Damit Kinder schlank bleiben

Ein Projekt zur Verbesserung kindlicher Ernährung und Bewegung.

Im Koch-Club und bei der Gartenarbeit lernen benachteiligte Kinder den sozialen und kulturellen Wert von Nahrung kennen. Bewegungsspiele unterstützen das Körpergefühl.

Armut, Migration und ein niedriger Sozialstatus der Eltern sind neben der ererbten Veranlagung soziale Risikofaktoren zur Entwicklung von Übergewicht. Ihnen begegnet das Marburger Gesundheits-Netzwerk „mittendrin“ mit „einem sozialräumlichen Modell zur Ernährungs- und Bewegungsverbesserung“. Das Projekt ist in drei Stadtteilen der Lahnstadt angesiedelt, in denen sehr viele Hartz-IV-Empfänger und Menschen mit Migrationshintergrund leben. Angesprochen sind 1142 Kinder, ihre Eltern, Erzieher und Lehrer.

„Die Kinder lernen bei uns den sozialen und kulturellen Wert der Nahrungsaufnahme schätzen“, sagt Netzwerk-Koordinatorin Monika Kringe. Dabei helfen ihnen Entwicklungsprojekte, die von Abenteuerpädagogik über interkulturelle Gartenbau- und Kochprojekte bis hin zur bewegungsanregenden Umgestaltung ihres Wohnumfelds reichen. Unter keinen Umständen sollen die Kleinkinder, Kindergartenkinder und Grundschüler im Alter von null bis zehn Jahren Kalorien zählen. Und die Pädagogen des Netzwerks erteilen auch keine Ernährungsratschläge gegen kindliches Übergewicht, sondern geben Anregungen zu mehr Genuss beim Essen und mehr Bewegung.

Balanciermikados, Hangelparcours, Kletterebenen und Zirkusprojekte

„Im Jahr 2007 haben wir drei große Bewegungsbaustellen gebaut“, sagt die Erlebnis- und Sportpädagogin des Projekts, Karen Rohlfs. Entstanden sind zwei Kletterebenen, ein Hangelparcours und ein Balanciermikado. Regelmäßig finden dort betreute Spiel- und Aktionsnachmittage mit Lagerfeuer und Stockbrot statt. Bewegung wird den Kleinen aber auch beim für 2008 geplanten Zirkusprojekt schmackhaft gemacht oder bei kleineren und größeren Bewegungs-Aktionen in den Stadtteilen wie der „bewegten“ Schulpause mit geöffneten Turnhallen oder dem Programm „Zu Fuß zur Schule“.

Das Netzwerk bietet den Kindern daneben die Möglichkeit, eigene Parzellen im „Garten der Kinder“ bei den Marburger „Interkulturellen Gemeinschafts-Gärten“ zu bewirtschaften. Rund 30 Familien aus verschiedenen Herkunftsländern und sozialen Milieus pflanzen dort mittlerweile eigenes Gemüse an. Für die Kinder ist die Arbeit auf dem „eigenen Stück Land“ außerordentlich attraktiv.

Selbst gezogenes Gemüse, Eltern-Kind-Kochkurse und freier Mittagstisch

„Die Kinder bewegen sich bei der Gartenarbeit, sie können mit den Händen in der Erde wühlen und setzen sich aktiv mit ihrer Umwelt auseinander“, sagt Projektleiterin Kringe. Das kann – je nach Perspektive – erschreckend sein, lustig oder auch informativ: Wenn etwa im frisch umgegrabenen Beet Würmer und Käfer wimmeln. Oder aus der langweilig grünen Zuckerschote ein leckeres Gemüsegericht entsteht.

Schließlich bieten die Gärten Kindern und Eltern die Möglichkeit, sich preisgünstig mit gesundem Gemüse zu versorgen. Armut ist dafür verantwortlich, dass nicht alle Kinder regelmäßig eine warme Mahlzeit bekommen. „Sie verhindert aber auch die Zubereitung gesunder Mahlzeiten, weil die Zutaten zu teuer erscheinen“, sagt Kringe. Und mitunter wissen Eltern auch einfach nicht, wie man Lebensmittel zubereitet.

Auch hier schafft das Netzwerk Abhilfe: Es bietet Informations- und Kochkurse für Eltern und Kindern an. Einmal in der Woche trifft man sich in den Stadtteilen zum Koch-Club, um aus bereit gestellten Zutaten eine Mittagsmahlzeit zuzubereiten. Schließlich soll dauerhaft ein kostenfreier Mittagstisch für Kinder eingerichtet werden.

Wettbewerbs-Sieger und Bundesförderung

Bis 2009 investiert das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz rund 437000 Euro in das Marburger Gesundheitsnetzwerk. Denn „mittendrin“ konnte sich in dem 2005 initiierten Konzept-Wettbewerb „Besser essen. Mehr bewegen“ zusammen mit 24 anderen Initiativen und Netzwerken als Sieger behaupten.

Yasmin Bohrmann - Seit zehn Jahren schreibe ich als Generalistin für regionale und überregionale Tageszeitungen, Fachzeitschriften und Agenturen. ...

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