CSR aus Sicht von Verbrauchern

Soziale Verantwortung von Unternehmen - interessiert das die Kunden?

Unternehmen sollen mehr Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen - das fordern Organisationen, Medien und Politiker. Aber: Was sagen die Kunden?

CSR ist heutzutage in aller Munde - "Corporate Social Responsibility", soziale Verantwortung von Unternehmen. CSR - das bedeutet freiwilliges Engagement über die gesetzlichen Vorschriften hinaus - Engagement für die Umwelt und für soziale Projekte, für Benachteiligte und fairen Handel, für regionale und Öko-Produkte. Doch wissen die Verbraucher überhaupt, was Unternehmen tun - wenn sie etwas tun? Interessiert es sie? Beeinflusst Engagement auch Kaufentscheidungen? Oder wird am Ende doch immer das Billigste gekauft? Fünf ganz unterschiedliche Verbraucher nehmen in einer Diskussionsrunde Stellung:

S. Dörr 67 Jahre, Rentner, früher selbstständiger Bäckermeister, hat drei erwachsene Kinder

R. Cufal 32 Jahre, Diplom-Ingenieurin

S. Schüz 18 Jahre, Philosophie-Student

Y. Rahm 37 Jahre, Friseur-Meisterin, hat zwei Kinder

S. Sonsalla 42 Jahre, leitet als Geschäftsführer ein IT-Unternehmen, hat drei Kinder

Nehmen wir mal an: In der Lokalzeitung stehen öfter Artikel über ein Unternehmen, das viel Geld spendet für Kindergärten – zum Beispiel für neue Schaukeln. Würden Sie deshalb dort häufiger einkaufen als vorher?

Y. Rahm: Also, ich würde schon jemanden unterstützen, von dem ich weiß: Der tut was Gutes. Allerdings müsste es dort auch das Angebot geben, das ich brauche - und vernünftige Preise.

R. Cufal: Auch wenn mich Kinderschaukeln persönlich nicht interessieren – so ein Engagement finde ich schon gut. Wenn der Markt auf meinem Weg liegt, würde ich bestimmt öfter dort kaufen.

S. Dörr: Aber ausschlaggebend ist immer noch der Preis. Ich würde nicht bewusst irgendwo hinfahren.

Was sind denn überhaupt Kriterien für Sie, in bestimmten Geschäften einzukaufen?

S. Sonsalla: Es ist vor allem eine Frage des Sortiments. Ich habe keine Zeit, in viele verschiedene Geschäfte zu fahren. Ich kaufe dort, wo ich alles bekomme. Dazu muss der Preis einfach stimmen. Natürlich – gerade wegen der Kinder achte ich auch auf gute Qualität. Aber der Preis ist auf jeden Fall wichtig.

R. Cufal: Und die Öffnungszeiten, weil ich oft bis abends arbeite!

S. Schüz: Für mich ist die Qualität entscheidend.

Bei diesen Kriterien kommt soziales Engagement nicht vor. Liegt es daran, dass es Sie nicht interessiert – oder dass Sie nichts darüber wissen?

R. Cufal: Es würde mich schon interessieren – aber viel weiß ich nicht darüber. Meist hört man eher Negatives – zum Beispiel, wenn ein Unternehmen Mitarbeiter entlässt.

Y. Rahm: Man hört und weiß nichts darüber.

S. Schüz: Ethik spielt in der Öffentlichkeit doch meist gar keine Rolle, darüber wird viel zu wenig geredet. Die Diskussion kommt nur auf, wenn etwas Negatives passiert – dann spricht man darüber, was alles besser laufen sollte.

Heißt das: Unternehmen, die sich engagieren, sollten mehr darüber reden? Oder würde das wie reine Werbung wirken?

Y. Rahm: Wenn man gute Sachen macht, dann soll man auch darüber reden. Sonst erfährt der Verbraucher ja nichts davon!

S. Dörr: Klar soll man das – ich glaube allerdings, dass die Mund-zu-Mund-Propaganda vor Ort noch stärker ist. Ob ich Zeitungsartikeln glaube würde, weiß ich nicht.

S. Schüz: Das Unternehmens-Engagement müsste gut dargestellt sein in den Medien, von seriösen Journalisten.

R. Cufal: Ein bisschen Spenden hier und da – das beeindruckt mich nicht. Das Engagement muss zum eigentlichen Geschäft des Unternehmens passen. Das heißt zum Beispiel, dass ein Lebensmittelhändler auf die Herkunft seiner Produkte achten sollte.

Ganz konkret: Wie sollten sich Unternehmen engagieren, um glaubwürdig zu sein?

S. Dörr: Ich finde es am besten, wenn man direkt vor Ort etwas macht. Wenn ein Lebensmittelhändler Kinder einlädt – wunderbar. Ich habe das früher in meinen Bäckereien gemacht. Ob das gut war fürs Geschäft kann ich nicht sagen – aber auf jeden Fall fürs Image.

S. Sonsalla: Ich finde beides wichtig – regionale und internationale Projekte. Regional, da ist man nah an den Leuten. Ernährungsexperten im Kindergarten sind zum Beispiel toll! Internationales Engagement muss konsequent sein, wirklich auf Dauer und nicht nur so ein bisschen. Sonst ist es nur ein Marketing-Gag. Man könnte bestimmte Produkte ganz aus dem Sortiment rausnehmen, wenn sie ethisch nicht passen. Das wäre ein klares Zeichen: Wir tun was – selbst wenn wir dadurch Umsatzeinbußen haben.

S. Schüz: Die Frage ist aber: Wird etwas getan, um Gutes zu tun – oder wird es nur getan, um damit Geld zu verdienen?

R. Cufal: So lange der gute Zweck bleibt, ist es doch okay, wenn Gewinne gemacht werden!

S. Dörr: Man muss ja auch was verdienen, sonst könnte man irgendwann zumachen - und das ist doch auch nicht gut.

Generell finden Sie es also gut, wenn Unternehmen sich engagieren. Würden Sie bewusst mehr Geld ausgeben für fair gehandelte Bananen, damit es den Bananenbauern besser geht? Oder regional kaufen, weil das Arbeitsplätze erhält?

Y. Rahm: Ich würde schon lieber in Geschäften kaufen, die sich engagieren. Aber wie gesagt: Es müsste für mich auch praktisch sein vom Weg her, vom Angebot und vom Preis.

R. Cufal: Ich gehe gerne zum Bauern zum Einkaufen, da weiß ich, wo was herkommt. Wenn es im Supermarkt auch vieles direkt aus der Region gäbe, würde ich das kaufen.

Y. Rahm: Ich auch, aber eher, weil es frischer ist. An Arbeitsplätze denke ich weniger.

S. Sonsalla: Bei fair gehandelten Bananen bin ich ziemlich skeptisch – meist bleibt das Geld doch bei den Organisationen hängen! Gutes tun kann man doch anders – zum Beispiel, wenn man für ein Kinderheim spendet. Da weiß man, wo das Geld ankommt.

Es gibt politische Überlegungen, Unternehmen gesetzlich zu gesellschaftlichem Engagement zu verpflichten. Wie finden Sie das?

S. Schüz: Ich bin schon für gesetzliche Richtlinien, wenigstens für ein Mindestmaß. Hauptsache, es wird etwas Gutes getan!

Y. Rahm: Ich finde, wenn es Unternehmen gut geht, sollten sie auch etwas weitergeben.

S. Dörr: Aber gezwungen werden dürfen sie nicht – sie zahlen ja schon viele Steuern. Das reicht an Verpflichtungen.

S. Sonsalla: Finde ich auch. Aber vielleicht sollte man sagen: Steuern runter – mit der Auflage, etwas zu tun. Auf jeden Fall muss der finanzielle Spielraum da sein. Nur wenn was übrig ist, kann man es auch was abgeben. Verantwortung ja – wenn man es sich leisten kann.

Miriam Elmers , Miriam Elmers

Miriam Elmers - ...geboren 1971 im ostwestfälischen Bad Driburg. Schon als Kind war mir eigentlich klar, was ich im Leben am liebsten will: ...

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