Das Auto – die Waffe unserer Zeit

Aggression, Kompensation und Hass im Straßenverkehr

Über den täglichen Frust im Straßenverkehr unter Berücksichtigung des menschlichen Faktors Rücksichtslosigkeit. Das Auto als Ventil der täglichen Aggression.

Mobilität, Freiheit, Unabhängigkeit. Mit diesen Worten wird seit Beginn seiner Erfindung das Auto assoziiert. Und all dies ist unbestritten, wird heute allerdings treffend um die Wörtern Frust, Aggression und Eitelkeit ergänzt. Wie definiere ich mich als Persönlichkeit mit Hilfe meines fahrbaren Untersatzes, scheint es manchmal zu heißen. Das Auto als Ventil der täglichen Aggression.

Stolz und Gefahr

Der junge Mensch ist stolz, seinen Führerschein in Händen zu halten, und er ist zu Recht stolz. Der Lehrgang und die Prüfung sind kein Spaziergang, sind dann doch bestanden, man hat richtig eingeparkt, die Vorrangregeln beachtet, keine rote Ampel überfahren und in der Theorie weiß man, dass der Fußgänger den Zebrastreifen ungehindert und gefahrlos überqueren sollte können. In der Theorie. Mit dem Besitz des ersten eigenen Gefährts dürfte ein Großteil dieses Wissens verloren gehen. So sieht es aus, und wenn man der Jugend das Privileg der Unvernunft auch gerne zugesteht, so ist der Straßenverkehr vielleicht doch ein etwas gefährliches Pflaster hierfür. Und wenn die Jugend sich in Unvernunft übt, so sollte man im Laufe der Zeit an die Reife, Gelassenheit und Vernunft appellieren. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Das erste Auto ist schon lange verschrottet – freiwillig oder durch Überschlag – man ist gesetzt, besucht Theater und Oper, hat sich erfolgreich eine Familie aufgebaut, im Berufsleben macht einem keiner etwas vor, das Auto – feinste deutsche Arbeit und dezent schwarz lackiert – rühmt sich der Oberklasse anzugehören. Man hat es geschafft und die wilden Jahre liegen weit zurück.

Aggression

Der Verkehr wird allerdings dichter, man steht fast jeden Morgen im Stau, hört dabei Musik zwischen den Verkehrsmeldungen und denkt sich nichts dabei. Zumindest so lange, bis dieser Idiot da vorne sich in die Kolonne drängt. Da wurde der Zusammenstoß gerade noch vermieden aber der Pulsschlag hat sich entscheidend erhöht. Büßen darf es einige Minuten später die alte Dame, die versucht den Zebrastreifen zu überqueren und hupend nur knapp verfehlt wird. Man muss die verlorene Zeit wieder gut machen. Am Wochenende, bei der familiären Landpartie mit Kindern und Oma scheint man entspannt, so lange bis einem bewusst wird, dass die gesamte Stadt ähnliche Freiheitsgelüste empfindet und man sich auf den vierspurigen Autobahnen zuwinken könnte, dann aber doch eher zu Kraftausdrücken neigt. So die Situation.

Freiheit und Macht

Auch die Politik und die Verkehrsbehörden scheinen diesen Aggressionen zwar nicht machtlos – aber doch tolerant – gegenüber zu stehen. Der Autofahrer selbst sieht sich zwar als Melkkuh der Nation (teilweise wohl nicht zu Unrecht), nimmt sich im Gegenzug allerdings auch jede Freiheit, sein teures Hobby zu hegen und zu pflegen und die scheinbare Macht der Mobilität auszukosten.

Statussymbol oder Fortbewegungsmittel

Als friedliebender Mensch, der sein Fahrzeug sinnvoller Weise als Zweck sieht, von A nach B zu kommen, fühlt man sich manchmal durchaus missverstanden und einer Minderheit anzugehören. Denn, man bewegt sich nicht einfach von A nach B, nein, man reist, gleitet oder rast, dabei wird möglichst jeder Luxus geboten: Air-Condition, CD-Player, Navigationssysteme, um nur einiges zu nennen. Die Limousine, Statussymbol in erster Linie, Fortbewegungsmittel – ja, auch..., leider viel zu oft an zweiter oder letzter Stelle.

A.P.Schlöglmeier, Michael Stoifl

A.P. Schlöglmeier - A.P. (Andreas Pankraz) Schlöglmeier wurde 1970 unter anderem Namen geboren, ist Gastronom, Maler und Schriftsteller. Lebhaft zur ...

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