
- Meine Heimat Europa 9 - Gerd Altmann/ pixelio.de
Der Europaabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen Daniel Cohn-Bendit forderte im Europäischen Parlament eine Volksbefragung über den Ausstieg aus der Atomenergie. Auf NDR info warnte Cohn-Bendit davor, "diese Debatte den Eliten zu überlassen, da man wisse, wie sie sich entscheiden würden". Besonders Frankreich kann und will sich nicht vom Atomstrom lösen, da die Nation zu 80 Prozent vom Strom der Kernkraftwerke abhängt.
In Deutschland sind unterdessen die sieben ältesten Atommeiler für die Zeit von drei Monaten vom Netz genommen worden. Die Bundesregierung hatte damit auf die Gefahr der Kernschmelze im Kernkraftwerk Fukushima an der Nordosteküste Japans reagiert. Einzig Biblis A in Hessen sei noch in Betrieb und solle noch am Freitagnachmittag abgeschaltet werden. Bundeskanzlerlin Angela Merkel will mit dieser Vorsichtsmaßnahme alle Kernkraftwerke, die vor 1980 gebaut wurden, auf ihre Sicherheit überprüfen.
Atomausstiegsdebatte in Europa
Das überstürtzte Handeln der Bundesregierung, dem auch Wahlkalkül unterlegt wird, hat jedoch eine Debatte in Europa über den Atomausstieg ausgelöst. Für völlig abwegig hingegen hielten die britischen Abgeordneten einen Ausstieg aus der Atomkraft. Sie befürchten damit die Rückkehr zur verschmutzenden Kohleenergie und warnen davor, die Ereignisse in Japan auf europäische Verhältnisse zu übertragen. Auch die Finnen und Schweden sehen aufgrund des Störfalls im japanischen Kernkraftwerk Fukushima keine Veranlassung, sich von der Kernkraft zu verabschieden. Manche EU-Mitgliedsstaaten reagierten auf den Vormarsch Deutschlands in Energiefragen mit Kopfschütteln. Doch immerhin scheint sich nunmehr auch eine Debatte in Europa zur Frage zu entwickeln, wie lange überhaupt noch auf die gefährliche Atomenergie gebaut werden solle. Dabei ergab sich die Idee, dass die von Revolution wirtschaftlich und sozial gebeutelten nordafrikanischen Staaten Tunesien und Ägypten Solarenergie für Europa liefern könnten. Dies wäre für alle Beteiligten von großem wirtschaftlichen Vorteil.
Japan ruft Alarmstufe 5 aus
In Japan hat die Regierung unterdessen die Alarmstufe fünf ausgerufen. Das berichtet der arabische Nachrichtensender Al Arabiya. Die Bevölkerung im Umkreis von 80 Kilometern des Atomkraftwerkes Fukushima ist gesundheitlich stark gefährdet. Am Freitag gedachten die Japaner für eine Minute der Opfer der Flutkatastrophe und des Erdbebens vor einer Woche. Sie neigten symoblisch ihren Kopf zur Erde, um ihre Trauer und ihren Respekt gegenüber den Opfern zu bezeugen. Schätzungen zufolge ist die Zahl der Toten auf über 6.000 Personen und die der Vermissten auf über 10.000 angestiegen. Dabei sind über 90.000 Rettungsmannschaften im Einsatz, um die Bevölkerung zu unterstützen und die Such- und Rettungsarbeiten der Vermissten fortzusetzen.
Letzter Schritt: Kernkraftwerk mit Beton und Sand zuschütten
Während die Wartungsteams des Reaktorbetreibers TEPO (Tokio Energie Power CO) alles unternehmen, um die Kühlanlagen durch eine Verbindung zum Stromnetz wieder in Gang zu setzen, geht das Rennen um die Vermeidung der Kernschmelze in Japan weiter. Wie Al Jazeera berichtet, sind mittlerweile Millionen Japaner von Verstrahlung bedroht. Beobachter hoffen darauf, dass Winde die radioaktiven Wolken nicht auf die 35-Millionen-Einwohner Metropole Tokio zuwehen, sondern über den Pazifik schieben.
Wenn auch der Zustand des Kernkraftwerkes während der letzten 24 Stunden stabil geblieben ist, ist damit eine bevorstehende Katastrophe noch nicht abgewendet. Wenn es nicht gelingt, die Kühlpumpen ans Stromnetz zu schließen, um die Reaktoren zu kühlen, könnten sich weitere Feuerherde entzünden, die hoch radioaktiven Rauch in die Atmosphäre blasen. Der letzte Schritt könnte dann wie beim Tschnernobyl-Unfall 1986 nur noch die Zuschüttung des Kernkraftwerkes mit Sand, Schlamm und Beton sein.
