Das Beethoven-Gymnasium Berlin-Lankwitz – eine Theaterschmiede

Aufführung EXIT nach Lars Norens  - A. Dams
Aufführung EXIT nach Lars Norens - A. Dams
Am Berliner Beethoven-Gymnasium wird schon seit Jahrzehnten Schauspiel gelehrt, gespielt und gelebt. Verantwortlicher Lehrer für Kultur ist Achim Dams.

Der Berliner Bezirk Lankwitz liegt weit draußen und mutet verschlafen an. Aber der Schein trügt, denn hier am örtlichen Beethoven-Gymnasium werden preisverdächtige Theaterstücke aufgeführt. Der Kunst- und Theater-Leiter Achim Dams bringt den Schülern die Schauspielkunst näher. "Theaterkurse mache ich schon seit dem Jahr 1982, Kunst noch länger. Mein letzter Kunst-Leistungskurs war einsame Spitze: Wir haben eine Endausstellung bis unters Dach gemacht, sozusagen auf der Achse des Schönen und zur Vernissage kamen ca. 200 Besucher", sagt der Theater- und Kunstleiter.

Theaterspiel "15 Sekunden" des Kurses "Darstellendes Spiel" am Beethoven-Gymnasium

Grundlage für das preisverdächtige Theaterstück "15 Sekunden" der Lankwitzer Theatergruppe bietet der sozialkritische Dokumentarroman Joachim Gaertners, „Ich bin voller Hass – und das liebe ich“. Aus 25.000 Seiten Ermittlungsakten destilliert der Autor des Romans, bei dem Entsetzen und Staunen über die künstlerische Fantasie der Täter eines der folgenreichsten Verbrechen der letzten Jahrzehnte sich die Waage halten, eine Essenz. Dokumentiert werden in diesem Buch Aufsätze, Videobotschaften und Tagebuchaufzeichnungen der Columbine-High-School-Attentäter in Littleton, USA, aus dem Jahr 1999.

"Diese Texte, eigene Szenen und aus Improvisationen entstandene Bilder gestalteten wir zu einem berührenden Theaterstück, das zum Nachdenken anregt und die Thematik dieser menschlichen Grausamkeit verarbeitet. Nach Recherchen zu Filmen wie 'Elephant' oder der Ausstellung 'Wut' im Haus der Kulturen Berlin, konnten wir das menschliche Grauen solcher Amokläufe im Theaterspiel begreifbar umsetzen", sagt Theaterleiter Achim Dams. Und: "Selbst oft nicht in der Lage, Gedankengänge und Fantasien nachvollziehen zu können, entstanden Szenen, die emotional wie analytisch Hintergründe dieser und ähnlicher Taten anreißen wollen." Dams weiter: "Zur Zeit habe ich einen neuen Leistungskurs, der gut läuft. Ich fahre mit jedem Leistungskurs in die Toskana, mittlerweile auf ein Weingut bei Tavarnelle, wo die Schüler und ich gemeinsam arbeiten."

Historische Mauern bieten Raum für Kreativität

Zur Jahrhundertwende, im Jahr 1909, wurde das Beethoven-Gymnasium unter Königlich-Preußischer Regierung als Mädchenschule gegründet und 40 Mädchen konnten in die Lehr-Anstalt eintreten. Später wurde die Schule als Lyceum mit der Möglichkeit zum Realschulabschluss nach Beendigung der zehnten Klasse geführt. Das heutige Hauptgebäude mit seinem imposanten Eingangsportal wurde im Jahr 1918 fertiggestellt und im Jahr 1939 als Mädchengymnasium weitergeführt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schulhaus stark zerstört, konnte aber gleich nach Beendigung des Krieges im Jahr 1945 wieder für den Schulbetrieb, nunmehr auch für Jungen, geöffnet werden. Zehn Jahre später erhielt das Gymnasium den Namen des berühmten Komponisten Ludwig van Beethoven. In den 1970er Jahren musste die Schule wegen einer Verdopplung der Schülerzahl seit 1954 erweitert und eine Filiale in der Dessauerstraße als zusätzliches Quartier genutzt werden, da immer mehr Schüler das Beethoven-Gymnasium besuchen wollten.

Premiere des Theaterstücks "15 Sekunden" im Mai 2011 in der Aula des Beethoven-Gymnasiums

Die Theatergruppe des Beethoven-Gymnasium lud im Mai 2011 zur Aufführung ihres Theaterstücks und zur anschließenden Diskussion in die Aula ein. Das erfolgreiche Schauspiel wurde mit großer Begeisterung aufgenommen. Leiter Achim Dams zitiert Texte aus "15 Sekunden": "Es passiert immer wieder. Niemand kann es sich vorstellen und man würde es sich nie träumen lassen, dass etwas Vergleichbares in seiner Umgebung passieren könnte. Es stellt sich immer wieder die Frage, wie ein Mensch zu so einer Tat fähig ist." Und weiter: "Kretschmer, der Täter vom Amoklauf in der Schule in Winnenden, sagte: Es gibt zwei Behauptungen, warum es solche Menschen gibt. Die einen sagen, man wird so geboren, die anderen sagen, man wird zu dem gemacht. Die Wahrheit ist, sie haben es schon von Geburt an in sich, es kommt jedoch nur raus, wenn das Gemachte hinzukommt. Dieses Zitat war eine gute Zusammenfassung unserer Meinung über Amokläufer. Diese Aussagen waren Grundlagen unserer Arbeit zum Stück", stellt Theatergruppenleiter Dams die Arbeit seiner Schüler in den Fokus.

Fast jeder hat Brücken. Brücken, die einen am Leben halten, einem Halt und Sicherheit sowie Geborgenheit vermitteln. Sozusagen eine Brücke zum rettenden Ufer, weg von der Möglichkeit eines Amoklaufes. Für jeden kann diese Brücke individuell anders sein. Doch was passiert, wenn man nichts hat, was einem einen Sinn in seinem Leben gibt, wenn man den Punkt erreicht hat, an dem einem alles egal ist? Und was ist, wenn man sich nicht selber die Schuld dafür gibt, sondern anderen – wenn man keine Möglichkeit sieht, seine Wut abzubauen und diese immer stärker wird, wenn man sich einfach nur noch rächen will. Das Beethoven-Gymnasium ist Schulstätte und Theaterschmiede zugleich und bringt seit nunmehr über 100 Jahren kreative Köpfe hervor.

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Katti Mieth - Nach dem Studium Wirtschafts-und Gesellschaftskommunikation in Berlin lernte ich die Agenturarbeit kennen, wurde in den 80er Jahren ...

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