Nationalsozialistischer Terror und Massenmord

Besuch im KZ Auschwitz und Birkenau

Auschwitz und Birkenau: Kinderschuhe - François Maher Presley
Auschwitz und Birkenau: Kinderschuhe - François Maher Presley
Der millionenfache Mord an den Juden erscheint den Besuchern der KZ Auschwitz und Birkenau nicht real, ist für die meisten Besucher nicht zu erfassen.

Museum Auschwitz steht am Eingang. Besucher zahlen keinen Eintritt. Kostenlos durch das Tor. Viel kleiner als im Fernsehen, als in all den Filmen. Arbeit macht frei. Überall israelische Jungen und Mädchen, und sie halten die Fahne ihrer Nation, und sie lassen sich unter dem Tor fotografieren - Arbeit macht frei - schreiten hindurch. So viele kamen einmal nicht zurück. Und heute weinen sie, und manche lachen und keiner versteht, ausnahmslos keiner kann das verstehen.

Ein Museum des Grauens. Millionen kamen nicht wieder. Rote Klinkerbauten. Es sieht aus wie in Kiel, wie in Hamburg-Barmbek, Kleinbürger-Ästhetik. Bürgersteige, akurat. Steinhäuser, die Baracken genannt werden. Idyllische Blicke aus den Fenstern in die Höfe.

Folterungen, Erschießungen, Verbrennung und Vergasungen

An dieser Mauer wurden sie erschossen. Pfeiler, Drahtzäune, Wachtürme, Totenkopf auf einem Schild und das Wort Halt. Und immer wieder Stacheldraht. Deutsche Mörder und überall die Bilder von den Opfern. Tausende. Tausende. Endlose Reihen, endlose Bilder, tot, tot, alle tot, vergast, erschossen, verbrannt. In den vielen Kellern, in kleinsten Zellen gequält, geschlagen, getreten, vergewaltigt. Kinder gegen Wände geschmissen, Lebende ins Feuer geworfen. Zerschlagene Köpfe, Verblutende, Verhungernde, Gejagte, nur so zum Spaß. Zyklon B-Dosen, leer. Holzpritschen. Strohmatten auf den Böden. Kinderkleider und Schuhe, zum Wiedergebrauch. Prothesen-Berge, Zähne, Schmuck, Menschenteile zur Weiterverarbeitung. Maschinerie der Massenmörder.

„Gute Menschen habt Erbarmen, werft herunter ein Stück Brot” klingt es aus dem Warschauer Ghetto herüber, Kinder, verhungernd, kriechend, auf den Straßen, bettelnd: “Gute Menschen habt Erbarmen...”

"Da wusste ich, das ich ein Jude bin."

It´s german, alemán, deutsch, allemand. Es fühlt sich so schäbig an, hier ein Deutscher zu sein. Allein mit den Toten und den Besuchern. Und immer wieder: It´s german. Kostenloser Eintritt in die Hölle. Tränen in den Augen. Wer nicht mit ihnen gestorben ist, der war ein Täter. Im Geiste gemordet, mit Waffen, mit bloßen Händen, pedantisch, sorgfältig, geplant und gut durchdacht, mitgezählt, abgehakt. Unsagbar grauenvoll, unsagbar. Es ist durch und durch schlecht, unmenschlich, verachtenswert. Da ist nichts zu vergeben, nichts zu verzeihen, niemals Rückkehr, niemals Freundschaft, viel, viel mehr noch als Hass. Auschwitz - Deutschland in Polen.

Das Unvorstellbare wurde Wirklichkeit

Kahl geschoren, nummeriert, katalogisiert, hunderte, tausende, Millionen Menschen und zum Teil weiter verwertet. Der Totenkopf auf dem Schild zeigt, wo die Grenze ist für jene, die nicht erschossen werden wollen und doch fielen - bis auf 60.000 von der Roten Armee Befreite - alle den Verbrechern zum Opfer. Kinder wurden totgeschlagen oder totgetreten. Ihre Kleidung, ihr Spielzeug wurde gesammelt und ins Reich zurück gebracht. Berge aus Brillen, Prothesen, die bei lebendigem Leibe abgerissen wurden, Haare und daraus produzierte Stoffe, alles zur Wiederverwertung, Dinge, die die Geschichte erzählen, die hier in den 28 Baracken von jeweils 18.000 Menschen zur gleichen Zeit erlebt und von so vielen mehr gestorben wurde - im Feuer, den Gaskammern, bei Erschießungen, durch Versuche, Folter oder Schläge.

Erschießungen zur Unterhaltung

Morgentliche Schießübungen von Offizieren auf Lebende im Lager waren an der Tagesordnung. Jedes kleinste Vergehen - ein Grund zur Hinrichtung. Peinigungen perfidester Art, Entwürdigung um jeden Preis. In Auschwitz konnte jeglicher Sadismus sich ausleben, jede kranke Vorstellung wurde hier zur Wirklichkeit. Macht über Ohnmacht.

Und mit der Endlösung war mehr gemeint. Gefangene mussten Mitgefangene aus den Gaskammern holen und auf großen Scheiterhaufen verbrennen oder in Massengräber werfen. Sie mussten den Leichen Wertsachen entnehmen, Gold aus den Mündern herausbrechen oder schon vorher übersehene Ringe und Ketten einsammeln. Nach einem Aufstand dieser „Helfer” wurde jeder Dritte durch Genickschuss hingerichtet. Ohnehin sollten bei der Endlösung auch die Zeugen des Grauens beseitigt werden.

KZ als Erbe der Menschheit

1979 wurde die Mahn- und Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in die Liste des Welterbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen, mitten in Europa, in Polen, in der Nähe Krakaus. Eine ehemalige Industriestadt mit 46.000 Einwohnern, auf Befehl des Reichsführers SS Heinrich Himmler im Mai 1940, das Zentrum der Vernichtungsmaschinerie der Deutschen, von dem so viele behaupten, dass sie es nicht kannten, davon nicht wussten, nicht einmal ahnten, als sie dem totalen Krieg zustimmten - und auch nicht danach.

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

rss