Das antike Paestum in Italien: Gründung, Blütezeit und Untergang

Dorische Tempelanlage in Paestum, Italien - Paul-Georg Meister  / pixelio.de
Dorische Tempelanlage in Paestum, Italien - Paul-Georg Meister / pixelio.de
Die unter dem Namen Poseidonia gegründete Stadt Paestum im süditalienischen Kalabrien ist eine griechische Kolonie, die ca. 600 v. Chr. in Salerno entstand.

Beim Gedanken an griechische Tempel kommt einem zuallererst die Akropolis in den Sinn. Aber nur wenige werden das Bild der dorischen Tempelanlage von Paestum vor Augen haben, die von den Griechen im antiken Italien errichtet wurde. Sie befindet sich in der italienischen Provinz Salerno, ganz in der Nähe des Ortes Capaccio, ungefähr 40 Kilometer von der Stadt Salerno entfernt.

Ein Stück Griechenland siedelt sich in Italien an

Die ersten griechischen Siedler kamen im 11. Jahrhundert vor Christus nach Süditalien. In den Stadtstaaten Griechenlands wurden damals neue Adelsgesellschaften gebildet, die für die wirtschaftliche Benachteiligung verschiedener Bevölkerungsgruppen verantwortlich waren. Es folgte eine Auswanderungswelle, die sich im Süden Italiens niederschlug. Die ersten Kolonien wurden im Jahr 1030 vor Christus in Kalabrien gegründet. Dort entstanden die Städte Napolis und Cumae.

Eine große Anzahl griechischer Auswanderer siedelte sich im 7. Jahrhundert vor Christus am südlichen Stiefel an. Neue Städte entstanden in der als Magna Grecia bezeichneten Region, wie beispielsweise Kroton, Agrigent, Sybaris, Elea und eben auch Paestum. Zu dieser Zeit waren die Griechen aufgrund verschlechterter Lebensbedingungen dazu gezwungen, sich woanders eine neue Lebensgrundlage zu schaffen. Konflikte mit dem persischen Reich taten ihr Übriges. Ursprünglich hieß das neu errichtete Paestum Poseidonia, zu Ehren des Meeresgottes Poseidon. Ihm wurde später auch einer der drei großen dorischen Tempel gewidmet, der Poseidontempel. Dieser wurde 450 vor Christus gebaut, der Heratempel (auch Basilika genannt) bereits um 540 vor Christus und der Tempel der Athene (auch Ceres-Tempel) um 510 vor Christus. Die drei architektonischen Zeitzeugen stehen exemplarisch für die große Epoche des dorischen Baustils.

Die griechische Kolonie mausert sich

Die griechischen Siedler hatten sich einen günstigen Ort als neuen Lebensraum auserkoren. Begünstigt durch das fruchtbare Schwemmland entwickelte sich die Kolonie am Selefluss zu einem landwirtschaftlichen Brennpunkt und aufgrund der Hafenanbindung zu einer blühenden Wirtschaftshochburg. Wichtige Handelswege aus dem italienischen Inland kreuzten sich hier mit denen aus den ionischen Küstenregionen. Doch nicht nur die wirtschaftlichen Belange erfuhren einen Aufschwung, auch die geistigen und religiösen Aspekte erlangten durch den Einfluss der Griechen größere Relevanz. Noch heute ist die eleatische Philosophenschule (entstanden im Ort Elea, ca. 30 km entfernt von Paestum) ein lebendiges Zeugnis aus der damaligen griechischen Epoche.

Die aufstrebende Griechenkolonie musste sich natürlich anfangs ihren "Konkurrenten" gegenüber behaupten. Dies waren einerseits die Etrusker, auf der anderen Seite aber auch die umliegenden griechischen Mitkolonisten. Es wurden Bündnisse geschlossen, unter anderem mit Kroton, Sybaris und Metapont. Im Jahre 512 vor Christus wurde Sybaris von Kroton niedergeschlagen, was zur Folge hatte, dass Poseidonia an Macht und Einfluss deutlich gewann. Dies geschah auch deshalb, weil anzunehmen ist, dass die aus Sybaris vertriebenen Einwohner ihr Wissen und ihre Reichtümer mit in die neue Kolonie brachten.

Der Einfluss der Lukaner - und damit der Anfang vom Ende

Zunächst entwickelte sich zwischen Poseidonia und dem angrenzenden Volk der Lukaner ein friedliches Nachbarschaftsverhältnis. Auch der Handel und das Handwerk profitierten von dem Einfluss der im heutigen Basilikata lebenden Lukaner. Die Einwohnerzahl in Poseidonia stieg und die Macht der Lukaner wuchs. Schließlich übernahmen sie die Herrschaft in Poseidonia, was anfänglich friedlich geschah und nicht unbedingt zum Nachteil der Griechensiedlung wurde. Es entstanden während der lukanischen Ära neue Bauwerke und wertvolle Wandmalereien, in denen die griechische Kunst mit der lukanischen verschmolz.

Erst als 400 vor Christus Konflikte zwischen den beiden Völkern auftraten, wurde Poseidonia von den Lukanern unterworfen und bekam den Namen Paistos. Erst 273 vor Christus tritt die Bezeichnung Paestum auf den Plan, als die Stadt zur latinischen Colonia wurde. Als Verbündeter Roms hatte Paestum dafür zu sorgen, dass Schiffe und Matrosen zum Schutz des Reiches eingesetzt wurden. Der Handel mit Rom und die neu hinzugekommene römische Bevölkerung sorgten für eine letzte Blütezeit der griechischen Siedlung. Neue Bauwerke entstanden, darunter das Amphitheater, das Gymnasium und das Forum.

Der Niedergang Paestums - eine ganze Handelsmacht verläuft im Sande

Für den Untergang der griechischen Siedlung kommen mehrere Faktoren mit ins Spiel: Zum einen ist durch die massive Holzrodung für den Schiffsbau das Gebiet rund um die Flüsse Sele und Salso versumpft, weswegen eine landwirtschaftliche Nutzung der Ebene kaum mehr möglich war. Zum anderen verursachte eben dieses Sumpfgebiet um Paestum eine Malariaepidemie, durch die ein Großteil der Bevölkerung dezimiert wurde. Der letzte Auslöser für den Untergang Paestums war dann die veränderte römische Handelspolitik, die dafür verantwortlich war, dass durch neue Handelswege mit dem Orient über die Adriaküste Paestum fast gänzlich vom internationalen Handel ausgeschlossen wurde und somit an Bedeutung verlor.

Übrig blieb ein kleines Örtchen namens Celestempel, das im 9. Jahrhundert nach Christus von den Sarazenen und im 11. Jahrhundert von den Normannen überfallen wurde. Aufgrund der Überfälle und der Malariagefahr zogen die Überlebenden in eine höher gelegene Region, wo sie den Ort Capaccio Vecchio gründeten. Paestum versandete und versumpfte schlussendlich und geriet gänzlich in Vergessenheit. Erst 1752, fast zeitgleich mit Pompeji und Herkulaneum, wurde die Tempelanlage wiederentdeckt. Der Bourbone Karl III. ließ zu dieser Zeit Straßen direkt an der Küste entlang erbauen. Nachdem die Arbeiter im Dickicht die antiken Bauten entdeckt hatten, wurden aufwändige Ausgrabungen veranlasst. 1998 erklärte die UNESCO die wertvollen Tempelbauten von Paestum zum Weltkulturerbe.

Lesen Sie mehr über die Tempelbauten von Paestum: Die dorischen Tempel von Paestum - griechisches Flair in Italien

Quelle:

Autorin Bettina Daiber, Foto: Bettina Daiber

Bettina Daiber - Bettina Daiber entschied sich nach ihrem Abitur für den Beruf der Arzthelferin und studierte nach erfolgreichem Abschluss ...

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