
- Das Superman Kabel quer über den Dschungel - Daniela Nowak
In Costa Rica geht es ja normalerweise eher gemütlich zu. Die Busse fahren nicht auf die Minute genau, die Preise sind nicht auf den Cent exakt, Ticos und Besucher vertreiben sich die Siesta gerne mit einem Nickerchen in der Hängematte – insgesamt drehen sich die Uhren ein bisschen langsamer. Doch das hat ein Ende, sobald man auf den Canopy-Seilen in Monteverde hängt.
Monteverde – Canopy mit Extremo
Der lange, holprige Weg nach Monteverde zahlt sich aus, denn Monteverde ist neben einem Naturschutzgebiet mit zwei verschiedenen Ökosystemen in unmittelbarer Nähe auch noch ein Mekka für Action Fans. Hier können Adrenalin-Begeisterte Buggy Touren, Quad Touren, Canyoning, Reitausflüge und vieles mehr unternehmen. Getoppt wird das ganze jedoch von dem ultimativen Höhenerlebnis bei einer Canopy Tour. Diverse Unternehmen bietet den etwas anderen Ausflug in den Nebelwald von Monteverde an: auf Seilen und Kabeln sausen die Gäste von Baumspitze zu Baumspitze und das mit einem Höllentempo.
Monteverdes Nebelwald von oben
Ein Sicherheitscheck geht dem Erlebnis voran. Jacken müssen abgelegt werden, Brillen am besten auch, Kameras sicher an den Gurten des Sicherheitsgeschirrs angegurtet werden. Die Besucher bekommen Handschuhe, die aussehen wie modifizierte Baseballhandschuhe mit einer Schiene darin, die es den Besuchern ermöglicht selbst an den Seilen zu bremsen. Ein paar Witze über die letzten Besucher, die zu fest gebremst haben und so inmitten des Seiles über dem Abgrund des Urwaldes baumelten, schrecken nur die wenigsten Canopy-Begeisterten ab.
Auf Seilen über den Urwald –Canopy in Monteverde
Costa Rica kann durchaus als Canopy-Hochburg bezeichnet werden, befinden sich doch in vielen Teilen des Landes diese Stationen, wo man auf Kabeln durch die unterschiedlichsten Ökosysteme fliegt. Doch in Monteverde ist alles eine Nummer größer, denn hier gibt es nicht einfach nur Canopy, sondern auch eine extreme Form des Canopy, mit speziellen Flügen wie beispielsweise bei Extremo Canopy. Diese Tour beinhaltet neben 14 Kabeln insgesamt auch vier „Extremlängen“ bis zu 700 Metern, die im höchsten Fall bis knapp 140 Meter über dem Erdboden schweben, eine Plattform zum Abseilen über 30 Meter und so genannte „Double-Zips“, die man aufgrund der Länge der Kabel zu zweit bestreiten muss. Schlussendlich gibt es noch zwei Extra-Features, die jeweils ein eigenes Kapitel wert sind: der Tarzan Swing und Superman.
Rasante Tour durch den Dschungel
Und ehe man sich’s versieht, schwebt man schon über dem Dschungel, von Plattform zu Plattform, wo man von geschulten Mitarbeitern am Seil ge- und entsichert wird. Manche „Zips“ sind langsamer und die Besucher haben Zeit die Natur rund um sich zu genießen: grüne Bäume, Sträucher und exotische Pflanzen, kühle Brisen im Nebelwald und das eine oder andere Tier lässt sich auch blicken. Die Natur aus diesem Blickwinkel ist faszinierend, und wo bekommt man schon die Chance einen Nebelwald aus der Vogelperspektive zu erleben?
Tarzan in Costa Rica
Und plötzlich muss man eine Sicherheitswinde abgeben und weitergehen zum Tarzan Swing. Das Gefühl wird mulmig, die Gespräche verstummen, die Gäste konzentrieren sich auf das Abenteuer, das ihnen bevor steht. Kurzer Stau vor der Plattform, schließlich möchte niemand übereilt in einen Abgrund springen. Der Tarzan Sprung ist die Herausforderung des Tages, denn hier ist man nicht wie bei den anderen Zips an einem Seil gesichert, das einen kontinuierlich von A nach B bringt, hier wird man an einem Seil befestigt, das erst aktiv wird, nachdem man den freien Fall in die Tiefe von etwa 30 Metern bezwungen hat.
Mit der typischen Pura Vida-Ruhe sichern die Profis ihre Schützlinge, fragen nebenbei noch woher die Besucher kommen, machen etwas Smalltalk, und gerade, wenn man drauf und dran ist etwas zu antworten, muss man leicht in die Knie gehen, man holt Luft – um höflich auf die gestellte Frage zu antworten – und wird plötzlich mit einem sanften Stoß in den Rücken über die Plattform gestoßen. 30 Meter freier Fall, das Adrenalin schießt in die Adern und wenn man erst merkt, welches Abenteuer man gerade bezwingt, schaukelt man bereits aus. Mitten im Urwald schwingt man wie Tarzan zwischen den Bäumen hin und her, bis einen die Experten wieder auf den Boden der Tatsachen holen. Ein lauter Schrei in der Wildnis, und man war für ein paar Sekunden Tarzan in Costa Rica.
Costa Rica Superman am Supercable
Zu Beginn des Canopy Abenteuers wird den Besuchern eine Frage gestellt: „Wollen Sie Superman sein?“ Was für eine Frage, natürlich will sich beinahe jeder Besucher einmal wie Superman fühlen. Kurzerhand bekommt man eine zusätzliche Sicherung um den Brustkorb, und sobald man an dem Supercable angekommen ist, weiß man auch, wozu es ist. Am Rücken wird man gesichert, die Beine werden in zusätzliche Schlaufen gelegt, die Hände nach links und rechts ausgebreitet – und schon fliegt man quasi auf dem Bauch liegend über ein weites Tal. Die Aussicht ist unbeschreiblich, und das während eines Adrenalinkicks der Sonderklasse. Einen ganzen Kilometer lang fliegt man so über dem Nebelwald von Monteverde. Wer es wagt sich ein wenig umzusehen, wird mit einem traumhaften Panorama belohnt, das in Costa Rica so häufig geboten wird: weite grüne Waldflächen, Bäume, Sträucher, Tiere, Berge und Vulkane, und wenn man Glück hat sieht man sogar bis zum Golf von Nicoya. Nach einem Kilometer echtem Superman-Gefühl ist die Extremo Canopy Tour an ihrem Ende angelangt.
Extremo Canopy Tour in Costa Rica
Eine Canopy Tour nimmt ungefähr drei Stunden in Anspruch, mit kurzen Wanderungen zwischen den Plattformen. Bei Extremo-Canopy wird für den Superman-Flug ein kleiner Aufpreis verlangt. Menschen mit Höhenangst seien aufgrund der Kombination von Höhe und Geschwindigkeit gewarnt, ansonsten gibt es keine Einschränkungen. Auf Sicherheit wird größten Wert gelegt und die Profis sind nie außer Reichweite. Wer nach einem Adrenalin-Kick der besonderen Klasse sucht und Pura Vida für einen Moment den Rücken kehren möchte, der wechselt in die Vogelperspektive - mit einer Canopy Tour.
