
- Cordula Stratmann beim Widmungschreiben - Sandra Gau
"Wer schon bei mir in der Schillerstraße war, der weiß, was ihm jetzt blüht.“ Knisternd hielt Cordula Stratmann ihre zwei Erdnussflips-Tüten in der Hand. Mit neckischem Blick schaute sie in die Runde des Hamburger St. Pauli Theaters. Eine kurzweilige Ruhe trat ein. Die Zuschauer klebten gespannt an ihren Lippen. Was kommt jetzt? Ein fröhlicher Zuspruch "Ja, ich kenn das!“ brach die kurzweilige Stille. In jeder Show, in der die gebürtige Düsseldorferin auf der Bühne steht, verteilt sie vorweg zwei Tüten Erdnussflips. Jeder darf einmal hineingreifen. Mit den Worten "Keine Angst, jeder bekommt was ab!“ begann sie mit begleitenden heiteren Anekdoten die ersten Seiten aus "Sie da oben, er da unten“ vorzutragen.
Cordula Stratmann sorgte für unterhaltsame Comedy
Die mehrfach ausgezeichnete Comedy-Fachfrau sorgte auch in ihrer Lesung für einen rundum gelungenen Abend. Durch ihre fast zwanzigjährige Bühnenerfahrung gelang ihr der Sprung zwischen Vorstellung ihres Debütromans und unterhaltsamer Comedy. Cordula Stratmann verstand es, eine eigentlich brisante, ernste Situation mit Humor zu verpacken. Man war als Zuhörer abgelenkt von der eigentlich tragischen Szene, in welcher der "Ich-müsste-mal-was-Sport-machen-Dieter“ seine Sabine erwürgt. Und das ziemlich schnell. Sehr zum Wunder von Sabine. Dieter zeigte sich bisher in ihrer zwölfjährigen Beziehung immer als Typen, den man unterwegs die Schuhe besohlen könnte. Und er schaffte es mit einem Griff, sie "umzulegen“. Völlig irritiert schwebte Sabine noch zwischen Erde und Himmel und schaute ungläubig auf ihren Körper herab. Das Totsein hat sie sich anders vorgestellt. Cordula Stratmann kommentierte dazu, dass es wirklich eine schöne Welt ist, die uns danach begegnet. Sie selbst hätte sich die Welt von der guten Sabine zeigen lassen. Mit zusätzlichem Witz und Charme brachte sie die Hamburger und Zugereisten immer wieder zum Lachen.
Krimineller Spaß zwischen Himmel und Erde
Stellenweise schwebt der Zuhörer zwischen Mitleid und Parodie. Die tote Sabine sieht sich nackt im Kühlhaus mit nur einem Zettelchen am großen Zeh. Eingehüllt in ein weißes Laken und "unmenschlichen Temperaturen“. Der Dieter hingegen bemerkt, dass er vorschnell und ohne einen wasserdichten Plan gehandelt hat. Jegliche Gedankengänge der beiden entwickeln sich zur Beifall klatschenden Spaßnummer des Saales. Eine urkomische Reise in eine uns unbekannte Welt wird hier farbenreich geschildert. Die verstorbene Sabine steht - immer noch unbekleidet - vor den Himmelstoren. Dahinter vernimmt sie rockige Klänge, die sie zum Wippen animieren. Rechts neben dem Eingang erblickt sie eine Garderobe mit brandneuer Kleidung von den berühmtesten Modemachern, die sie natürlich komplett in Augenschein nimmt. Später trifft sie berühmte und weniger bekannte Gesichter, wie zum Beispiel ihren heimlichen Schwarm Jens, der durch einen Motorradunfall ums Leben kam. "Ums Leben kam“ hat bei Cordula Stratmann eine völlig neue Bedeutung bekommen. Aber das, ja das, sollte jeder für sich selbst herausfinden.
Cordula Stratmann – Lesetour durch ganz Deutschland
Cordula Stratmann lebt ein gutes Beispiel für eine unterhaltsame Lesung vor. Natürlich ist sie ein sehr bekannter Comedian-Star. Sie weiß, wie man Leute anderthalb Stunden lang spannend und humorvoll unterhält. Doch andererseits zeigt sie auch, wie man seine eigene, lieb gewonnene Lektüre gewinnbringend an die Frau oder auch an den Mann – und da waren viele Männer mit einem eigenen Buch in der Hand an der Warteschlange, um ein Autogramm von ihr zu erhalten – bringen kann. Ihre locker leichte Art, mit der sie gekonnt spielt. Ihre Wortgewandtheit. Witz. Charme. Amüsement. Das alles verpackte sie fachgemäß, ohne von dem Buch abzulenken. "Sie da oben, er da unten“ ist ein Krimispaß, der den Alltag und vor allem auch den Himmel bunter aussehen lässt.
"Sie da oben, er da unten" - Erster Krimi von Cordula Stratmann
Seit Mitte der 90-iger Jahre zählt Cordula Stratmann zu den bekanntesten Komikerinnen Deutschlands. Die meisten denken dabei sofort an die "Schillerstraße" oder an die drei Staffeln von "Das weiß doch jedes Kind". Doch sie liebt die Abwechslung und so zog es sie neben ihren Bühnenauftritten irgendwann an den Schreibtisch. Da verfasste sie ihr erstes Sachbuch mit dem amüsanten Namen "Ich schreibe, aber lesen müssen Sie selbst", was 2003 im Kiepenheuer und Witsch Verlag erschienen ist. Ihr Hypochonder-Ratgeber folgte 2008 mit dem Titel "Ist das Buch ansteckend?", das im Graefe und Unzer Verlag entstanden ist. Und auch hier musste eine neue Richtung her. Ein Krimi. "Sie da oben, er da unten". Am 23. September 2010 veröffentlichte der Kiepenheuer und Witsch Verlag den 203-seitigen Roman mit der ISBN 978-3-462-039351. Das Buch ist im Handel für 13,95 Euro erhältlich. Wer allerdings gern ihre humorvolle Stimme dabei bevorzugt, der sollte ihr Hörbuch für 19,90 Euro holen.
