Das Barcelona des Carlos Ruiz Zafón: "Das Spiel des Engels"

Carlos Ruiz Zafón schreibt poetisch und kraftvoll. - Jürgen Bauer / Fischerverlage
Carlos Ruiz Zafón schreibt poetisch und kraftvoll. - Jürgen Bauer / Fischerverlage
Carlos Ruiz Zafón hat mit "Das Spiel des Engels" einen Roman über das Barcelona vor dem Spanischen Bürgerkrieg geschrieben. Eine Buchbesprechung.

Turbulenter geht es kaum: Spanien steht kurz vor einem der einschneidensten Ereignisse seiner Geschichte - es sind die Jahre vor dem Spanischen Bürgerkrieg. Besonders Barcelona ist zu dieser Zeit eine Stadt der Umbrüche: Die Stadt wird größer und größer, Gaudís Meisterwerk, die Kathedrale La Sagrada Familia, entsteht, die gesellschaftliche Ordnung gerät zu großen Teilen aus den Fugen und die Stadt wird von Kriminalität geprägt.

Traurige Kindheit in Barcelona

Inmitten dieser Zustände wächst David Martín unter denkbar schlechten Bedingungen auf. Die Mutter verlässt die Familie in der Hoffnung auf ein besseres Leben und lässt den kleinen David bei seinem frustrierten und völlig überforderten Vater zurück. David entwickelt eine Leidenschaft für Bücher, die sein Vater - teils auch gewaltsam - zu unterbinden versucht, weil er selbst nicht lesen kann und ihm diese Fähigkeit und die Welt, die sich einem Menschen eröffnen kann, suspekt sind. Aber Davids Liebe zu den Büchern ist stärker als die Angst vor dem Vater. Unterstützung findet er bei dem Buchhändler Sempere, der ihn mit Lesestoff versorgt und sein bester Freund wird.

Erste Schritte als Literat

Bei einer kleinen Zeitung macht David seine ersten literatischen Gehversuche und hat damit prompt Erfolg. Auch hier findet er einen Gönner, den Autoren Pedro Vidal. Vidal wird zu einem Dreh- und Angelpunkt in Davids Leben. Nicht nur, dass er ihn fördert, er wird auch sein Freund und vor allem lernt David durch ihn Cristina kennen, die die Liebe seines Lebens wird.

Ein mysteriöser Verleger aus Paris

Mit seinen mysteriösen Kriminal- und Schauerromanen, die David unter einem Pseudonym für einen kleinen Verlag in Serie produziert, erschreibt er sich eine Fangemeinde und bald kommt ein verlockendes Angebot: Andreas Corelli, Inhaber eines Verlages in Paris, bittet David, ihm für ein Jahr mit seinem schriftstellerischen Talent zur Verfügung zu stehen. Das Honorar ist schwindelerregend hoch und auch die Arbeit reizt David, der endlich als Autor wahrgenommen und sich nicht mehr hinter einem Pseudonym verstecken möchte.

Das Unheil nimmt seinen Lauf

Die Allianz, die David mit Corelli eingeht, scheint ihm kein Glück zu bringen. David fühlt sich zu Dingen verpflichtet, die ihm nicht gefallen, sein Auftraggeber ist darüber hinaus äußerst unerbittlich. Auch seine Freundschaft zu Vidal zerbricht, als dieser Cristina heiratet, obwohl er von Davids Liebe zu ihr weiß. Auch sein Haus scheint verflucht zu sein und als David versucht, der Geschichte des "Hauses mit dem Turm" auf den Grund zu gehen, gerät er in einen Sog aus Tragik und verlorener Liebe.

Barcelona als Schauplatz tragischer Lebensgeschichten

Carlos Ruiz Zafon ist mit Das Spiel des Engels ein wundervoller Roman über die Zeit vor dem Spanischen Bürgerkrieg gelungen. Die Figuren wirken einerseits mysteriös, andererseits aber so authentisch, dass man sich ihnen als Leser sehr verbunden fühlt. Die Handlung ist eindeutig tragisch und mutet nicht selten surrealistisch an - alles andere wäre für das Barcelona dieser Zeit auch nicht echt gewesen. Dennoch ist Das Spiel des Engels kein Buch, das depressiv macht. Vielmehr entlockt der Autor, der selbst in Barcelona geboren und aufgewachsen ist, dem Leser mehr als einmal durch seine leise Ironie und die skurrilen Figuren ein Lächeln.

Ein Buch, dem man verfällt

Das Spiel des Engels ist zweifellos ein Juwel der europäischen Gegenwartsliteratur. Figuren mit liebenswerten Eigenheiten, die sie aber nicht vor dem oftmals traurigen Verlauf ihres Lebens schützen, eine Handlung, tragisch, schön und geheimnisvoll und einer fabelhaften Sprache voller Poesie und Kraft machen aus dem Roman ein Buch mit spanischer Seele. Erwähnt sei hier auch, dass Zafóns Sprachgewalt in der wunderbaren deutschen Übersetzung von Peter Schwaar erhalten bleibt. Das Spiel des Engels erzählt eine Geschichte, auf die man sich einlassen muss - aber dann wird man hineingezogen in einen Sog aus Faszination.

Leseempfehlung: Ruiz Zafón, Carlos: Das Spiel des Engels. Fischer Taschenbücher 2010. 710 Seiten. 10,95 Euro.

Bildnachweis: © Jürgen Bauer / Fischer Verlage

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