Comic-Rezension: Prophet 2 (Mathieu Lauffray)

Die Fortsetzung des Endzeit-Mystery-Thrillers

Prophet 2 - Splitter
Prophet 2 - Splitter
Im zweiten Band der (post-)apokalyptischen „Prophet"-Reihe „Infernum in Terra" entpuppt sich der Archäologe und Anti-Held Jack Stanton als messianischer Weltretter.

Nachdem der Protagonist im ersten Band „Ante Genesem“ als isolierter Anti-Held vorgestellt wurde, offenbart sich Jack Stanton in „Infernum in Terra“ als Prophet oder Messias. Zumindest glaubt eine Gruppe von mutierten Menschen in einer post-apokalyptischen, menschenfeindlichen Welt an den letzten nicht-mutierten Menschen als ihren Heilsbringer und Erlöser, der sie alle vor dem weltvernichtenden Nichts rettet.

Stanton als „Neo“ aus der „Matrix“?

Das alles erinnert sehr stark an die Filmfigur „Neo“ aus der „Matrix“-Trilogie. Und genau wie in diesen Science-Fiction-Filmen enttäuscht der Messias seine potentiellen Anhänger und Jünger zunächst, indem er sich seiner Rolle verweigert bzw. diese bezweifelt. Auf die Desillusionierung folgt prompt aber doch noch die Offenbarung.

Indem sich Stanton in einer Clark Kent/Superman-Pose das Hemd aufreißt, entblößt seine nackte Brust auf der die mysteriöse Tätowierung – hier wiederum ein Zitat des Superman-Emblems – erstrahlt, was ihn doch noch als Messias auszeichnet. Doch so einfach soll es doch nicht sein. Denn Stanton spielt bewusst die ihm aufgetragene Rolle nur vordergründig mit, ohne selbst an diese Prophezeiung der Mutanten zu glauben.

Postapokalyptisches Abenteuer

Doch zunächst irrt Stanton durch die scheinbar menschenleere und entfremdete Welt, die sich als die Zukunft seiner Welt, genauer New York, entpuppt. Das einsame Umherirren erinnert an postapokalyptische Szenarien von post-apokalyptischen Science-Fiction-Romane wie „Ich bin Legende“ (1954) von Richard Matheson oder „The Quiet Earth“ (1981) von Craig Harrison. Besonders die Szene, in der Stanton einen leerstehenden Supermarkt plündert, erinnert an die beiden erwähnten Romane, die auch verfilmt wurden („I Am Legend“ und „Quiet Earth - Das letzte Experiment“).

Während er aber im ersten Band noch über die Möglichkeit einer anderen Dimension gerätselt hat, wie es in ähnlicher Weise dem Helden in H. G. Wells‘ „Menschen, Göttern gleich“ widerfährt, muss er also feststellen, dass er immer noch an Ort und Stelle seiner Heimat weilt, nur Jahrzehnte in der Zukunft! Insgesamt muss festgestellt werden, dass in narrativer Hinsicht der Wegfall von Xavier Dorison nicht kompensiert werden konnte.

Memento Mori!

Auch im zweiten Band feiert Lauffray den Totenkult. Dunkle, graue und fahle Landschaftsbilder, die von Totenköpfen und erstarrten, überdimensionalen Statuen der Dämonen geprägt sind, kennzeichnen die trostlose Welt, die im Begriff ist vom hell erscheinenden Nichts absorbiert zu werden. Es gibt keine Menschen mehr, sondern nur noch Mutanten. Stanton ist der letzte seiner Gattung und sieht Zerstörung der Welt entgegen.

Der Höllenteufel, der Stanton auf den Fersen ist, erscheint zudem sehr stark als Mischung aus dem Comichelden aus „Hellboy“ und dem Oberteufel „Malebolgia“ aus der Comicserie „Spawn“. Ästhetisch fällt darüber hinaus auf, dass Lauffray zumindest in motivischer Hinsicht am Impressionismus anknüpft, vor allem dann, wenn er die Menschen bzw. Mutanten als kleine Figuren in riesigen Landschaften darstellt.

Mathieu Lauffray: Prophet Band 2: Infernum in Terra. Splitter, 2009. Hardcover, 48 Seiten. Euro 13,80.