Darf ich bitten? Die Geschichte des Gesellschaftstanzes

Buchcover Darf ich bitten - Elisabeth Sandmann verlag
Buchcover Darf ich bitten - Elisabeth Sandmann verlag
Claudia Teibler präsentiert die Kulturgeschichte des Paartanzes und stellt die beliebtesten Tänze und die großen Tanzstars der Moderne vor.

In ihrem Buch "Darf ich bitten?" widmet sich die Kunsthistorikerin Claudia Teibler der Geschichte des Paartanzes und skizziert seine Entwicklung vom mittelalterlichen Reigen bis zu den Modetänzen des 20. Jahrhunderts. Der Bildband ist sehr ansprechend gestaltet, mit zahlreichen historischen Fotos, Gemälden und Zeichnungen, die schon das Blättern zum Vergnügen machen.

Das Buch ist kein streng chronologischer Abriss, in dem die wichtigsten Tänze der jüngeren Vergangenheit kapitelweise aneinander gereiht sind, sondern eine Sammlung unterhaltsamer Texte, die sich wie die Steine eines Mosaiks zu einem Ganzen zusammenfügen. Dadurch kommt beim Lesen keine Langeweile auf und man kann die Kapitel eigentlich in beliebiger Reihenfolge lesen. Zwischendurch begegnen wir Romanfiguren wie Madame Bovary, die auf einem Ball versucht, mit den Damen der besseren Gesellschaft zu konkurrieren.

Tanzen: Lustvolle Bewegung und Körperkontakt

Claudia Teibler beschreibt den Paartanz als eine Mischung aus lustvoller Bewegung, Show und Mittel zum Zweck, der schon immer darin bestand, dem anderen Geschlecht näher zu kommen. Dabei galt es in früheren Zeiten freilich, eine ganze Reihe von gesellschaftlichen Spielregeln zu beachten, um nicht von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten oder gar Sitte und Anstand zu verletzen. Schließlich war jedes Tanzvergnügen und jeder Ball gleichzeitig auch ein öffentlicher Heiratsmarkt, auf dem Mütter Ausschau nach passenden Kandidaten für ihre Töchter suchten, und insgeheim taten diese das wohl auch selbst.

Der Walzer, 1787 in Wien erfunden, war der erste reine Paartanz ohne Partnerwechsel. "Die Kombination von betörender körperlicher Nähe und schwindelerregenden Drehbewegungen weckte Sinnlichkeit und Ekstase", was dem neuen Tanz schnell begeisterte Anhängerinnen verschafft, aber auch zu heftiger Kritik von Seiten der Moralapostel führt. Der Charakter des Tanzes mit seinen ständigen Drehungen ist an sich nicht erotisch. Für noch mehr Bewegung im Ballsaal sorgte ab 1840 die Polka, zu deren Takten die Tanzpaare regelrecht über das Parkett galoppieren konnten.

Modetänze der 1920er Jahre

Anfang des 20. Jahrhunderts kamen in immer kürzeren Abständen neue Modetänze auf, die meisten zunächst in Amerika. Wesentlich langlebiger als Cakewalk und Ragtime war der argentinische Tango, der zunächst Paris und dann ganz Europa eroberte, wenn auch in weniger erotischer Form als das Original. Das Lebensgefühl der 1920er Jahre drückte sich auch in immer wilderen Paartänzen aus, etwa beim Black Bottom, bei dem sich die Hinterteile der Tanzpartner berührten - einige Jahrzehnte vorher noch völlig undenkbar. Einer der bekanntesten Tänze der so genannten Jazzära war der Charleston, den Josephine Baker 1925 mehr als spärlich bekleidet in Paris vorführte und mit dem auch Louise Brooks auftrat, ehe sie Schauspielerin wurde.

Tanzfilme: Fred Astaire und John Travolta

Die Autorin widmet sich auch dem Rock'n Roll und dem Twist und streift das Disco-Fieber der 1970er Jahre, mit ausgelöst durch den Film "Saturday Night Fever" mit John Travolta, einem der im Buch porträtierten "Traumtänzer". Die beiden anderen sind der unvergessene Fred Astaire, der zusammen mit Ginger Rogers über ein Jahrzehnt lang Musicalfilme zu Kassenschlagern machte, und Rudolph Valentino. Weibliche Tanzstars, die es ja auch gegeben hat, kommen ein bisschen kurz weg. Und nach den Siebzigern kommt dann im Buch leider auch nichts mehr, also weder Macarena oder Lambada noch Patrick Swayze und "Dirty Dancing". Aber daran können sich die meisten ja noch erinnern.

Claudia Teibler: Darf ich bitten? Von rauschenden Bällen, heißen Rhythmen und nimmermüden Füßen. Elisabeth Sandmann Verlag 2009. Hardcover, 160 Seiten. 24,95 Euro (Österreich: 25,70 Euro, Schweiz: 43,90 sFr)

Petra Foede, Fotostudio Sawatzki

Petra Foede - Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin mit den Themenschwerpunkten Wellness, Lifestyle und Kulinarik. Im Herbst 2009 ist mein ...

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