
- Wildkatze - pixelio/Templermeister
Auf Samtpfoten streift die Wildkatze (Felis silvestris silvestris) seit Urzeiten durch Europas Wälder. Sie sieht der Hauskatze sehr ähnlich, ist aber nur entfernt mit ihr verwandt. Die beiden Arten sind am einfachsten am Schwanz zu unterscheiden: Bei den Wildkatzen ist er buschig und hat ein schwarzes stumpfes Ende und einige schwarze Ringe. Die wichtigste Nahrung der Wildkatze sind Mäuse.
Heute leben Europäische Wildkatzen vor allem in den Wäldern des Karpatenbogens, des Balkans und Spaniens. Etwa die Hälfte der Wildkatzen in Deutschland soll in Rheinland-Pfalz heimisch sein.
Rückkehr eines Ureinwohners
Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der Freien Universität Berlin, der Firma OEKO-LOG sowie der Biologischen Stationen im Kreis Euskirchen und in Doñana/Spanien haben ein ökologisches Modell entwickelt, um geeignete Lebensräume für Wildkatzen zu indentifizieren. Sechs Kater und sechs Katzen wurden mit Sendern ausgestattet. So konnte das Wanderverhalten der Tiere beobachtet werden und es entstand ein Datenbestand mit über 13.000 Einträgen zu den Aufenthaltsorten der Wildkatzen.
Das Untersuchungsgebiet war ein 150 Quadratkilometer großes Areal in der Südeifel bei Wittlich. Die Ergebnisse nutzten die Forscher für eine Hochrechnung auf ganz Rheinland-Pfalz, wo etwa die Hälfte aller deutschen Wildkatzen lebt. Die Biologin Nina Klar vom UFZ wertete geographische Informationen aus, um zu ermitteln, wo überall in Rheinland-Pfalz Wildkatzen leben könnten. An dem Beispiel konnte ermittelt werden, dass fast die Hälfte der Fläche dieses Bundeslandes für Wildkatzen geeignete Lebensräume bietet. Eine maximale Population von 1600 Weibchen könnte hier leben. Das Modell kann auch für andere Regionen genutzt werden und eine Hilfe für den Schutz dieser stark gefährdeten Tierart sein.
Trotz guter Bedingungen wurden in zwei Waldgebieten von Rheinland-Pfalz lange keine Wildkatzen gesichtet. Offenbar sind diese Gebiete von der Population abgeschnitten, weil es keine Korridore gibt, durch die diese Reviere für Wildkatzen erreichbar sind. Das ist ein symptomatisches Beispiel. In vielen Waldgebieten könnte die scheue Wildkatze heimisch werden, wenn sie es dorthin schaffen würde. Schwarzwald, Oberpfälzer Wald, Erzgebirge, Thüringer Wald, Lüneburger Heide und die ausgedehnten Waldgebiete Brandenburgs sind derzeit weiße Flecken auf der Verbreitungskarte der Wildkatzen. Auch die Populationen in Hessen und im Harz sind isoliert. Das verhindert den genetischen Austausch und langfristig ist der Bestand bedroht.
Vom Beobachtungsmuster zum Modell
Überprüft wurde das Modell in zwei Gebieten: im Bienwald an der Grenze zu Frankreich und in der Nordeifel an der Grenze zu Belgien. Als entscheidend für den Lebensraum der Wildkatzen erweis sich der Abstand zu menschlichen Siedlungen. „Um Dörfer machen die scheuen Waldbewohner einen großen Bogen. In einem Kilometer Umkreis tauchen sie seltener auf und selbst bei einzelnen Häusern oder Straßen sind es immerhin noch 200 Meter", berichtet Nina Klar vom UFZ. „Interessanterweise deckt sich dieser ‚Sicherheitsabstand’ mit Beobachtungen von Luchsen", ergänzt ihr spanischer Kollege Dr. Néstor Fernández, der an Modellen für die beiden Tierarten gearbeitet hat. „Die Wildkatzen schützen sich so nicht nur vor Menschen und Hunden, sondern begegnen auch Hauskatzen seltener, was die niedrige Rate an Kreuzungen zwischen beiden Arten erklären könnte."
Weiter spielt auch die Dichte des Waldes und die Nähe zu Waldrändern und Wiesen eine Rolle. Die Forscher beobachteten, dass die Wildkatzen oft nachts Mäuse auf Wiesen am Waldrand jagten und sich tagsüber im Dickicht des Waldes ausruhten: „Feuchte Gebiete sind auch gut für Wildkatzen, da dort Schermäuse (Arvicola terrestris) vorkommen können, die eine besonders lohnenswerte Beute sind."
Das Ziel: Wanderkorridore für Wildkatzen
Die Untersuchungen liefern die Grundlagen für ein Netz von Waldkorridoren, das der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in den nächsten Jahren mit Unterstützung der Bundesländer voranbringen will. Die Zahl der Wildkatzen in Deutschland wird auf 3.000 bis 5.000 geschätzt. Das bundesweite Wegenetz soll isolierte Populationen wieder miteinander verbinden. Neue Regionen für die Wildkatze können so im Osten Deutschlands erschlossen werden.
Ein erster Meilenstein dieses Projekts war die Pflanzung von 20.000 Bäumen und Büschen im Herbst 2007. Diese Maßnahme soll es wandernden Tieren schon bald wieder möglich sein, vom Nationalpark Hainich in den Thüringer Wald zu gelangen. „Eine überregionale und Grenzen überschreitende Naturschutzplanung ist die Voraussetzung für die Umsetzung von Wanderkorridoren für Wildtiere. Das Beispiel des Korridors Hainich - Thüringer Wald zeigt, dass es nicht bei der Planung bleiben muss", sagt Thomas Mölich, Leiter des Projektes „Rettungsnetz Wildkatze beim BUND“. Sieben Jahre hat es gedauert, bis der erste Abschnitt dieses Wanderkorridors realisiert werden konnte. Mölich hofft nun, dass der Wildkatzenwegeplan zur Bündelung von Naturschutzmaßnahmen führt und die Umsetzung derartiger Projekte in Zukunft schnelle möglich ist.
Das liebe Geld
Das Projekt Hainich wurde aus Ausgleichzahlungen für Straßenbaumaßnahmen finanziert. Solche Mittel stehen nicht überall zur Verfügung. Der BUND ist daher auf Spenden angewiesen. Die helfen, dass ein ursprünglicher Bewohner in die Wälder zurückkehren kann und möglichst bald auch in Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wieder heimisch ist
