CSD Berlin 2011 "Fairplay für Vielfalt" - Über 700.000 Teilnehmer

CSD Berlin 2011, Drag-Queen Tatjana Taft - Martin Döringer aka Marlonski
CSD Berlin 2011, Drag-Queen Tatjana Taft - Martin Döringer aka Marlonski
Mit exklusiven Statements von Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, Edel-Drag-Queen Tatjana Taft und Star-Transe Nina Queer.

Es wurde mit rund 500.000 Teilnehmern gerechnet, doch es kamen mehr als 700.000 zum Berliner CSD 2011, um gegen gesellschaftliche Diskriminierung und für Toleranz, Akzeptanz zu demonstrieren. Das bunte Spektakel umfasste 54 Parade-Wagen, die bei größtenteils sonnigem Wetter vom Kurfürstendamm zum Brandenburger Tor gondelten. Der Christopher Street Day in Berlin thematisierte „Outing im Sport“, das einen Tag vor Beginn der Frauen-Fußball-WM meisterhaft passte. Im letzten Jahr hatte der Berliner CSD 600.000 Teilnehmer (Vergleich: Cologne Pride führt mit 900.000 Teilnehmern).

Klaus Wowereits mutiges Coming Out ebnete Lesben und Schwulen gesellschaftliche Gleichstellung

Mutter des Ganzen, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), wurde wieder von seinem jahrelangen Lebensgefährten Jörn Kubicki zum CSD begleitet. Wowereit sagte, Homophobie sei nach wie vor ein Thema in großen gesellschaftlichen Bereichen und der Kampf gegen Ausgrenzung und Diskriminierung müsse fortgesetzt werden. Zudem plädierte er für ein uneingeschränktes Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare. Dirk Zingler, Präsident des Fußballclubs Union Berlin zerschnitt das regenbogenfarbene Startband des 33. Berliner CSDs. Der Lesben- und Schwulenverband würdigte Klaus „Wowi“ Wowereit für seine Verdienste für die Homosexuellenbewegung, denn mit seinem mutigen Outing tat Wowereit viel für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen in unserer Gesellschaft.

CSD Berlin 2011 - Bunte Parade zog 150.000 Zuschauer mehr an als letztes Jahr

Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transsexuelle setzten beim 33. Berliner CSD ein Zeichen gegen Homosexuellen-Feindlichkeit im Sport - unter den Zuschauern waren auch etliche Heteros, Kinder und RentnerInnen. Die insgesamt 700.000 Menschen feierten friedlich zu außergewöhnlichen Kostümen, Plakaten und Transparenten, zu Schlagermusik, Disco- und Electro-Beats.

Suite101-Autor Martin Döringer interviewte Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, Edel-Drag-Queen Tatjana Taft und Star-Transe Nina Queer live am Brandenburger Tor.

Martin Döringer: Herr Wowereit, wie gefiel Ihnen der diesjährige Christopher Street Day Berlins?

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit exklusiv zu Suite101.de: „Es war ein sehr guter CSD! Er steht vor allen Dingen in einem Motto, im Vorfeld der Fussball-Weltmeisterschaft der Frauen: „Fairplay ist Vielfalt“. Und es zeigt, dass in allen gesellschaftlichen Bereichen der Kampf gegen Homophobie notwendig ist.“

Martin Döringer: Man hört aus der homosexuellen Szene, dass Gay-Projekte nicht mehr gefördert werden, können Sie das bestätigen?

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit exklusiv zu Suite101.de: „Das kann ich so nicht bestätigen, weil wir kürzen dort nichts, aber es kann natürlich sein, dass in einem Projekt eine Kürzung und in einem anderen Projekt ein Zuschlag passiert, aber das gehört natürlich auch zur Normalität dazu: Projekte müssen evaluiert werden und Veränderungen passieren.“

Martin Döringer: Tatjana Taft, mit Ihrem Styling sind Sie auf dem bereits sehr bunten CSD unübersehbar, stellen Sie sich doch bitte einmal mit ihren eigenen Worten vor.

Tatjana Taft exklusiv zu Suite101.de: „Ich bin nicht aus Berlin, aber wer hier den CSD kennt, kennt auch mich. Tatjana Taft mein Name, es ist meine zwölfte Saison, die ich auf der Berliner CSD-Strecke unterwegs bin – immer ein klitzekleines bisschen 'unauffällig' mit den Perücken. Ich bin aus Braunschweig und mit meiner Revue (Management in Hannover) bundesweit unterwegs. Meine Message ist: 'Geht auf die Straße, zeigt euch, Leute! Seid präsent!' Und nicht wie die Jugend heutzutage denkt: 'Ach, wir haben doch schon alle Rechte, es wurde schon genug gekämpft.' Wir müssen weitermachen, sonst gibt es irgendwann Rückschritte, wenn wir nicht weitermachen und das können wir nicht zulassen!“

Martin Döringer: Nina Queer, wie fandest du den heutigen CSD in Berlin?

Nina Queer exklusiv zu Suite101.de: „Ich fand ihn super! Man denkt zwar immer: 'Oh Gott, oh Gott, das mach ich nicht mit, das ist alles so furchtbar.' Aber wenn man dann auf dem Wagen steht, und die Liebe der Leute einem entgegen schwallert, wenn man diese Liebe entgegen geworfen bekommt, dann denkt man sich: 'Wow, warum kann's nicht immer so sein?' Ich finde das supergut und brauche das sehr!“

Live-Acts beim Berliner CSD 2011

Die CSD-Bühne am Brandenburger Tor bespielten die Bands und Künstler Ein Tag im April, Anatomie Bousculaire, Deine Jugend, Terry Poison, The Spoilt, Picture Perfect, Falling of Beautiful, Sookee, Jessie Evans (Silent-Movie-Punk, arbeitet mit Mitgliedern von Iggy Pop und Siouxsie & the Banshees zusammen) und Bullmeister („Beautiful“ Titel-Song von Germany's Next Top Model 2011). DJ Divinity und DJ Maringo legten auf, nachdem Star-Transe Nina Queer ihre neue Single „I give you love“ dem CSD-Publikum live vorstellte.

Star-Transe Nina Queer hatte vor Ihrem CSD-Bühnen-Auftritt Lust auf ein komplettes Interview, lesen Sie es bitte hier.

Döringer, Martin, (c) Marlonski

Martin Döringer - Martin schreibt nicht nur Online-Reviews, sondern moderierte/interviewte live bei Radio-ALEX und stellte TV-Clips her, diente dabei ...

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