Das Auge des Pferdes

Wie sehen Pferde ihre Umgebung?

Pferdeauge - Birte Wermann
Pferdeauge - Birte Wermann
Reiter wundern sich manchmal über die Schreckhaftigkeit ihres Pferdes. Wer ein wenig über das Sinnesorgan Auge seines Tieres weiß, hat eher Verständnis dafür.

Da sich die Augen des Pferdes seitlich auf beiden Kopfhälften befinden, ist das dreidimensionale Sehen des Pferdes eingeschränkt. Dafür hat das Pferd jedoch die Möglichkeit fast einen Rundumblick zu genießen. Nur ein geringer Bereich hinter und vor dem Pferd ist von ihm nicht einsehbar. Daher auch der gute Ratschlag, sich einem Pferd immer von der Seite her zu nähern, damit es sich nicht erschreckt. Das räumliche Sehen ist nur in einiger Entfernung möglich, etwa 2 Meter vor seinem Kopf, so dass das Pferd beim Absprung vor einem Hindernis nicht mehr Höhe und Breite abschätzen kann. Das Pferd muss daher bereits vor dem Absprung die Maße abspeichern, um nicht in das Hindernis hineinzuspringen. Am besten kann das Pferd dreidimensional sehen, wenn es den Kopf erhoben hat.

Scharfstellen nur bedingt möglich

Das Pferd hat außerdem eine recht starre Linse. Das bedeutet, dass die Linse sich nicht an verschiedene Situationen anpassen kann, wie bei uns Menschen und eine geringe Akkomodation vorliegt, also das Scharfstellen des Bildes vor seinem Auge nicht gut möglich ist. Man kann daher auch sagen, das Pferd ist eher kurzsichtig und sieht nur in einer bestimmten Entfernung besonders scharf. Alles was direkt vor seiner Nase ist bzw. weit entfernt ist, sieht das Pferd unscharf.

Hervorragende Augen, um Bewegungen wahrzunehmen

Als Fluchttier ist es für das Pferd besonders wichtig, Bewegungen in der Nähe und auch am Horizont gut wahrzunehmen. Raubtiere könnten sich anschleichen oder eine andere Gefahr könnte drohen. So verwundert es keinen Reiter, wenn das Pferd jede kleinste Bewegung in weiter Entfernung erkennen kann und auch bei einem raschelnden Blatt zur Seite springt.

Das Pferd ist ein Tag- und Nachttier

Die großen Augen und ein besonderer Augenbereich, das Tapetum lucidum, lassen vermuten, dass das Pferd hervorragend im Dunkeln sehen kann. Das Tapetum lucidum ist ein Bereich der Aderhaut, welcher mit Zellen ausgestattet ist und in dem kleine Kristalle eingelagert sind. Dieser Augenbereich im Gebiet des Gehirnpols ermöglicht, dass einfallendes Licht reflektiert wird und somit einen verstärkten Reiz auf die Netzhautzellen auslöst. Wir erkennen diesen Bereich als grünlich reflektierende Augen in der Dämmerung. Jedoch ist das Pferd nicht ausschließlich dämmerungs- oder nachtaktiv, Pferde sind tag- und nachtaktive Tiere und sind mit ihren Augen dafür bestens ausgerüstet.

Querovale Pupille ermöglicht Panoramablick

Im Gegensatz zu der runden Pupille des Menschen haben Pferde eine querovale Pupille. Dies hat den Vorteil, dass bei starkem Lichteinfall sich die Pupille zusammen ziehen kann, ohne jedoch das weite Blickfeld einzuschränken. Komische Gebilde hängen im Bereich der Pupille, die Traubenkörner. Sie erleichtern vermutlich das Sehen bei grellem Licht und schützen wie eine Schirmmütze und sie sind bei der Produktion des Kammerwassers beteiligt.

Das Farbensehen des Pferdes

Über das Farbensehen des Pferdes gibt es viele verschiedene Angaben. Hundertprozentig gesichert scheint keine zu sein. Vermutlich hat das Pferd einen eingeschränkteren Farbsehbereich als der Mensch und kann somit Rot und Blau nicht so gut erkennen, während Gelb und Grün sehr gut wahrgenommen werden. So sollen ein helles Rot und ein helles Grün die letzten Bereiche sein, die ein Pferd gut erkennen kann.

Dual-Aktivierung mit den Farben gelb und blau

Der Pferdetrainer Michael Geitner hat heraus gefunden, dass die Pferde besonders gut reagieren, wenn man sie in einer blauen und gelben Gasse trainiert. Auch wenn das Farbsehen noch nicht hundertprozentig geklärt ist, wäre ein deutlicher Unterschied zwischen Blau und Gelb für das Pferd sehr offensichtlich, auch wenn das Blau evtl. als Grauton angenommen wird.

Quellen:

Anatomie und Physiologier der Haustiere von Klaus Löffler

Physiologie der Haustiere von W. v. Engelhardt u.a.

Praxisorientierte Anatomie und Propädeutik des Pferdes von H. Wissdorf u.a.

Warums charren Pferde mit den Hufen? Von Desmond Morris

Birte Wermann, Birte Wermann

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