Coursing für Windhunde – die schnelle Jagd auf den falschen Hasen

Coursing - Gaby von Döllen
Coursing - Gaby von Döllen
Zum Hetzen und Jagen sind sie geboren: die Windhunde. Das Coursing wird als ideales Auslastungsmodell für diese Rassen immer beliebter.

Orient, Osteuropa, Mittelmeerländer: Die Windhundrassen stammen aus vielen Gebieten der Welt. Bereits aus dem alten Ägypten sind Abbildungen von Hunden überliefert, die ihren Besitzern beim Jagen und somit der Nahrungsbeschaffung halfen.

Windhunde – pfeilschnelle und geschickte Jäger

In der Rassebezeichnung „Pharaoh Hound“ steckt eine uralte Herkunft. Noch heute gibt es im Orient Hunde, die mit Nomadenstämmen ziehen und ihrer ursprünglichen Bestimmung gemäß eingesetzt werden. Aber es ist ein kleiner Teil der Population. Die meisten Rassen ereilte inzwischen das Schicksal vieler Rassen: Die Notwendigkeit ihrer eigentlichen Zuchtbestimmung ging verloren. Beliebt sind sie dennoch, denn es haben sich sowohl anatomisch als auch charakterlich typische Merkmale herausgebildet, die ihre Anhängerschaft haben. Diese möchten die Rassen erhalten und züchten. Doch was macht ein Welpenkäufer, wenn er seinem attraktiven Windhund eine angemessene Beschäftigung bieten möchte?

Rennen und Hetzen: die Bestimmung der Windhunde

Seit jeher wurden Windhunde eingesetzt, um dem Menschen bei der Jagd zu helfen. Sie sind schneller als ein Reh, geschickt in der Verfolgung und wurden selbst zur Bären- (Barsoi) und zur Wildschweinjagd (Deerhound) eingesetzt. Die großen Windhunderassen waren meist der Aristokratie vorbehalten, nur diese veranstaltete Jagden und hatte die Möglichkeit zur Unterbringung und Zucht. Erst mit der Whippetzucht wurde in England eine Hunderasse auch in der Arbeiterklasse beliebt. Die Whippets konnten auf Grund ihrer Größe in kleineren Behausungen gehalten und am Wochenende auf die Rennbahn gelassen werden. Das eigene „Rennpferd“ für die wettbegeisterten Engländer war geboren.

Die Schnelligkeit dieser Hunderassen wurde und wird bei den Windhunderennen genutzt. Damit begann für viele Windhunde ein dunkles Kapitel ihrer Geschichte, das in vielen Ländern leider noch nicht geschlossen ist. In Deutschland gibt es 48 Rennvereine, die Windhundrennen veranstalten. Die Hunde jagen, wie beim Coursing auch, einem falschen Hasen hinterher, doch wird er hier in einer geraden Linie gezogen. Professionelle Rennen mit Wetttotalisator sind in Deutschland nicht zulässig.

Alternative zum Windhundrennen: Das Coursing

Nach dem Windhundrennen entstand ebenfalls in England das Coursing. Bei den ersten Coursings wurden echte Hasen gejagt, das ist inzwischen verboten. Daher nutzt man ein Hasenfell, an dem Plastikbänder befestigt werden (damit Leitung und Richter den Verlauf besser verfolgen können). Beim Coursing sollen die Hunde nicht nur den Renn- und Jagdtrieb ausleben, sondern geistig gefordert werden. Dies ist bei genauer Beobachtung gut zu erkennen. Die Sichtjäger bleiben strikt auf der Spur des Fells und verfolgen diese. Die Taktiker hingegen versuchen, den Lauf vorauszusehen und Haken einzuplanen. Im optimalen Fall entsteht, obwohl die Hunde sich nicht kennen, ein Jagdteam, das zusammen arbeitet.

Das Coursing findet im freien Gelände statt, das für Zuschauer zwar weit einsehbar ist, mit Baum- und Buschgruppen, Wassergräben und Hügeln aber in möglichst naturbelassenem Zustand gehalten wird. Die Streckenlänge variiert je nach Hunderasse und Größe zwischen 400 und 1000 Metern.

Es laufen grundsätzlich maximal zwei Hunde der gleichen Rasse in einem Lauf, wobei an einem Coursingtag für jeden Hund zwei Läufe stattfinden. Die Punkte werden addiert. Die Zusammenstellung der Paare legt die Rennleitung fest. Es kommt dabei durchaus vor, dass ein älterer Hund gegen einen Junghund antreten muss. Dies ist möglich, weil nicht zwangsläufig der Schnellere den Sieg davonträgt. Bewertet werden die Faktoren: Geschwindigkeit, Intelligenz, Jagdverhalten, Kondition und Geschick. Bei jedem Rennen werden zwei Richter eingesetzt, die von unterschiedlichen Stellen im Gelände aus unabhängig voneinander Punkte vergeben.

Zur Sicherheit ist das Tragen von Maulkörben während des Laufes vorgeschrieben. Am Ende des Rennens wird die „Beute“ den Hunden überlassen, denn hier könnte es sehr schnell zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Rennteilnehmern kommen. Für die Hunde bedeutet das Fangen der Beute ein Erfolgserlebnis und eine Motivation für die zukünftige Arbeit.

Show und Leistung

Auch wenn die Hunde die Schnelligkeit und das Jagdgeschick mehr oder weniger in die Wiege gelegt bekommen, hat bei diesen Rassen die Zucht auf Schönheit stattgefunden. Das Hauptaugenmerk lag darin, möglichst hübsche Hunde hervorzubringen, die durch ihre Erfolge auf Hundeausstellungen Zuchtkarriere machen konnten. Wie bei vielen Rassen blieb die Gebrauchseignung auf der Strecke. Dies kann durchaus im Sinne der Züchter sein, denn ein Gebrauchshund benötigt Auslastung. Bekommt er sie, zum Beispiel weil er Mitglied einer Familie mit vollem Tagesprogramm ist, nicht, sucht er sich seine Ersatzbeschäftigung. Womöglich gegen den Willen seiner Besitzer im heimischen Wald. Ist der Jagdinstinkt züchterisch eingebremst worden, vermindert sich diese Gefahr zumindest ein wenig.

Züchter, die die Ursprünglichkeit der Rasse bewahren wollen, schauen mehr auf die Gebrauchseigenschaften. Ihnen zählen Vergleiche in Rennen und Coursings mehr als Ausstellungserfolge. Die Hunde werden normalerweise einen weitaus höheren Jagdinstinkt entwickeln als Hunde, die jahrzehntelang im Showbereich gezüchtet wurden.

Vorbereitung auf eine Coursingkarriere

Am Coursing dürfen nur Windhunde teilnehmen, die über eine Coursinglizenz verfügen. Diese kann frühestens im Alter von 15 (kleinere Rassen wie zum Beispiel Whippetes) bis 18 Monaten (größere Rassen wie zum Beispiel Barsoi) erworben werden. Der Hund muss damit nachweisen, dass er in der Lage ist, ein Coursing zu bestreiten. Im Allgemeinen kennen die Hunde den Ablauf nach einigen Trainingseinheiten und werden dem Hasenfell begeistert nachjagen. Anleitung ist jedoch zwingend notwendig, da ein Windhund ähnlich einem Sportler vorbereitet und konditionell aufgebaut werden muss.

Während diese Rennen für einige Besitzer eine reine Auslastungsmöglichkeit und „Spaß an der Freud“ bedeuten, widmen sich andere mit voller Hingabe diesem Sport und sind an den Wochenenden bei Coursingveranstaltungen im gesamten Bundesgebiet zu finden. Für die Hunde gibt es Prämierungen wie „Coursing Champion“ oder das Internationale CACIL (Certificat d'aptitude au Championnat International des Courses de Lévriers). Für Züchter bedeuten diese Auszeichnungen unter anderem den Nachweis der ursprünglichen Gebrauchseigenschaften ihrer Zuchthunde.

Training und Rennen bedeuten eine optimal ausgerichtete Auslastung für einen Windhund, für den Besitzer ist diese Möglichkeit oft leider mit weiten Fahrtwegen und finanziellem Aufwand verbunden.

Ausrichter für Coursingrennen sind die Windhundevereine. Sie verfügen normalerweise über das Gelände, pflegen es, veranstalten Rennen und stehen für Fragen des Training, der Rennzulassung und der Rennvorbereitung zur Verfügung.

Quellen: Dorothee Dahl: „Windhunde“, CADMOS-Verlag ISBN 9 783861 277989

DWZRV - Deutscher Windhundzucht- und Rennverein

(Windhundclub Weser e.V.)

Gaby von Döllen, Copyright: Peter von Döllen

Gaby von Döllen - geboren 1964 in Bremen verheiratet, 2 Töchter. Zur Familie gehören außerdem ein Weißer Schäferhund und eine ...

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