Comic-Rezension The Red Star 3 Christian Gossett

Die Alternativwelt-Saga über die russische Geschichte

The Red Star 3 - Cross Cult
The Red Star 3 - Cross Cult
In „Gefängnis der Seelen" wird die erste Trilogie der graphisch und narrativ atemberaubenden „The Red Star"-Reihe vorläufig abgeschlossen

Nach den ersten beiden Teilen „Die Schlacht vor Kar Dathras Tor“ und „Nokgorka“ schließt Christian Gossett mit seinem Team die erste Trilogie des „The Red Star“-Epos mit „Gefängnis der Seelen“ ab. Ein Ende ist aber, zumindest was den Inhalt anbelangt, noch nicht in Sicht. Der Leser schließt das Buch und das „Red Star“-Team bleibt die alles entscheidende Schlacht zum Wohl der Vereinigten Republiken des Roten Sterns (V.R.R.S.) gegen den Seelen verschlingenden Fürsten der Finsternis Imbohl noch schuldig.

„World of War Craft“ trifft auf „Krieg der Sterne“

Auch in „Gefängnis der Seelen“ vereint Gossett Fakten und Fiktion: Die russische Geschichte bietet genug Grundlage für den Genre-Mix aus Science-Fiction und Fantasy. Raum-Zeit-Portale und überdimensionale Kampfschiffe („Wolkenbrüter“) treffen auf Zauberinnen und einem zeitlosen Geisterreich. Die besonderen Attribute einzelner Helden – der Hauptingenieur Torin kann unmenschlicher Hitze trotzen – und die so genannte „Protokolle“ – die ausgesprochenen Zauber der Kriegszauberinnen – erinnern zum einen an die Superheldencomic, aber noch mehr an Fantasy-Computerwelten à la „World of War Craft“.

Der Spannungsbogen, der sich durch die Aufteilung in zwei, sich zuspitzenden, Handlungsorten –die beiden sich bekämpfenden Wolkenbrüter auf der einen und die sich abzeichnende Schlacht im Seelengefängnis „Erzengel“ – ergibt, verweist in seiner narrativen Struktur auf die erste „Krieg der Sterne“- oder auch auf die „Herr der Ringe“-Trilogie.

Moderne Computertechnik trifft auf klassische Bleistiftzeichnung

Die Ästhetik wurde wieder mit der innovativen CGI-Technik (Computer Generated Imagery) gewonnen. Zunächst zeichnet Gossett seine Bleistiftzeichnungen und in weiteren Schritten werden die 2D-Zeichnungen in 3D-Bilder umgewandelt. Die Optik erinnert dadurch an die von Blockbusterfilmen oder Computerspielen. Die opulente Grafik wird durch unkonventionelle Panelanordnungen – zum Beispiel Quer- statt Hochformat – und dominierenden ganz- und doppelseitigen Panels unterstützt.

Die narrative Tiefe und Mythologie erhält durch dieses – für den Comicbereich – neuartige Verfahren auch visuell umgesetzt. Die scharfen und opulenten Bilder verweisen letztlich auch durch ihre schwarzen Ränder an das Kino. Deswegen wird die „The Red Star“-Saga in der Kritikerlandschaft auch so häufig mit Filmen und selten mit Comics verglichen. Dabei können auch Comictitel wie „The Life Eaters“ inhaltlich und vom Aspekt der Genre-Vermischung aus gesehen durchaus mit „The Red Star“ mithalten.

Zwischen Fakten und Fiktion

Das Lexikon und der Quellennachweis im Anhang sorgen dafür, dass man den Überblick über die überhand nehmende Anzahl an Figuren mit ihren entsprechenden Zugehörigkeit nicht verliert und sich über die fiktive Geschichte Russlands auch mit den tatsächlichen Fakten auseinandersetzen kann. Wer wissen will, welche Werke – sei es Film oder Literatur – den Autor inspiriert haben, der wird ebenfalls mit dem Quellennachweis gut versorgt sein, obwohl durchaus noch Raum für eigene Interpretationsansätze übrig bleibt.

Im Abschnitt „Skizzen“ kann der Leser außerdem den Schritt von der Bleistiftzeichnung zu den Verfahren des 3D Modeling, Digital Painting und 2D/3D Integration nachvollziehen. Dadurch bleibt genug Lesestoff zur Überbrückung bis zum nächsten Abenteuer des „Red Star“-Teams, das den Leser an einem spannenden Punkt zurücklässt.

Christian Gossett: The Red Star 3: Gefängnis der Seelen. Cross Cult, 2008. Hardcover, 176 Seiten. Euro 26.