
- Prophet Band 1 - Splitter
Apokalyptische Endzeit-Thriller scheinen im Splitter-Verlag gerade Hochkonjunktur zu feiern. Zusammen mit „Prometheus“ läuft mit „Prophet“ gleichzeitig eine zweite Weltuntergangsserie. Beide Serien vereinen biblische Anspielungen mit wissenschaftlichen Elementen. Doch in „Ante Genesem“ von Xavier Dorison und Mattieu Lauffray, dem Eröffnungsband der „Prophet“-Reihe, wird ein weiter Schwerpunkt auf Fantasy gelegt.
Ein Archäologe auf Abwegen
Der Wissenschaftler und Publizist Jack Stanton ist nach der Durchführung eines ambitionierten Projekts der einzige Überlebende. Auf einer gefährlichen Expedition im Himalaya macht er einen sensationellen Fund, der die Geschichte der Menschheit auf den Kopf stellt. Zumindest ist es da, was er in einem TV-Interview und in seinem neuen Buch „Ante Genesem“ – vor der Genesis – behauptet. Danach hat er ein etwa 8000 Jahre altes, mysteriöses 800 Meter hohes Heiligtum in 5000 Meter Höhe entdeckt. Bei einer Autofahrt schlittert Stanton unerklärlicherweise aus der Fahrbahn und aus der Welt in eine andere Dimension.
Ein vielschichtiges Zitatenwerk
Dorison zitiert hier nicht nur die Bibel, die gerade mit „Robert Crumbs Genesis“ ebenfalls Konjunktur feiert, wenn er das hochmütige Babylon – der Turmbau zu Babel wird durch die Wolkenkratzer aus der schrägen Froschperspektive angedeutet – und die Vernichtung von Sodom und Gomorra zitiert. Vielmehr verweist mit dem rätselhaften Monolith auch auf Stanley Kubricks „2001: Odysee im Weltraum“.
Den wissensdurstigen und abenteuerlustigen Archäologen assoziiert der Kinogänger auch unweigerlich mit Steven Spielbergs „Indiana Jones“. Und die Endzeitstimmung verweist offenkundig auf Roland Emmerichs „2012“. Mit dem rätselhaften Autotrip in eine fremde Dimension greift Dorision eindeutig auf H. G. Wells‘ „Menschen, Göttern gleich“ zurück.
Ein Anti-Held in einer Apokalypse
Lauffray liefert zu der polyphonen Geschichte die passenden Bilder. Seine typisch franko-belgischen Zeichnungen, im Abenteuer-Stil, koloriert er mit meist matten Farben. Er wechselt effektvolle, große und ganzseitige Blockbuster-Panels mit übersichtlich gegliederten kleinen und mittelgroßen Panels ab. Die Ästhetik ist geprägt durch eine Hommage an das Stilmotiv des „Memento Mori“ („Gedenke zu sterben“) aus der bildenden Kunst. Die Landschaft ist stellenweise übersät mit überdimensionalen Totenköpfen, Skeletten oder Ruinen.
Vergänglichkeit, Endlichkeit, aber auch Neubeginn und Wiedergeburt sind zentrale Begriffe in „Prophet 1“. Bis jetzt kann man nur erahnen, welche Rolle Stanton in diesem ganzen Chaos einnehmen wird, sicher ist jedoch, dass es wohl eine entscheidende sein wird. Der isolierte Anti-Held – seine Frau hat ihn verlassen, die Medien glauben seinen wissenschaftlichen Fund nicht – fällt (buchstäblich) jedenfalls in ein tiefes Loch, um hinterher wie Phoenix aus der Asche aufzuerstehen.
Xavier Dorison & Mattieu Lauffray: Prophet Band 1: Ante Genesem. Splitter, 2009. Hardcover, 56 Seiten. Euro 13,80.
