
- Dan Wells im Interview - Jörn Käsebier
Dan Wells veröffentlichte 2009 seinen ersten Roman in Deutschland. „Ich bin kein Serienkiller“ verkaufte sich nach Angaben des Verlags bereits mehr als 25.000 Mal. Im Mai 2010 erschien mit „Mr. Monster“ der zweite Teil der Thriller-Trilogie. Dan Wells (geboren 1977) lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern im US-Bundesstaat Utah. Jörn Käsebier sprach für Suite101.de mit Dan Wells auf der Leipziger Buchmesse 2010.
Suite101: Mr. Wells, woher kam die Idee zu Ihrem Serienkiller-Buch?
Dan Wells: Zum einen haben mich Serienkiller schon immer interessiert. Ähnlich wie der Protagonist John Cleaver habe ich viel über sie gelesen. Zum anderen hatte ich zunächst gedacht, ich würde Fantasy-Autor werden. Doch als ich eines Tages von meiner Schreibgruppe nach Hause fuhr, sprach ich mit einem anderen Autor aus der Gruppe über das Profiling für Serienkiller und ihre wichtigsten Merkmale. Er meinte, es sei doch eine interessante Idee, ein Buch über jemanden zu schreiben, der diese Merkmale aufweist, aber kein Serienkiller werden möchte. Ich habe das aufgegriffen, doch es hat dann noch ein weiteres Jahr gedauert, ehe ich mit dem Schreiben begonnen habe.
Suite101: War das Buch von Anfang an als Auftakt zu einer Trilogie geplant?
Dan Wells: Zunächst habe ich nur den einen Roman geschrieben, dachte mir aber, dass sich eine ganze Reihe aus der Idee eines Serienkillers, der Serienkiller jagt, machen ließe. Als ich in den USA einen Verleger gefunden hatte, verlangte dieser dann als erstes, dass ich eine Trilogie aus der Geschichte mache. Ich musste daher das Ende von „Ich bin kein Serienkiller“ umschreiben, um es etwas offener zu gestalten.
Suite101: Warum haben Sie sich entschieden, das Übernatürliche in Gestalt von Dämonen einzubauen?
Dan Wells: Nun, ich war auf der Suche nach einem passenden Antagonisten für John Cleaver. Als Soziopath fühlt er sich nicht als richtiger Mensch. Da lag es nahe, ihm einen nicht-menschlichen Gegenspieler zu geben, der sich anderen Menschen gegenüber in gewisser Weise enger verbunden fühlt als John. Außerdem wollte ich für die Serie eine neue Erklärung für das Verhalten von Serienkillern finden. Der Dämon im ersten Buch stiehlt Körperteile, was viele Serienmörder machen. Doch dass es eine übernatürliche Erklärung dafür gibt, damit dürften nicht sehr viele Leser gerechnet haben.
Suite101: Wie sind Sie mit dem Problem umgegangen, dass man sich als Leser nur schwer mit einem Protagonisten identifiziert, der als Soziopath so anders ist?
Dan Wells: Das war der schwierigste Teil in meinem Konzept für das Buch. Mit drei Dingen habe ich versucht, dem Problem zu begegnen: Zunächst habe ich John Humor gegeben, zumindest hoffe ich das, denn mit Menschen, mit denen man lacht, kann man sich leichter identifizieren. Gleiches gilt für Mitleid. John kommt aus einer zerrütteten Familie und hat keine Familie. Schließlich habe ich ihm edle Motive gegeben. Bei all seinen schrecklichen Gedanken versucht er doch immer, das Richtige zu tun, sodass man sich als Leser wünscht, er möge Erfolg haben.
Suite101: In Deutschland erscheint im Mai mit „Mr. Monster“ der zweite Serienkillerteil. Dann folgt der dritte Band. Arbeiten Sie bereits an einem weiteren Buchprojekt?
Dan Wells: Ja, es wird einen weiteren Roman mit psychologischen und übernatürlichen Elementen geben, von dem bereits der erste Entwurf steht. Außerdem habe ich mit einer Science-Fiction-Geschichte begonnen. Ich möchte mich nicht auf ein Genre festlegen – was immer mich interessiert, darüber werde ich schreiben. (Anmerkung: "Du stirbst zuerst" erscheint am 15.09.2011 bei Piper)
Suite101: Wie sieht Ihr Alltag aus?
Dan Wells: Ein ganz normaler Arbeitstag dauert für mich acht Stunden. Ich habe ein Büro im Keller des Hauses von Brandon Sanderson, mit dem ich seit Jahren befreundet bin. Wir sind seit fast zwölf Jahren in derselben Schreibgruppe. Im Büro beantworte ich zunächst E-Mails und überarbeitet dann die Textpassagen, die ich am Vortag geschrieben habe. Wenn ich damit durch bin, schreibe ich weiter an der Geschichte. Im Schnitt schaffe ich rund 3000 Wörter am Tag.
Suite101: Wie halten Sie es mit Fans. Stehen Sie viel in Kontakt mit Lesern über das Netz?
Dan Wells: Ich bin viel online, betreibe meine eigene Internetseite, versuche, regelmäßig zu bloggen, bin bei Facebook und auch bei Twitter. Doch wenn ich schreibe, gehe ich offline, um nicht abgelenkt zu werden. Fans möchten zwar, dass man Autoren erreichbar ist, doch möchten sie zugleich, dass die Autoren schreiben. Glücklicherweise ist die Trilogie seit einem Jahr abgeschlossen, sodass die Leser nur auf die Veröffentlichung des nächsten Bandes warten müssen.
