
- Das Krähenweib - Droemer Knaur
Die deutsche Autorin Corina Bomann entführt mit „Das Krähenweib“ einmal mehr in vergangene Zeiten. Dieses Mal hat sie sich das beginnende 18. Jahrhundert vorgenommen, eine Zeit, in der sich vieles im Umbruch befindet. Während der Forscherdrang mit der Frühen Neuzeit voranschreitet, hält der Glaube vieler Menschen an jenem des Mittelalters fest. So leidet auch die Protagonistin unter dem Misstrauen, welcher ihrem Stand entgegengebracht wird.
Die Geschichte einer Henkerstochter
Schon früh muss Annalena Habrecht erfahren was es heisst als Tochter eines Henkers geboren zu werden und somit als Unehrliche zu gelten. Sie wird nicht nur von den Menschen verachtet und verhöhnt, sie hat auch keine andere Wahl, als jemanden aus denselben Kreisen zu heiraten. So wird mit einem Henkersknecht vermählt. Ihr Mann erweist sich allerdings als überaus brutal und Annalena sucht schliesslich ihr Heil in der Flucht. In Berlin gelingt es ihr eine Anstellung als Magd zu erhalten und lernt den Apothekerlehrling Johann Friedlich Böttger kennen und lieben. Böttger hat allerdings noch eine weitere Liebe: das Gold! Hartnäckig versucht er sich als Goldmacher, was nicht nur ihn, sondern auch Annalena in Gefahr bringt und abermals nur die Flucht übrig lässt. Doch hinter Böttger sind nicht irgendwelche Leute her, sondern der Preussenkönig und der Kurfürst von Sachsen.
Das Krähenweib – eine tragische Liebesgeschichte
Im Grossen und Ganzen handelt es sich bei „Das Krähenweib“ um eine Liebesgeschichte. Diese tritt aber keineswegs übermässig in den Vordergrund, wie es in historischen Romanen sonst oft der Fall ist. Vielmehr stellt die Liebe zu Böttger für Annalena ihre einzige Hoffnung trotz ihres Standes glücklich zu werden dar. Durch die Inhaftierung ihres Goldmachers ist den Beiden denn auch nur wenig gemeinsame Zeit vergönnt. Was ebenfalls positiv auffällt, ist die Tiefe und Authentizität, die Corina Bomann ihren Charakteren einhaucht. Auch die Abschnitte mit Annalenas Ehemann sind sehr eindringlich gelungen und vermögen ausgezeichnet Annalenas Hilflosigkeit wiederzugeben.
Gute Vermischung aus historischen Fakten und Fiktion
Bomanns Roman liegt eine fundierte Recherche zugrunde. So lässt sie etliche historische Persönlichkeiten in die Geschichte einfliessen. Nicht nur die bekannten Herrscher Friedrich der Grosse und August der Starke existierten tatsächlich, sondern ebenso der Alchimist Johann Friedrich Böttger, der sich lange Zeit als Goldmacher versuchte und schliesslich als Erfinder des europäischen Porzellans in die Geschichte einging. Die Autorin hat sich hierbei weitgehend an die zeitlichen Fakten gehalten, sich aber die Freiheit genommen Böttger eine Frau an die Seite zu stellen. Auch den immer wieder auf geniale weise in die Geschichte eingebundenen Tagebucheinträgen des vermeintlichen Goldmachers liegt eine historische Tatsache zugrunde. Selbst die Sprache in der direkten Rede wurde der Zeit angepasst.
Fazit zu „Das Krähenweib“
Obwohl das Grundgerüst einer starken Frau, die aus den Zwängen ihrer Zeit und ihres Standes ausbricht keineswegs neu ist, überzeugt „Das Krähenweib“ durch eine durchgehend spannende Geschichte und hohe Authentizität. Einzig einige kleinere Ungereimtheiten fallen dem aufmerksamen Leser ins Auge, die jedoch durch den flüssigen und sehr atmosphärischen Schreibstil wieder wettgemacht werden. „Das Krähenweib“ ist eine gefühlvolle, empfehlenswerte Erzählung mit überraschendem Schluss.
Das Buch:
Corina Bomann, Das Krähenweib, Knaur Taschenbuch 2011, 528 Seiten, ISBN: 978-3-426-63847-7, Preis: 9.99 Euro (D)
