Copacabana, Ipanema und Leblon

Strandleben an den famosen Stränden von Rio de Janeiro

Fußball spielen, Menschen beobachten, Mitbringsel kaufen oder in der Sonne liegen: an den Stränden Brasiliens kommt jeder zu seinem Vergnügen, vor allem am Wochenende

Wenn die Sonne ungehindert auf Hügel, Küste und Ufer strahlen kann, dann macht die „Cidade Maravilhosa“, die „wunderbare Stadt“, ihrem Namen wahrlich alle Ehre. Fallen solche Tage auf einen Samstag oder Sonntag, dann verschlägt es Brasilianer und Touristen vor allem an einen Ort: den Strand.

Bereits um 8.00 Uhr machen sich die ersten Einheimischen mit Sonnenschirmen und Klappstühlen unter den Armen auf den Weg in die Zona Sul, die südliche Zone von Rio. Hier liegen die bekanntesten Strände, hier befindet sich die Copacabana und hier flanierte einst jenes Mädchen den Strand entlang, das Vinícius de Moraes zu seinem weltbekannten Text „Garota de Ipanema“ inspirierte.

Copacabana

Spätestens um 11.00 Uhr verwandeln sich die Stadtstrände in ein Meer aus Sonnenschirmen und eingeölten Körpern. Jetzt partizipieren auch Touristen an dem friedlichen Miteinander der Menschen aus allen sozialen Schichten: mit Ausnahme von kurzen Strandabschnitten sonnen an der Copacabana Arbeiter neben Akademikern und Dunkelhäutige neben Hellhäutigen. Hier, so scheint es, existieren kaum gesellschaftliche Barrieren.

Alle 50 Meter unterbricht ein kleiner Verkaufsstand die Menschenmassen. Diese barracas sind schlicht gehalten und dennoch sehr zweckdienlich, jede besteht aus einer Schatten spendenden Plane und vier Plastikbeinen, die die Plane stützen. Für eine Gebühr von ein paar Reais pro Tag können an den barracas Sonnenschirme und Stühle geliehen werden, es ist der Platz, an dem auch frische Kokosnüsse, Wasserflaschen, Cola- und Bierdosen verkauft werden. Von manch einer Plane baumelt eine leere Cachaça-Flasche, das untrügliche Symbol für den Verkauf der beliebten Caipirinhas: ein hochprozentiges Gemisch aus Limetten, weißem Rum (Cachaça) und weißem Zucker.

Generell sind Dienstleistungen groß geschrieben, alle paar Minuten passiert ein Verkäufer mit Kühltasche die Sonnenanbeter. Das kulinarische Angebot variiert von Mann zu Mann, selbst gemachte Sandwiches, gefüllte Teigtaschen, Kekse, Getränke und Eis erfreuen sich besonders hoher Nachfrage. Auch wer Hüte, Sonnencremes, Schmuck, Tücher, selbstgemalte Bilder oder Spielzeug für die Kleinen erwerben möchte, ist hier gut aufgehoben: ein Wink genügt und der Verkäufer kommt direkt unter den Sonnenschirm. Aber auch wer einfach nur in Ruhe dösen, lesen oder sich unterhalten möchte, der bekommt, was er braucht. Ein simples „Nein, danke“ bzw. „Não, obrigado“ ist ausreichend.

Teile der Copacabana fungieren als Fußballfelder, hie und da gibt es einen kleinen Kinderspielplatz, einen Massage-Tisch oder eine Reckstange, immer wieder sind Volleyball-Netze gespannt. Mit etwas Glück können passive Sportfreunde bei einer Beach -Volleyball-Meisterschaft zusehen - und auch wenn es keine Meisterschaft ist, so können die Spiele der Hobby-Fußballer und Volleyballer beeindruckend und durchwegs unterhaltsam sein.

Insgesamt sechs gemauerte, schmale, Turm ähnliche Gebäude befinden sich an der Copacabana, sie verbessern die Sicherheit und erleichtern die Orientierung. Denn die postos sind durchnummeriert und somit beliebte Treffpunkte. Jeder posto verfügt über eine Toilette, über eine Dusche und einen kleinen Balkon: hier sitzen die Rettungsschwimmer, immer bereit für einen Einsatz.

Am Sonntag: Straßen ohne Autos

An Copacabana, Ipanema und Leblon stört am Sonntag kein Verkehrslärm das Strandleben. Bis 18.00 Uhr tummeln sich lediglich Fahrradfahrer, Skater und Fußgänger auf den breiten Uferstraßen zwischen Strand und den gleichnamigen Stadtteilen. 3,4 km ist die Copacabana lang, der erste Abschnitt des Strandes, gleich nach dem Forte de Copacabana, heißt Leme. Er gilt als unsicher, denn es ist jener Abschnitt, der hauptsächlich von jenen Menschen aufgesucht wird, die in dem nahe liegenden Armenviertel leben. Die Princesa Isabel, eine kurze Einkaufsstraße, kennzeichnet das andere Ende der Copacabana.

Ipanema und Leblon

Wer die Princesa Isabel entlang geht, der gelangt zu einem kurzen Strandabschnitt namens Aproador. Es ist der Beginn der Strände Ipanema und Leblon, ein kilometerlanger, zusammenhängender Bereich, der lediglich durch einen kleinen Kanal getrennt wird. Wie an der Copacabana sind die Wellen auch hier gut geeignet zum Wellenreiten und Body-Surfen, es gibt auch hier Fußballplätze und Volleyball-Netze. Und auch an diesen Stränden befindet sich alle paar hundert Meter ein posto.

Ipanema: Treffpunkt der Reichen und Schönen

Die Strände Ipanema und Leblon unterscheiden sich vor allem in einem von der Copacabana: Sie sind schicker - und teurer. Dementsprechend ziehen sie auch ein anderes Publikum an: Junge, trendige Menschen, Models, Schauspieler und solche, die sich gerne in der Nähe der Reichen und Schönen aufhalten. Besonders die postos 8 und 9 sind die Magnete der Schickeria. Gleich mondän wie Ipanema ist auch der Strand von Leblon, wenn auch etwas ruhiger und gesetzter. Ein Hügel signalisiert das Ende von Ipanema und Leblon. Er heißt Morro dos Dois Irmãoes und ist eine Favela.

Gerit Gönitzer - Den Großteil meines Lebens verbrachte ich in Wien. Dort studierte ich auch Sozial- und Kulturanthropologie, Publizistik und ...

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