
- Daniel Abraham: Frühling der Vergeltung - Blanvalet
Zu den besten Fantasy-Reihen der vergangenen Jahre gehören sicherlich „Die magischen Städte“ von Daniel Abraham. „Frühling der Vergeltung“ bildet den Abschluss der Tetralogie des amerikanischen Autors.
„Frühling der Vergeltung“ statt Frieden
Der Krieg zwischen den magischen Städten der Khais und dem technologisch fortgeschrittenen Reich der Galten hat große Opfer gefordert. Beide Seiten sind so geschwächt, dass sie für den Fortbestand ihrer Länder auf die Hilfe des anderen angewiesen sind. Doch Kaiser Otah stößt mit seinen Versöhnungsplänen nicht nur bei vielen Galten auf Ablehnung, sondern auch in den eigenen Reihen regt sich Widerstand. Eine kleine Gruppe von Verschwörern möchte die Dichter und ihre magischen Sklaven, die mächtigen Andaten, zurückholen, um die Wunden des Krieges zu heilen und das Bündnis mit den alten Feinden zu verhindern. Sie wollen Vergeltung und keine Verbrüderung. Als Otah herausfindet, wer sich gegen ihn stellt, steht er vor einer schwierigen Entscheidung.
Daniel Abraham schreibt anspruchsvolle Fantasy-Bücher
Wie schwer es ist, Frieden zu schaffen, zu vergeben und sich zu versöhnen, beschreibt Daniel Abraham in „Frühling der Vergeltung“. Einmal mehr macht er in seiner anspruchsvollen Fantasy-Reihe deutlich, welche Auswirkungen zwischenmenschliche Differenzen haben und wie sehr Menschen durch die Erfahrungen ihrer persönlichen Vergangenheit bestimmt sind. Otah, Maati und die anderen Figuren in „Frühling der Vergeltung“ sind weder Helden noch Bösewichter – sie sind einfach Menschen mit Stärken und Schwächen.
Die menschlichen Gegensätze und Konflikte sorgen für ausreichend Spannung, sodass Abraham ohne viel Action auskommt. Langeweile kommt dennoch nicht auf. Das liegt auch an der Sprache Abrahams. Der Autor findet die richtige Balance zwischen anschaulichen Beschreibungen und nüchternen Passagen. Er schreibt sinnvolle Dialoge und wechselt geschickt den Erzählrhythmus zwischen langen und kurzen Sätzen.
Abraham findet in „Frühling der Vergeltung“ nur schwer ein Ende
Wenn der Roman eine Schwäche hat, so liegt sie im Epilog. Abraham scheint Schwierigkeiten gehabt zu haben, sich von seinen Figuren und seiner Geschichte zu lösen. So ziehen sich im Epilog die Absätze hin und der eigentlich gefundene Schluss aus dem letzten Kapitel wird zerstört. Doch dieser Schwachpunkt ist verzeihlich angesichts der Leistung Abrahams – „Die magischen Städte“ gehören zu den besten Fantasy-Reihen der vergangenen Jahre und dürften besonders erwachsenen Lesern Freude machen. Abraham reiht sich neben Patrick Rothfuss und Peter Brett in den Kreis der größten Entdeckungen auf dem amerikanischen Markt ein. Leser und Fans dürfen gespannt sein, welches Projekt der im US-Bundesstaat New Mexico lebende Abraham als nächstes angeht.
Daniel Abraham: Frühling der Vergeltung. Die magischen Städte 4. Blanvalet 2010. Broschiertes Taschenbuch, 480 Seiten. Euro 14,00 (Österreich 14,40).
