Cowboys & Aliens - die Filmkritik

Noch ist der Cowboy nicht erleuchtet. - Paramount
Noch ist der Cowboy nicht erleuchtet. - Paramount
Global agierende Bösewichter? Pustekuchen! Daniel Craig entdeckt den wahren Feind der Freiheit: das übel gelaunte Alien links neben dem Saloon.

Karl May hätte das nicht schreiben dürfen: ein Cowboy, der, während er in einen Fluss kackt, von einem Alien entführt wird. Jon Favreau, Regisseur von Iron Man I + II, gönnt sich den Spaß.

Entführung durch Außerirdische und Kneipenschlägereien

Favreau entführt den Zuschauer in eine Zeit, als Männer noch Männer waren, Frauen noch Frauen und Computeranimationen weitgehend überflüssig. Jake Lonergan (Daniel Craig) wacht in der Prärie auf. Das einzig Ungewöhnliche ist, dass er ein seltsames Armband trägt, in dem der Zuschauer fortgeschrittene Alientechnologie erkennt. Doch der Protagonist weiß davon nichts. Zunächst muss er seine übliche Tagesgymnastik absolvieren: eine Prügelei in der Prärie, eine Prügelei vor dem Saloon, ein Ausbruch aus dem Gefängnis und ein Einbruch ins Gefängnis. Dazwischen liegen, wie leicht angewelkte Salatblätter, Gespräche mit hübschen Frauen.

Irgendwann zu Anfang des Filmes taucht dann ein Indiana Jones auf, mit dem noch schlechter Kirschen zu essen ist als mit den Aliens, der sich Colonel Dolarhyde nennt und von Harrison Ford gespielt wird. Zwischen Dolarhyde und Lonergan, respektive Ford und Craig, entspinnt sich ein Machtkampf, der in einem Duell enden würde, wenn nicht …

Piep, piep, piep - ein Alien hat nichts lieb

Eine alte Weisheit lautet, dass innere Konflikte sofort beendet werden, wenn man nur einen übermächtigen äußeren Feind hat. In diesem Fall stellen sich einige hochtechnisierte Raumschiffe zur Verfügung, die den hinterwäldlerischen Kuhhirten so richtig Feuer unter dem Hintern machen und zudem noch die halbe Stadt entführen oder töten. Dadurch werden die Konflikte zwischen den verfeindeten Cowboys sofort eingestellt. In diesem Augenblick meldet sich auch das ominöse Armband von Lonergan zu Wort, piept ein wenig und schießt dann eines der Flugobjekte ab.

Pech an der ganzen Geschichte ist nur, dass zwar das Raumschiff kaputt, das Alien aber höchst lebendig ist. Es metzelt also fröhlich weiter. Zwar kann es nicht besiegt werden, aber Lonergan erinnert sich, dass diese Ungeheuer seine Freundin und ihn entführt haben. Er weiß nicht, wie er ihnen entkommen ist, aber er weiß, dass seine Angebetete immer noch in ihrer Gewalt ist. Also sinnt der Cowboy auf Rache und Befreiung.

Showdown am und unter dem Tafelberg

Einige Verwicklungen später und etwas tiefer in der Prärie kommt es dann endlich zum großen Duell. Hier zeigt Favreau, dass er das Wort Computeranimation immer noch kennt. Die Monster toben äußerst realistisch um die kärgliche Vegetation herum. Dabei warten aber weder das Mutterschiff, noch die vielen außerirdischen Drohnen mit einer erfrischend neuen Optik auf. Eher erscheinen sie (die Monster) dem "Herr der Ringe"-gewöhnten Zuschauer wie Höhlentrolle auf Speed.

Genre-Mix, aber kein Pop-Film

Was hat 2011 an Science-Fiction-Filmen hervorgebracht? Battle Los Angeles war nervtötend dumm; Ich bin Nummer 4 glänzte durch unbegabte Jungschauspieler (auch wenn jetzt Millionen pubertierender Mädchen wegen Alex Pettyfer widersprechen werden); X-Men und Transformer nur schlimm. Super 8 bleibt abzuwarten. Cowboys & Aliens jedenfalls setzt auf gute Schauspieler, längere Dialoge, Twists in der Geschichte, die einigermaßen erfrischend sind, und nicht zuletzt einen gewissen unterschwelligen Humor, der den Film zwar nicht lustig oder gar satirisch macht, aber doch wirkt.

Favreau hat keinen wirklich unterhaltenden Film gedreht. Die Geschichte ist nett und man bereut nicht, das Geld für's Kino ausgegeben zu haben, aber es reißt einen auch nicht mit. Dass der Film jegliche Pop-Allüre vermeidet, ist ein deutlicher Pluspunkt. Doch gute Schauspieler, Humor, Spannung und gezielte Dosierung bei den Effekten machen den Film noch nicht zu einem Kassenschlager oder zum Film des Jahres. Er ist mittelmäßiger Genre-Mix und nur dank bisher sehr schlechtem Hollywood-Kino einer der guten Filme von 2011. Ab 25. August startet der Film synchronisiert in den deutschen Kinos.

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Cowboys and Aliens auf der Internet Movie Database

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