
- Abraham: Sommer der Zwietracht - Blanvalet
Reich und mächtig sind die Städte der Khais. Ihr Wohlstand gründet sich auf der Macht der Andaten, mächtige Wesen, die durch Magie an ihre Herren gebunden sind. Die Stadtstaaten der Khais werden auch magische Städte genannt, da sie die einzig verbliebenen Mächte sind, die auf die Magie des Alten Kaiserreichs zurückgreifen können. Ihnen gegenüber stehen die Galten, ein kriegerisches Volk, das durch moderne Technik und starke Heerführer zur führenden Weltmacht aufgestiegen ist. Auf dem Konflikt zwischen magischer Tradition und industrieller Moderne basiert die Fantasy-Reihe „Die magischen Städte“ (The Long Price Quartet) von Daniel Abraham.
„Die magischen Städte" orientieren sich am alten China und Japan
Der Fantasy-Autor hat sich fernöstliche Kulturen als Vorbild für die Städte der Khais gewählt. Wie im früheren Japan und China drücken sich die Bewohner sehr stark durch Gesten und Gebärden aus, tragen Gewänder und leben in einer streng hierarchischen Gesellschaft, an der Spitze die Khais und Utkhais und unten die Diener und Sklaven. Eine Ausnahmestellung haben die Dichter inne. Sie lenken die Andaten, haben durch die Formulierung von Ideen und den Umgang mit Sprache, die Wesen lebendig werden lassen und sie gebunden. Unter den Dichtern befinden sich die wichtigsten Protagonisten der Reihe „Die magischen Städte“. Abraham nimmt sich viel Zeit, diese Charaktere vorzustellen und zu entwickeln.
Der Konflikt entwickelt sich im „Sommer der Zwietracht"
In „Sommer der Zwietracht“ begegnet der Leser das erste Mal Otah und Maati. Als Schüler an der Dichterschule sollen sie auf ihr künftiges Leben als Lenker eines Andaten vorbereitet werden. Doch bei beiden verläuft die Ausbildung anders als geplant. In der Stadt Saraykhet begegnen sie sich Jahre später wieder. Hier werden sie erstmalig in eine Intrige der Galten verwickelt. Im „Winter des Verrats“ treffen die Freunde ein gutes Jahrzehnt später erneut aufeinander. Dieses Mal geht es um die Nachfolge des Khais von Machi, in die Otah als sechster Sohn des Khais verwickelt wird. Im „Herbst der Kriege“ schließlich kommt es zum offenen Ausbruch des Konflikts mit den Galten. Otah und Maati müssen wichtige Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen, um den Vernichtungsfeldzug gegen die magischen Städte zu stoppen. Der abschließende Band der Tetralogie „The Price of Spring“ trägt den deutschen Titel "Frühling der Vergeltung" und ist im Juni 2010 hierzulande auf den Markt gekommen.
Fantasy-Serie mit gut entwickelten Charakteren
Auch wenn es für eine abschließende Bewertung der Fantasy-Serie noch zu früh ist, lässt sich schon jetzt sagen, dass Daniel Abraham mit „Die magischen Städte“ eine starke erste lange Fantasy-Geschichte gelungen ist. Die von ihm entworfene Welt beschreibt er sehr anschaulich, die Charaktere sind keine strahlenden Helden, sondern realistische Figuren und ihre Gegenspieler keine schablonenhaften Monster, sondern Menschen, die ihre Sicht der Dinge vertreten. Zwischen den Bänden (besonders zwischen den ersten beiden) ist auch eine Reifung des Autoren in seiner Erzählweise und seinem Stil zu spüren. Schwächen offenbart er bei Schlachtbeschreibungen. Auch sind einige Wendungen für erfahrene Leser zu leicht zu erraten. Daher liegt die Stärke der „Magischen Städte“ nicht in der äußeren Spannung der Handlung, sondern vielmehr in den inneren Konflikten der handelnden Personen. Die Intrigen können allerdings nicht ganz mit denen bei Joe Abercrombie mithalten. Und wer es eine Stufe komplexer liebt, sollte besser zu R. Scott Bakker und seinem „Krieg der Propheten“ greifen“.
Daniel Abraham: Sommer der Zwietracht. Die magischen Städte. Band 1. Blanvalet 2007. Broschiertes Taschenbuch, 448 Seiten. Euro 12,00.
Daniel Abraham: Winter des Verrats. Die magischen Städte. Band 2. Blanvalet 2008. Broschiertes Taschenbuch, 448 Seiten. Euro 13,00.
Daniel Abraham: Herbst der Kriege. Die magischen Städte. Band 3. Blanvalet 2009. Broschiertes Taschenbuch, 512 Seiten. Euro 13,00.
