
- Attentat Norwegen - Frank Witscherkowsky - Pixelio.de
Die Attentate von Norwegen waren schrecklich, unmenschlich und zutiefst verachtenswert, darüber besteht kein Zweifel. Was kommt nach dem ersten Schrecken, dem Mitleid und der Anteilnahme? Man findet bereits in der Presse, in Äußerungen von Politikern und der allgemeinen Wahrnehmung viel Hysterie, blinden Populismus und Polemik.
Auch in Deutschland, kaum ist die tatsächliche Opferzahl bekannt und der Täter geständig, findet wieder eine Debatte darüber statt, welche Konsequenzen zu ziehen sind. Verbote rechter Parteien, ausgefeiltere Fahndungsmethoden wie die Vorratsdatenspeicherung und ein stärkeres Engagement gegen rechts sollen, so die Vorstellung der politischen Parteien, die Lösung sein.
Einfach ist einer Gewaltorgie wie die in Norwegen nicht beizukommen, Täter wie Breivik passen in den seltensten Fällen in ein definiertes Muster, vielmehr entziehen sie sich geradezu einer Kategorisierung. Ein Mensch, der sich auf höchst intelligente Weise über Jahre selber indoktriniert und sich seine eigene, perfide Ideologie schafft, ist nicht der selbe, der bei einer rechtsstaatlich bedenklichen Vorratsdatenspeicherung auffällt.
Kann man Attentäter frühzeitig erkennen?
„Es gibt kein Idealprofil“, stellt der Düsseldorfer Kriminalist und Autor Stephan Harbort logisch fest. Vielmehr wird es in unserer Gesellschaft immer wieder tickende Zeitbomben geben, die irgendwann zu einer solch schrecklichen Tat ansetzen. Ein Unterschied zwischen fanatisierten Menschen wie dem Täter aus Norwegen und manch anderem ist, dass Breivik detailliert geplant und tatsächlich zur Tat angesetzt und diese konsequent durchgeführt hat.
Es gebe zwar Schnittmengen in Bezug auf manche Tätereigenschaften, so Harbot weiter, doch reichen diese zu einer Identifikation potentiell gefährlicher Menschen nicht aus. Breivik habe seine fixen Ideen Schritt für Schritt fanatisch verfolgt.
Vorratsdatenspeicherung als Mittel zum Zweck?
Immer wieder wird die Vorratsdatenspeicherung als probates Mittel zum Zweck genannt. Diese Möglichkeit ist rechtlich umstritten und müsste zuerst auf rechtlich sichere Füße gestellt werden. In Deutschland wurde in der Vergangenheit bereits in Zeiten der RAF versucht, mit Rasterfahndungen potentielle Täter ausfindig zu machen – mit mäßigem Erfolg. Vielmehr gerieten viele unbeteiligte Menschen in die Filter der Fahnder und wurden erfasst. In Zeiten der RAF war dies, neben den Terrorgesetzen der damaligen Regierung, die eine Schande für jeden Rechtsstaat sein sollten, der verzweifelte Versuch, der Situation Herr zu werden.
Täter Verhalten sich nicht gleich
Als am 11.9.2001 Flugzeuge in das World Trade Center einschlugen und eine Hamburger Terrorzelle um Atta bekannt wurde, fand man schnell heraus, dass die Terroristen sich gut in die Gesellschaft integriert hatten. Teilweise wurden sogar GEZ Gebühren bezahlt, obwohl häufig Studenten hiervon befreit sind. Die Täter verhielten sich also auffällig unauffällig. Aber reicht dies schon aus? Kann man den norwegischen Behörden vorwerfen, dass sie bei Breiviks Düngemittelbestellung hätten hellhörig werden müssen? Wohl kaum.
Gibt es eine Lösung?
Menschen sind komplexe Wesen, die Gesellschaft, ihre Regeln und Abläufe auch. Wer nach mehr Eingriffen des Staates verlangt, sieht sich den individuellen Rechten des Einzelnen gegenüber gestellt. Harbort stellt fest, dass in einer Gesellschaft, in denen die Ellenbogen immer wichtiger sind und das Ego des Einzelnen manchmal zum einzigen Alleinstellungsmerkmal verkommt, Probleme vorprogrammiert sind. Einige Menschen phantasieren von Gewalt, einige ganz wenige lassen diese Fantasien Wirklichkeit werden. Mit diesen Situationen muss die Gesellschaft leben, auch wenn es noch so schwer zu ertragen ist.
Quellen:
- SPIEGEL.de
- DIE WELT.de
- Pixelio.de (Bilder)
