Das Antioxidanz Alpha-Liponsäure

Die schwefelhaltige Thioctsäure als Eckpfeiler im Abwehrsytem

Wenn es um die Abwehrkräfte des Menschen geht, ist immer von Vitaminen und Mineralstoffen die Rede. Dabei ist die Alpha-Liponsäure ebenfalls ganz besonders wichtig.

Die Alpha-Liponsäure, auch Thioctsäure genannt, ist eine schwefelhaltige Fettsäure. Sie wurde 1952 erstmals aus Lebergewebe isoliert und besteht aus zwei Schwefelatomen in einem Ringsystem. Mit diesem Ringsystem kann die Alpha-Liponsäure ein so genanntes intramolekulares Redoxsystem bilden, das mit zahlreichen anderen Oxidanzien reagiert.

Ein Netzwerk aus 5 Substanzen

So sorgt die Alpha-Liponsäure als Eckpfeiler für ein komplexes Netzwerk von Antioxidanzien und kann ein Maximum an Wirksamkeit aus ihnen herausholen. Dieses Netzwerk besteht im Wesentlichen aus fünf Substanzen: Vitamin C, Vitamin E, dem Co-Enzym Q 10, Gluthation und eben der Alpha-Liponsäure.

Hat eines der oben genannten Antioxidanzienmoleküle ein freies Radikal neutralisiert, oxidiert es und kann sich normaler Weise nicht mehr regenerieren. Es muss als Abbauprodukt zur Ausscheidung gebracht werden. Sind aber genug Antioxidantienmoleküle aller fünf Antioxidantiensubstanzen vorhanden, können sie sich nach der Oxidation über verschiedene chemische Interaktionen wieder herstellen. Vitamin C, das Co-Enzym Q 10 und die Liponsäure regenerieren auf diese Weise das Vitamin E. Gluthation wiederum regeneriert Vitamin C. Das wirksamste Molekül in diesem ständigen Regenerationsprozess ist aber das der Alpha-Liponsäure, da es als einziges alle anderen Antioxidantien regenerieren kann. Es wird deshalb auch gern als „Universal-Antioxidanz“ bezeichnet, da es sowohl wasser- als auch fettlösliche Radikale bindet und deshalb im Unterschied zu allen anderen Radikalfängern sowohl außerhalb als auch innerhalb der Zelle wirkt.

Die Rolle des Universal-Antioxidanz im Körper

Alpha-Liponsäure spielt auch eine wichtige Rolle bei der Energiegewinnung innerhalb der Zellen und Mitochondrien. Dabei ist sie Co-Faktor einiger Schlüsselenzyme z. B. der Alpha-Ketonsäure-Dehydrogenase, die an der Energiegewinnung innerhalb der Mitochondrien aus Nahrung und Sauerstoff beteiligt ist.

Sämtliche freie Radikale zu neutralisieren gleicht einer Sisyphusarbeit, die täglich unbemerkt in unserem Körper stattfindet. Nehmen freie Radikale überhand, wird das Immunsystem geschwächt und Krankheiten entstehen. Es sind zwischenzeitlich auch Krankheitsbilder beschrieben worden, bei denen ein erniedrigter Blutspiegel an Alpha-Liponsäure festgestellt wurde.

Alpha-Liponsäure in der Therapie

Da wir nur eine kleine Menge der Alpha-Liponsäure über bestimmte Nahrungsmittel wie Spinat, Kartoffeln oder rotes Fleisch aufnehmen können, ist eine gesonderte Zufuhr dieser bemerkenswerten Substanz sehr zu empfehlen. Sie werden zur Behandlung von „Missempfindungen“ bei diabetischer Polyneuropathie eingesetzt. Denn gerade bei Diabetes mellitus sind von der Alpha-Liponsäure abhängige Stoffwechselwege in ihrer Aktivität eingeschränkt. Durch die Zufuhr von Alpha-Liponsäure können die Enzymblockierungen aufgehoben und der Energiestoffwechsel aktiviert werden. Als Radikalfänger blockiert Alpa-Liponsäure die Signalwege der entzündungsfördernden Zuckeroxidationsprodukte. Die Nervenleitfähigkeit der Patienten kann dadurch entscheidend verbessert werden.

Auch bei der Therapie bestimmter Augenerkrankungen zeigte sich die Gabe von Alpha-Liponsäure hilfreich.

Eine jüngst durchgeführte klinische Studie bei Patienten mit Morbus Alzheimer zeigte in den ersten sechs Monaten eine deutliche Besserung anhand zweier gängiger Demenz-Scores. Die Besserung hielt an, wie man im SPECT (single positron emission computer tomography) zeigen konnte.

Die Gabe von Alpha-Liponsäure hat auch eine direkte Auswirkung auf die Leber des Menschen. Erhöhte Leberwerte können gesenkt, die Leberdurchblutung angeregt und entzündliche Reaktionen vermindert werden. In Kombination mit Co-Enzym Q10 kann es die körperlichen Energiereserven verstärken.

Alpha-Liponsäure wird auch bei Schwermetallvergiftungen eingesetzt. Insbesondere die Kupferausscheidung kann gesteigert werden, was besonders für Patienten interessant ist, die an Morbus Wilson leiden.

Auch Krebspatienten können von Alpha-Liponsäure profitieren, nicht nur, um die bei Chemotherapie häufig auftretende Polyneuropathie zu vermeiden oder zu lindern, sondern auch, um einen großen Teil der Nebenwirkungen und die im Körper vermehrt auftretende Giftstoffe und freie Radikale abzufangen.

Studien und Veröffentlichungen (kleine Auswahl)

Bast, A., Hae, G.R.: “Lipoic acid: a multifunctional nutraceutical”. In: Kramer, K., Hoppe, P., Packer, L., Eds. “Nutraceuticals in Health and Disease Prevention”. New York: Marcel Dekker, Inc.; 2001:113-128.

Greene, D.A., Stevens, M.J., Obrosova, I., Feldman, E.L.: “Glucose-induced oxidative stress and programmed cell death in diabetic neuropathy”. Eur J Pharmacol. 1999;375(1-3):217-223.

Haak, E., Usadel, K.H., Kusterer, K., et al.: “Effects of alpha-lipoic acid on microcirculation in patients with peripheral diabetic neuropathy”. Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2000;108(3):168-174.

Hagen, T.M., ersoll, R.T., Lykkesfeldt, J., et al.: “(R)-aa-lipoic acid-supplemented old rats have improved mitochondrial function, decreased oxidative damage, and increased metabolic rate”. Faseb J. 1999;13(2):411-418

Packer, L., Coman, C: “The Antioxidant Miracle”, eds. John Wiley and Sons, New York, 1999

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Brigitte van Hattem, www.starphotografie.de

Brigitte van Hattem - Mein Name ist Brigitte van Hattem. Ich bin Medizinjournalistin, Fernsehredakteurin, Autorin und Texterin und betreibe ein medizinisches ...

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