Cool Jazz mit Max von Mosch und Brain Levy im Januar 2011

Max von Mosch - Andrea Weber
Max von Mosch - Andrea Weber
Duell oder Zwiegespräch? Zwei international bekannte Tenorsaxofonisten gaben sich auf der Kulturbühne Hinterhalt im Januar 2011 die Ehre.

Zwei Jazz-Konzerte innerhalb von zwei Wochen in der Kulturbühne Hinterhalt im Münchner Süden und beide ausverkauft, das hätte es so noch nie gegeben, freute sich Veranstalter Christoph Bühring-Uhle von dem Platten-Label BSC Music aus Münsing am Starnberger See. Der Publikumsandrang könnte aber auch daher rühren, dass in beiden Konzerten der Gautinger Saxofonist Max von Mosch mit auftrat, dem ein hervorragender Ruf als Jazzmusiker voraus eilt. Wenn dieser Musiker dann noch den amerikanischen Tenoristen Brain Levy hinzu holt, dessen Ruf nicht weniger bedeutend ist, kann daraus nur ein einhelliger Jazzgenuss werden. Oder war es ein Duell zwischen Tenorsaxofonist und Tenorsaxofonist?

Bebop, die Weiterentwicklung von klassischen Jazzstandards zur Improvisation

Natürlich nicht, eher ein musikalisches Zwiegespräch, teils ruhig und harmonisch, teils laut und aggressiv. Um diese kontroverse Klangdiskussion zu verstehen, wird vom Publikum durchaus ein Maß an musikalischem Verständnis abverlangt. Jazz ist keine Unterhaltungsmusik, in der die Melodie den Zuhörer wie von selbst mitträgt. Moderner Jazz ist nicht lieb und schmeichelnd, hier kann und will jeder Ton am Gefühl rütteln, will aufwühlen und aufbrausen. Ein gutes Beispiel für so ein Klanggespräch war das Arrangement von Brain Levy des Charly Parker-Standards „Confirmation“, oder wie Max von Mosch das Stück ankündigte: „Sie hören jetzt gleich den krassesten Bebop, den ich kenne.“ Der Bebop ist quasi die Weiterentwicklung von klassischen Jazzstandards hin zur modernen Jazz-Improvisation.

Cool Jazz aus klassischen Jazz-Standards improvisiert

Das klang im Hinterhalt dann folgendermaßen: Während Bassist Sieverts sanft für die dunkle Basis sorgte im rhythmischen Einklang mit dem Schlagzeuger Jonas Burgwinkel, schraubten sich die beiden Saxofonisten gegenseitig Ton für Ton nach oben, mal völlig synchron, dann auseinander triftend, immer schneller werden und wilder bis schließlich die Tonkaskade eskalierte. Dieser Höhepunkt ließ die beiden Tenoristen abrupt verstummen und Sieverts am Kontrabass durfte lebendiger werden. Er umarmte liebevoll sein bauchiges Instrument, um ihm die hellsten Töne zu entlocken und gab eine Weile später das Spiel abrupt weiter an den nächsten Könner im Ring. Schlagzeuger Jonas Burgwinkel gab sich mit ekstatischen Grimassen seinem Rhythmus hin und machte aus dem filigranen Zusammenspiel aus Trommel, Becken und Schellen ein rhythmisches Feuerwerk. Die Beschreibung dieses dynamischen Bebop steht beispielhaft für den Rest des Abends aus Balladen-Medley, aus Improvisationen klassischer Jazzstandards und eigenen Werken, die erst eine Woche zuvor Max von Mosch, der vor Kurzem erst mit seiner Jazzformation max.bab zu hören war, frisch für den Hinterhalt-Auftritt schrieb. Es war ein anspruchsvolles Jazzgespräch, in dem jeder der vier Musiker zu seinem musikalischen Wort gekommen war.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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