
- Ruine bei Clifden - Renate Oetjens
Connemara ist der Wilde Westen Irlands. In der dünn besiedelten Region wird vielerorts noch gälisch gesprochen. Bevor Hungersnöte und Auswanderungswellen die Bevölkerungszahlen dezimierten, war Connemara eine dicht besiedelte, aber besonders arme Region. Im Westen Irlands zu leben galt einst als Strafe, wie der alte Ausruf "To hell or Connacht!" belegt.
Heute ist Connemara ein beliebtes Ziel für Touristen, die die weiten Torfmoore vor der Silhouette der Bergkette der Twelve Bens genießen, an herrlichen Sandstränden spazieren gehen und verträumte irische Ortschaften erkunden. Wer hier Urlaub macht, ist mit einem Mietwagen am flexibelsten - wer es sportlich liebt, kommt auch mit dem Fahrrad gut herum.
Schloss in Connemara: Kylemore Abbey
Die romantisch von Bergen umgebene und an einem See gelegene Kylemore Abbey ist Connemaras berühmteste Sehenswürdigkeit, die bei vielen Irland-Reisen auf dem Programm steht. Der Politiker Mitchell Henry ließ das Schloss mit 70 Zimmern 1867 bis 1871 erbauen. Als seine Frau schon wenige Jahre später auf einer Ägyptenreise starb, ließ er auf dem Grundstück zu ihrem Gedenken eine Kapelle errichten. 1903 verkaufte er Kylemore Abbey; ab 1920 diente es als Benediktinerinnenkloster und bis vor kurzem als Mädcheninternat. Da es an Novizinnen mangelte, wurde die Schule inzwischen geschlossen.
Nahe des Schlosses befindet sich ein ummauerter Küchengarten, in dem die Nonnen Kräuter, Gemüse und Obst zogen. Dieser ebenso dekorative wie nützliche Garten wurde restauriert und kann zusammen mit dem Schlossgelände und der Kapelle besichtigt werden. Das Schloss von Kylemore Abbey ist nur teilweise zur Besichtigung freigegeben.
Hauptstadt von Connemara: Clifden
Die quirlige kleine Ortschaft Clifden, die geschützt in einer Bucht dicht am Atlantik liegt, wird auch gern als "capital of Connemara" bezeichnet und eignet sich gut als Basis, um die Region zu erkunden. Clifden selbst hat neben zwei Kirchen sowie zahlreichen Pubs und Restaurants entlang der malerischen Straßen im Zentrum keine Sehenswürdigkeiten zu bieten, lädt jedoch zum Flanieren ein.
Es lohnt sich aber, vom Ortskern zum Hafen hinunter zu spazieren, von wo aus man einen schönen Blick auf die Bucht hat, und mit dem Mietwagen oder dem Fahrrad die traumhafte Panoramastraße Sky Road zu befahren. Auf etwa zehn Kilometern bietet die Sky Road herrliche Aussichten über die benachbarten Halbinseln, vorgelagerte Inseln und das Meer. An der Strecke liegt die Ruine von Clifden Castle, das einst vom Gründer der Stadt erbaut wurde.
Ein besonderes Highlight im Kalender der Stadt ist die Connemara Pony Show im August.
Berühmte Spuren: Marconi und Alcock - Brown
Mehr als einmal kam die Region um Clifden in Berührung mit Menschen, die Geschichte schrieben. Guglielmo Marconi errichte in diesem Vorposten im äußersten Westen des europäischen Kontinents eine Funkstation und vollbrachte hier 1901 die erste transatlantische Funkübermittlung. Und im Juni 1919 gelang John Alcock und Arthur Whitten Brown die allererste Nonstop-Transatlantiküberquerung - ihr Flieger landete jedoch etwas abrupt im Torfmoor nahe Clifden. Ein Denkmal erinnert an den Landeplatz. Nicht weit von hier befinden sich die herrlichen Sandstrände von Ballyconneely und Slyne Head.
Kreative Idylle: Roundstone
Wenige Kilometer südlich von Clifden liegt Roundstone, ein besonders malerisches Dorf, das oft ein wenig verschlafen wirkt. Ein kleiner Hafen, eine lange Dorfstraße mit Pubs und Galerien, umgeben von einer herrlich unberührten Landschaft. Doch hier ist mehr los, als man meint, denn Roundstone ist eines der kreativen Zentren Connemaras. Viele Künstler, Kunsthandwerker und Musiker sind hier ansässig. Die berühmten Handtrommeln namens Bodhrán werden auch hier hergestellt, außerdem kann man Schmuck, Töpferwaren und anderes Kunsthandwerk direkt von den Machern erwerben. Und dass Roundstone auch anders kann als verschlafen, beweist das Roundstone Summerfest, bei dem Mitte August mit traditioneller irischer Musik gefeiert wird.
Natur pur: Connemara-Nationalpark
Nördlich von Clifden lädt der Connemara Nationalpark zum Wandern und Entdecken ein. Ein informatives Heimatmuseum erklärt die naturgeschichtliche Entwicklung der Region und zeigt die typische Flora und Fauna. Wer hoch hinaus will, besteigt den Diamond Hill - vom Gipfel aus hat man einen herrlichen Blick über die Küstenlandschaft.
Inishmor, Inishmaan und Inisheer: Die Aran Islands
Einen Blick zurück in ein ursprüngliches Irland bieten die Aran Islands, die südlich von Connemara in der Galway Bay liegen. Auf den Inseln wird, wie in vielen Regionen Connemaras, noch gälisch gesprochen. Die berühmten irischen Pullover mit den schönen Zopfmustern stammen von den Aran Islands. Man erreicht die Inseln per Boot von Rossaveal aus oder per Flugzeug ab Inverin - der kleine Flughafen liegt 27 Kilometer und 40 Autominuten von Galway entfernt, der Flug dauert jedoch nur 10 Minuten.
Irlands einziger Fjord: Killary Harbour
Im Norden Connemaras bildet der Fjord von Killary Harbour die natürliche Grenze zum benachbarten County Mayo. Irlands einziger Fjord ist umgeben von beeindruckenden Bergen, so dass es nicht verwundert, dass dies eine der regenreichsten Ecken des Landes ist. In der Nähe der kleinen Ortschaft Leenaun kann man Ausflugsboote besteigen, um die Fjordlandschaft bequem vom Wasser aus zu betrachten. Wer gut zu Fuß ist, findet hier auch herrliche Wanderstrecken. Leenaun liegt beispielsweise auf der Strecke des 250 Kilometer langen Fernwanderweges Western Way.
Quellen und weiterführende Informationen:
- Connemara Tourism
- Herbert Becker: ADAC Reiseführer plus Irland. ADAC Verlag 2010. Taschenbuch, 143 Seiten. Euro 9,95.
- Tim Robinson: Connemara. Listening To The Wind. Penguin 2007. Taschenbuch, 448 Seiten. Euro 9,90.
