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Da hat Hamburg aber Glück gehabt

Das deutsche Glück wohnt in Hamburg - mr. nico / aboutpixel.de
Das deutsche Glück wohnt in Hamburg - mr. nico / aboutpixel.de
Der Glücksatlas 2011 zeigt die Verteilung des Glücks in Deutschland und die Gründe dafür. Demnach sind die Menschen in Hamburg die glücklichsten Deutschen.

Hamburger haben noch nie daran gezweifelt: Wer in einer so schönen Stadt wohnt, am Wasser von einer steifen Brise umweht wird, platt schnackt und jeden Tag ein Fischbrötchen isst, der lebt im Paradies. Und ist selbstredend darüber glücklich. Nun stützen auch Wissenschaftler diese Ansicht mit einer umfangreichen Befragung zur Lebenszufriedenheit der Deutschen, die Ergebnisse wurden am 20. September 2011 in Berlin bekannt. Der Glücksatlas 2011 erscheint als Buch, ist auch auf einer eigenen Homepage interaktiv verfügbar und zeigt: Hamburg, Niedersachsen und Bayern sind die glücklichsten Regionen in Deutschland, der frühere Unterschied zwischen Ost und West wird geringer und die Finanzkrise hat auf die Lebenszufriedenheit längst nicht die heftigen Auswirkungen, wie es im Alltag scheinen mag.

Glücksatlas 2011 zeigt die Lebenszufriedenheit in Deutschland

Der jetzt veröffentlichte Glücksatlas speist sich aus zwei Quellen, einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vom Frühjahr 2011 zum Verhältnis von Lebenszufriedenheit und Arbeitszufriedenheit und Daten aus dem sozio-oekonomischen Panel (SOEP). Bei Zweiterem handelt es sich um eine repräsentative Wiederholungsbefragung deutscher Privathaushalte zum Leben in Deutschland, die seit 1984 im jährlichen Rhythmus durchgeführt wird. Die Daten werden immer von denselben Personen und Familien erhoben, zunächst in der BRD, seit Juni 1990 dann auch in der DDR, und sind maßgebend für die Grundlagenforschung in der Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaft im Land. Die Befragten geben jährlich Auskunft über ihre Lebensbedingungen, gesundheitliche Lage, Einkommensverläufe, Arbeitssituation, Wertvorstellungen, persönliche Eigenschaften, ihre Lebensbereiche und Veränderungen im Leben. Zusätzlich werden immer wieder Stichproben und Zusatzbefragungen erhoben. Wissenschaftler können die anonymisierten Daten für verschiedene Zwecke auswerten. So entstanden zum Beispiel auch die Erkenntnisse zum Auszug von Kindern aus dem Elternhaus, die im April 2011 veröffentlicht wurden.

Geld ist nicht alles, das wird immer klarer

Ganz unterschiedliche Faktoren sorgen im Leben für Zufriedenheit - diese Meinung hat in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden. Professor Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg und Professor Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach leiteten die Auswertung der Daten für den Glücksatlas und fanden tatsächlich heraus, dass Geld nicht alles ist. Die Idee, das Bruttoinlandsprodukt als einzigen Wohlstandsfaktor gelten zu lassen, ist längst überholt, das zeigt auch die jetzige Studie. Und obwohl es klare Zusammenhänge zwischen Geld und Glück gibt und die Zufriedenheit durchaus auch den Schwankungen der wirtschaftlichen Konjunktur unterliegt, wirken soziale Beziehungen viel stabilisierender auf eine grundsätzliche Lebenszufriedenheit.

Für alle Bereiche innerhalb der Datenauswertung wurden Punktwerte vergeben, diese wurden anschließend summiert. Als deutlicher Sieger aus dieser Rechnung geht Hamburg mit 7,38 Punkten hervor, gefolgt von der Region Niedersachsen/Nordsee mit 7,14 und Bayern mit 7,10 Punkten. Auf den Rängen folgen Franken (7,09), Schleswig-Holstein (7,04), Baden (7,01), Niedersachsen/Hannover (6,99), Württemberg (6,94), Nordrhein/Köln (6,94), Rheinland/Pfalz-Saarland (6,91), Nordrhein/Düsseldorf (6,90), Westfalen (6,87), Sachsen (6,79), Hessen (6,77), Berlin (6,68), Sachsen-Anhalt (6,57), Mecklenburg-Vorpommern (6,56) und Brandenburg (6,56), Schlusslicht ist Thüringen mit 6,45 Punkten.

Lebensalter, Geschlecht und Persönlichkeit beeinflussen das Glücksgefühl

Männer und Frauen zwischen 20 und 30 sind am glücklichsten, darauf folgen die unglücklichsten Jahre des Lebens, erfreulicherweise erreichen aber Menschen ab 65 Jahren wieder das Glücksniveau der jüngeren Generation. Frauen sind in ihren jüngeren Jahren ein wenig glücklicher als Männer, diese holen aber auf und haben ab dem 60. Lebensjahr die Nase vorn. Im Gesamtwert sind die Deutschen heute so glücklich wie vor zehn Jahren und eine ebenfalls sehr erfreuliche Tatsache ist das Schmelzen des Unterschiedes in der Lebenszufriedenheit zwischen den westlichen und den östlichen Landesteilen, der heutige Unterschied beträgt nur noch 0,3 Punkte, 1991 betrug er noch 1,3 Punkte.

Auch die persönlichen Beziehungen beeinflussen das Glücksgefühl. Menschen in intakten Partnerschaften sind zufriedener als Singles oder Menschen, die geschieden, getrennt oder verwitwet sind. Verwitwete, die einen neuen Partner gefunden haben, weisen die höchsten Glückspunkte auf, das Gegenteil trifft auf Menschen zu, die nach einer Scheidung keinen neuen Partner mehr fanden.

Arbeit kann glücklich machen, keine Arbeit macht eher unglücklich

Die Deutschen hängen an ihrem Beruf, 90 Prozent von ihnen bezeichnen ihn als sehr beziehungsweise ziemlich wichtig. Die vom Institut für Demoskopie Allensbach extra erhobenen Daten zum Verhältnis von Lebenszufriedenheit und Arbeitszufriedenheit lassen deutlich erkennen, dass Menschen ohne Arbeit deutlich weniger Punkte in der Lebenszufriedenheit aufwiesen, nur 4,7 gegen 7,1 Punkten bei Menschen, die eine Arbeit haben. Aber auch eine Erwerbstätigkeit macht nicht per se glücklich, nur wenn bestimmte immaterielle Faktoren zutreffen, sind die Arbeitnehmer auch wirklich zufrieden. Hier geht es nämlich vorrangig nicht um Geld, sondern um die Anerkennung der eigenen Leistung durch Kollegen und Vorgesetzte, eine Arbeitsstelle, die den eigenen Fähigkeiten entspricht und Spaß macht, große Entscheidungsfreiheit, nette Kollegen und die Sicherheit des Arbeitsplatzes.

Verstärker und Hemmnisse fürs Glück

Die fünf wichtigsten Verstärker für eine Lebenszufriedenheit sind: sehr gute Gesundheit, in einer Ehe oder Partnerschaft leben, Treffen mit Freunden und Bekannten, regelmäßiger Sport und das Wohnen in einer eigenen Immobilie. Die größten Hemmnisse auf dem Weg zum Glück sind: eine schlechte Gesundheit, wenn man sich nach dem Tod des Partners nicht irgendwann neu bindet, Arbeitslosigkeit, soziale und kulturelle Isolation und Scheidung.

Auf der Homepage gluecksatlas.de findet man die Befragungsergebnisse in aufwändigen Grafiken dargestellt, auch Vergleiche zwischen den einzelnen Befragungsregionen oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten sind möglich und grafisch ansprechend aufbereitet. Der Glücksatlas ist zudem auch als Buch käuflich zu erwerben.

Glück ist wohl auch eine Frage der Mentalität

Was die Forscher nicht so recht in Zahlen zu fassen wissen und daher auch nicht recht erklären können, sind die Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland. Warum die Fischköpfe gegen die meist wohlhabenderen Süddeutschen in Sachen Glück und Zufriedenheit gewinnen, bleibt eine Mutmaßung: Glück ist wohl auch immer eine Mentalitätsfrage und da bringt die norddeutsche Seele wohl Wettbewerbsvorteile mit - denn Glück allein macht nicht unbedingt glücklich.

Quellen: Pressemitteilung Glücksatlas, diw.de

Bildnachweis: mr. nico / aboutpixel.de

Manuela Käselau, www.valeriewagner.de

Manuela Käselau - Schreiben zu können fand ich gleich nach dem Erlernen desselben eine prima Sache. Und mit der Anwendung hat es dann auch gleich recht ...

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