Dänische Advents- und Weihnachtsbräuche

Wie feiert man Weihnachten in Dänemark?

Weihnachtsmann - Eva Maria Nielsen
Weihnachtsmann - Eva Maria Nielsen
Dänemark in der Weihnachts- und Adventszeit: Kerzen erhellen die dunkle nordische Winternacht, Wichtel treiben ihr Unwesen und alle sehnen sich nach Gemütlichkeit.

Zum ersten Advent schmücken viele Familien in Dänemark ihre Wohnung, oft mit vielen Wichteln (Nisser) und entzünden das erste Licht auf dem Adventskranz. Dieser wird in vielen Familien noch selbst gebastelt, dekoriert und geschmückt. Jeden Sonntag wird ein Licht mehr entzündet bis am 4. Adventssonntag alle Lichter brennen. Ein Kalenderlicht, welches weihnachtliche Motive zeigt und vom 1. bis 24. Dezember reicht, wird oft auf den Küchentisch gestellt.

Feste und Bräuche zu Weihnachten in Dänemark: Lebender Adventskalender, Weihnachtsmarken, Weihnachtsessen

Das Luziafest wird am 13. Dezember gefeiert. In der Zeit der längsten Nächte und kürzesten Tage im ganzen Jahr wird an die heilige Luzia, die Leuchtende, erinnert. Kindergärten und Schulen feiern heutzutage dieses Fest mit einem Umzug. Diese Tradition kam mit Königin Ingrid von Schweden über den Belt nach Dänemark. Eine Luziabraut in weiß trägt einen Lichterkranz auf dem Kopf. Danach isst man das bekannte Luziabrot.

Im Fernsehen werden Serien als lebender Adventskalender ausgestrahlt. Dabei dürfen Sie gerne politisch und kritisch für die Erwachsenen sein, aber lustig sind sie vor allem für Kinder und Junggebliebene, da oft Wichtel vorkommen, die das Weihnachtsfest retten müssen. So kann man gar nicht anders als in Weihnachtsstimmung kommen. Typisch dänisch ist auch der Kauf von „Julemærker“, weihnachtlichen Aufkleber für Briefe, mit denen man eine gute Sache unterstützt, zum Beispiel Projekte für Straßenkinder.

In alten Tagen sorgten die Gutsherren für die Armen und Pächter, indem sie ihnen ein Weihnachtsessen servierten. Einmal im Jahr sollten sie sich satt essen können. Dieser Brauch ist auch heute noch lebendig, denn der Arbeitgebern arrangiert für seine Angestellten eine „Julefrokost“, wo ein traditionelles Weihnachtsessen serviert ist. Für viele Dänen gilt es als ein Privileg, an möglichst vielen Weihnachtsessen teilgenommen zu haben.

Der kleine Weihnachtsabend, ris à l'amande und der Tanz um den Weihnachtsbaum

Der 23. Dezember wird traditionell kleiner Weihnachtsabend genannt. Schon an diesem Abend schmücken die Familien den Weihnachtsbaum gemeinsam. In Südjütland verwendet man dafür oft eine Girlande mit dänischen Fahnen und weißen Kerzen. Man trinkt warmen Glögg (einen aromatisierten Glühwein) und isst Milchreis. Eine Schale wird nach alter heidnischer Tradition für die Wichtel auf den Dachboden oder vor die Haustür gestellt, damit sie den Rest des Jahres nicht zur Plage werden. Der Rest des Milchreises wird für den Nachtisch am 24. verwendet.

Das dänische Weihnachtsmenü

Am 24. Dezember gehen viele Familien – zumindest auf dem Lande – im Laufe des Nachmittags in den Weihnachtsgottesdienst. Danach kommt das Weihnachtsessen auf den Tisch, und weil bei den Dänen die Liebe immer durch den Magen geht, kann dieses Essen sich schon mal einige Stunden hinziehen. Gans, Truthahn, Ente oder Schweinebraten werden mit Rotkohl serviert. Dazu gibt es südjütländischen Weißkohl sowie weiße und kandierte Kartoffeln, die in der Pfanne in Zucker angebraten werden.

Als Nachtisch darf der berühmte Ris à l’amande nicht vergessen werden. Unter den Milchreis des Vortages wird Sahne mit Mandelstückchen gehoben. Im Pudding ist eine ganze Mandel versteckt, und derjenige, der diese Mandel findet, bekommt ein Geschenk. Zu Ris à l’amande wird oft warme Kirschsauce gereicht.

Erst nach dem Essen werden die Lichter am Weihnachtsbaum entzündet, es wird gesungen und um den Baum getanzt. Das Musikrepertoire ist groß: Sowohl kirchliche Weihnachtslieder als auch viele Wichtellieder, die besonders die Kinder lieben, werden gesungen. Ganz selten hält man noch an der Tradition fest, die Lichter des Weihnachtsbaums nur am Heiligen Abend anzuzünden. Danach werden Geschenke, die unter dem Baum liegen, ausgeteilt und man sitzt gemütlich zusammen mit einem Kaffee oder Tee und Konfekt.

Fest der Familie: Weihnachtsbuffet mit eingelegten Heringen und Schnaps

Am 25. trifft sich die Familie wieder zu einem opulenten Weihnachtsessen, oft einem kaltem Buffet mit kleinen warmen Speisen. Heringe – eingelegt in Curry-, Dill- oder Tomatensauce zum Beispiel - sind da ein Muss und am besten sollten sie in Schnaps und Bier schwimmen. Oft trifft man sich auch am 26. mit anderen Freunden oder Familienangehörigen zu einem festlichen Essen.

Weihnachten ist in Dänemark ein Fest der Familie. Nicht nur die Kernfamilie kommt zusammen, sondern oft sind (Groß-)Eltern, Kinder und Schwiegerkinder mit Enkeln versammelt. Nur dann und wenn es nach Braten riecht, die Kerzen ihr warmes Licht verströmen und der warme Glögg getrunken wird, dann ist es besonders „hyggeligt“ (gemütlich) in Dänemark.

Eva Maria Nielsen, Eva Maria Nielsen

Eva Maria Nielsen - Kurzvita 1994 Diplom Theologin in Münster 1996 Rezensentin für den Evangelischen Buchberater 1999 Magister in ...

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