Es ist eine der bekanntesten, meist zitierten und parodierten Szenen Hollywoods: Ein Mann besten Alters, feist, mit hoher Stirn sitzt in einem Sessel und empfängt. Draußen laufen Vorbereitungen für eine Hochzeit. Es sind Bittsteller, die zu ihm kommen, zu Don Vito Corleone (Marlon Brando) - dem Paten. Er gewehrt sie oder verweigert sie mit italienischem Akzent.
So startet „Der Pate“, gemeinsam mit „Krieg der Sterne“ die erfolgreichste Trilogie Hollywoods. Die Saga um die Mafiafamilie Corleone wurde zum Durchbruch für Francis Ford Coppola. Danach verlief die Karriere des Regisseurs wie eine Achterbahn. Mega-Erfolgen folgten Flops und auch die Bandbreite Coppolas ist groß. In seiner Filmographie finden sich neben den großen Epen auch intime, fast kammerspielartige Streifen.
Verschiedene Formen der Familie
Die Familie hat Coppola häufig thematisiert – mit all ihren Facetten: Die ebenso verschworene wie intrigante Bande im Paten; ein sich bremsendes aber auch stützendes Paar in „Peggy Sue hat geheiratet“ oder die Straßengang, die zur Ersatzfamilie wird, wie in „Die Outsider“.
Coppola selber ist ein ausgesprochener Familienmensch. Vielen seiner Verwandten hat er zur Karriere verholfen. Seinem Neffen Nicholas Cage hat er erste Rollen verschafft, etwa in „Rumble Fish“. Seine Schwester Talia Shire, die Adriane aus den Rocky-Filmen, besetzte Coppola im Paten als Connie Corleone. Seine Tochter Sofia erhielt gleich mehrere Rollen in seinen Filmen.
"Ich habe selber etwas vom Paten"
Während den Dreharbeiten zu „Der Pate II“ meinte Coppola in einem Interview: „In gewisser Hinsicht bin ich wie Michael Corleone geworden, weil ich wie ein Mafia-Chef Macht über eine ganze Produktion habe und eine Nicht-Italienerin geheiratet habe.“ Eine Identifikation, die er in sein Werk einfließen lässt. So wird im dritten Teil der Mafia-Saga Michael Corleones Tochter begraben, eine Szene mit der Coppola den Unfalltod seines Sohnes Gian-Carlo.
Für Coppola war es überraschend, in die Position des Familienpaten zu kommen. Er sei eher das Problemkind seiner Eltern gewesen, sagt er: „Meine Leistungen in der Schule waren schlecht, und ich war auch noch hässlich.“ Der Erfolg im Film habe seine Biographie letztlich gut aussehen lassen. Wobei er das Gefühl, ein Verlierer zu sein, in seinen Filmen imm wieder darstellt. Etwa in „Die Outsider“, in dem die Figuren genau von dieser Angst zur Tat getrieben werden.
Unvergessliche Bilder
Eine Stärke Coppolas ist das Talent, große Bilder zu schaffen. Unvergessen ist zum Beispiel die Szene mit den Hubschraubern in „Apocalypse Now“, ebenso wie der gekonnte Einsatz von Musik. Etwa wenn Martin Sheen als Captain Willard langsam in das Dschungel-Reich des wahnsinnig gewordenen Cornel Kurtz vordringt und dazu „The End“ von den Doors läuft.
Der Vietnam-Krieg und seine Folgen war von den späten 70ern bis in die 90er Jahre hinein ein wichtiges Thema des US-Films. Es ist ein typischer Moment für das Schaffen Coppolas ein Randthema eines Konfliktes aufzugreifen und damit dessen Zentrum zu erklären. In „Apocalypse Now“ ist Kurtz ein größenwahnsinniger zum Mord bereiter Psychopath, letztlich kein dokumentarisch gemeintes Einzelschicksal sondern eine Parabel auf den Vietnamkrieg.
