Ein seltsames Paar betrat Mittwochabend (27. Juli 2010) die Bühne im Mann Music Center in Philadelphia: Die Ex-Außenministerin der Bush-Regierung, Condoleezza Rice, und Aretha Franklin, Soul-Diva und engagierte Unterstützerin von Barack Obama (sie trat bei seiner Angelobung auf). Politisch gesehen also zwei Afroamerikanerinnen aus gegnerischen Lagern, Black Power im Duett mit Orchester.
Condoleezza Rice: Weißes Haus statt Konzertsaal
Grund für das Zusammentreffen der beiden war ein Benefizkonzert zugunsten von Schulen und dem Mann Music Center selbst. Während Aretha Franklin als Soul-Ikone gilt, mag es überraschen, dass Condoleezza Rice auch Musikerin ist. Tatsächlich ist Rice eine klassisch ausgebildete Pianistin, die bereits in ihrer Jugend zahlreiche Musikwettbewerbe gewann. Bereits mit 15 Jahren begann sie an der Universität von Denver ihr Musikstudium. Berufsziel: Konzertpianistin. Es zeigte sich jedoch, dass sie zu wenig talentiert war, und sie sattelte um auf Politikwissenschaften. Ihre erfolgreiche Karriere als Politikerin begann, die sie schließlich zuerst als Beraterin, dann als Außenministerin der ungeliebten Bush-Regierung ins Weiße Haus führte.
Hits von Aretha Franklin, Rice spielte Mozart
Aretha Franklin brachte zusammen mit Rice und dem Philadelphia Orchestra ein fast dreistündiges Konzert auf die Bühne, vor circa 8.000 Menschen. Franklin sang Opernarien und Songs aus ihrem neuen Album „A Woman falling out of Love“. Dann gab sie einige ihrer größten Hits zum Besten: „Think“, „Respect“ und andere. Aretha Franklin spielte auch selbst Klavier und sang ein Duett mit Überraschungsgast Robert Isley (von den Isley Brothers). Condoleezza Rice spielte einen Satz aus Mozarts Klavierkonzert Nr. 20 in d-Moll (KV 466), ein Werk, das sie nach eigenen Angaben „wie wild“ geübt hatte. Kein Wunder: Rice hatte zwar 2002 mit dem berühmten Cellisten Yo-Yo Ma zusammengespielt, aber ihren letzten Auftritt als Pianistin mit Orchester hatte sie im Alter von 18 Jahren.
Aretha Franklin war der Star des Abends
Die Musikkritiker waren von dem Konzert weniger begeistert, wenngleich man natürlich die Sache, nämlich das Spendensammeln, unterstützte. Vor allem Rice wurde aufgrund ihrer Mozart-Darbietung kritisiert. So hieß es etwa im Philadelphia Inquirer, Rice sei eben zu allererst Politikerin und keine professionelle Musikerin. Ihr Vortrag sei kein künstlerisches Statement gewesen, sondern eher ein „Überlebenskampf“ – den sie aber passabel meisterte, so der Kritiker. Man muss der Politikerin aber zugute halten, dass sie trotz fehlender Routine das anspruchsvolle Stück überhaupt auf die Bühne brachte. Rice bekam freundlichen Applaus, aber Aretha Franklin war eindeutig der musikalische Star des Abends.
Aretha Franklin selbst hatte vor dem Projekt nicht gewusst, dass Condoleezza Rice klassisch ausgebildete Pianistin war. „Ich hatte sie immer nur in der politischen Arena erlebt – dass sie Musikerin ist, schien etwas komisch“, so Franklin. So war die Soul-Sängerin angenehm überrascht: „Sie spielt wirklich gut. Ihr Können ist beachtlich“.
