wie der psychisch Kranke Mörder gegen das Gefühl der Einsamkeit an. Prometheus hat uns Menschen mit dem Feuer zwar die Kultur gebracht. Aber Zeus hat es uns wieder genommen. So endet eine Ikone des technischen Fortschritts (ein Flugzeug), und damit der Hochkultur, als Wrack, das dem Aussterben der Dinosaurier ähnelt.
Christophe Bec: Prometheus Band 1: Atlantis. Splitter, 2009. Hardcover, 46 Seiten. Euro13,80.
