Zuweilen schwelgen Historiker und Republikaner bei abendlichen Begegnungen in einem Café, bei einem Glas Cognac, nicht nur in Besprechungszimmern, in Rückblicken und sprechen dabei auch über jene monumentalen Gefechte des Zweiten Weltkrieges, die zwischen den alliierten Streitkräften und der japanischen Achsenmacht auf Mount "Iwo Jima" im Pazifik ausgetragen wurden. Zuweilen illustrieren auch Reporter die Geschehnisse in den späten, noch fiebernden, trostlosen und unausweichlichen Kriegstagen. Seinerzeit war der Fotograf der Associated Press Joe Rosenthal vor Ort, der das Erklimmen des Vulkans im Frühjahr 1945 durch sechs Soldaten abknipste, zunächst in das Phantom einer verzierenden und fast aufgelösten Realität gebettet, dann publik, sollte es dem frevelhaftem Nazismus und Blutvergießen ein Postulat, ein beachtliches Sinnbild der unbeugsamen Demokratie verleihen.

Die Vorgefechte im Pazifik zwischen Alliierten und der östlichen Achsenmacht

In jenen Jahren flogen japanische Fliegerpatrouillen mit zerreißenden Abwurftanks Angriffe auf amerikanische Flugzeugträger im Korallenmeer, vor Moresby im Pazifik. Aus der Position der geerbten Selbstopferungen fanden sie es rechtmäßig. Von den Himmeln trudelnd und pfeilend, in eingeschworenen Verbänden, beladen mit körperlichem Sprengstoff und völkischer Gesinnung, zerstörten sie die amerikanischen Schiffe in Pearl Habor und die schwimmenden, schweren Kommandoposten im Korallenmeer. Sie rasten in „ex professo" auf die Allierten zu und nahmen den Opfertod als Einbettung in die kaiserliche Wiege wahr. Ein mystisch - politischer Totalitarismus. Das Blut der alliierten Soldaten klebte an den zerfetzten Fregatten, den Jeeps, den Mauerresten der sporadischen, simplen Kasernen, den bestialisch-überraschten F4F Wildcat-Fliegern und Motorrädern. Aber die Alliierten glaubten an den Sieg der freien Völker, an das Edle und Gerechtere der Demokratien, an die internationale Würde – und ihre Verbände. Den Kamikazefliegern stellten sich immer wieder allierte F4F Wildcat und P-51 Mustang Jagdpatrouillen entgegen.

Nach und nach kamen auch zu Land M 16 Halbkettenfahrzeuge vor dem dichten Dschungelabschnitt an. Es wurden M4 Sherman und 155mm Haubitzen M1 herangeschleppt und alliierte Brückenköpfe gegen die östliche Achsenmacht errichtet, die schließlich gehalten werden konnten. Sie fochten bis zum Frühjahr 1945 im Pazifik. In Europa reisten die großen Männer zur Jalta Konferenz, auf der die Siegermächte über das Kriegsende und die Besatzungsbedingungen verhandelten. Im Pazifik kämpften noch alliierte Soldaten. Im Februar und März 1945 spitzten sich die entscheidenden Stunden um die Insel Iwo Jima zu...

Die Entwicklungen auf der "Schwefelinsel"

Der US-Fotograf Joe Rosenthal war 1945 zum Vulkan Iwojima abkommandiert worden. Die Gefechte zwischen alliierten und japanischen Verbänden im Pazifik tobten unvermindert und mit aufgetragener Doktrin. In einer Guerillataktik versuchten die Japaner in Bunkeranlagen die vordringenden amerikanischen Infanteristen auf der Schwefelinsel "Iwo Jima" zu stoppen und verschanzten sich. Sie hielten an den Maschinengewehrstellungen auf die an der Küste robbenden oder vorpreschenden, fallenden Körper. In den ersten Stunden fielen auf der „Schwefelinsel" mehr amerikanische Soldaten als bei der Landung in der Normandie Frankreichs am 6. Juni 1944. Nach Angaben des Historikers Samuel E. Morison starben während der gesamten Invasion 6.825 Amerikaner. 27.909 wurden verwundet. Es gab 20.703 Tote auf japanischer Seite.

Am 23. Februar stromerten sechs alliierte Soldaten, von denen drei Soldaten in den folgenden Gefechten fielen, den Berg Suribachi auf Iwo Jima hinauf, aneinander gereiht und mit fast eingehängten Armen, und den nach vorne gebeugten Oberkörpern, erklommen sie die Spitze des fremden, glorifizierten Bodens und hissten die US- Flagge. Mit feinem Gespür für den schweren Boden, für die Schauer und nomadischen, fahlen Truppenbewegungen und die Gesten für den Zweiten Weltkrieg fotografierte Joe Rosenthal die alliierten Soldaten. Gegen 14 Uhr begaben sich die sechs Soldaten zurück. Sie gingen hinunter. Das Kampfgeschehen auf der Insel hielt noch einige Zeit an und dann konnte man es unter alliierter Verwaltung proklamieren. Innerhalb der dramatischen Invasionsfotoserien sollte es zum berühmtesten Bild des Zweiten Weltkrieges werden.

> Feature zum Fotografen Joe Rosenthal: Der Beginn in einer Redaktion, Aufenthalt und das Tagesgeschäft in San Francisco

Anerkennung mit dem Pulitzer Preis

Obgleich Joe Rosenthal, der Pressemann der Associated Press, den Nahraum beim Foto "Raising the flag on Iwo Jima" nutzt, beinhaltet es wegen der schonungslosen Rasanz und Plastizität der streckenden, trachtenden Gliedmaßen der sechs Soldaten, im riskierenden Zeitstrom, in permanenter Unverrückbarkeit auch die Klauseln zum Kriegsbeitritt. Ebenso die Verbissenheit der beiden Lager, die Unberechenbarkeit und kategorischen Einsätze der Flammenwerfer vor den Bunkern der Insel, die ausgebombten Strände, das pfeifende, massige Knarren der Salven, die Erbitterung in den Knochen, die schmutzigen Nahkämpfe, die Vorstöße und abbrechenden Funksprüche und Sanitäterläufe.

Die Infanteristen biwakten auch am nächsten Tag. Im Morgengrauen robbten sie sich teils durch das Gelände und stießen erneut auf die ausgezehrteren Höhlensysteme.

Den Bajonetten und der internationalen Infernalität und Teufelei der Achsenmächte, dem Brand des Zeitenlaufs rang der Fotoreporter Joe Rosenthal die Kollosalität des Ungebrochenen und eindringlichen Republikanischen ab. Männer, Alliierte. Alliierte, die sich der Souveränität des freien Willens und der freien Völker verschrieben und allzeit bereit waren dafür aufzubrechen. Der humane Weltgeist, der über den Faschismus siegte. All das vermittelt das Bild. Dafür wurde Joe Rosenthal von der Associated Press mit dem Pulitzer Preis im Jahr 1945 gewürdigt.

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ückkehr nach Amerika

Als Joe Rosenthal samt Soldaten und Kriegskorrespondenten des Rundfunkwesen und der Zeitungen nach Washington zurückkehrte, wo Rosenthal 1911 geboren wurde, wurden wie in Chicago Paraden abgehalten und die Kriegsheimkehrer von Witwen und Gattinen empfangen, und bald setzte er sich in ein Restaurant und erzählte seinen Engsten von Fernost, während Jazzlieder und Nachrichten über Besatzungsbedingungen in Europa im Radio surrten. Der Bitterkeit sollte eine neue Epoche folgen. Auf den Konferenzen wies man in eine Ära der friedlichen Staatengemeinschaften, der Wirkung der Vereinten Nationen und des demokratischen und wirtschaftlichen Aufbaus, mittels der demokratischen Erziehungen in den Bildungsstrukturen, den Bürgerrechten und mittels des Marschall-Planes.

Zerfetzte Eisenbahnlinien, evakuierte Dörfer. Wälder als Nachtlager. Fallschirmjäger über der Normandie und dem Pazifik sollten endgültig der Vergangenheit angehören. Jahre, die sich bis 1945 wie in Asche und Verderben und abgelehnter Scham wanden, sollten nicht wiederkehren. Europa errichtete ein verläßliches, transatlantisches Bündnis in den Folgejahren und Folgejahrzehnten, in das sich auch Japan mit einer abgestimmten außenpolitischen Doktrin einordnete.

An diesem 100. Gedenktag denkt man neben den Aufenthalten in San Francisco insbesondere an das Bild am Vulkan Iwo Jima und der sechs alliierten Soldaten, des Korrespondenten Joe Rosenthal, der lange Zeit um einen Reportereinsatz für die Alliierten bangen musste.

Zigarillospitze im Mundwinkel

Auf Bildern, die ihn selbst 1945 am Korrespondententisch im Soldatenlager harrend porträtieren, sitzt er neben einem Telefon, an den Wänden prangen Weltkarten. Er trägt Krawatte und Anstecknadeln am Kragen. Auf dem linken Jackenarm ist ein Aufnäher mit einem Infanterieemblem aufgestickt: War Correspondent. Vor ihm liegen Bildabzüge des Iwojima. Im rechten Mundwinkel zwischen den Zähnen eine lange Zigarillospitze. Er blickt mit heiterer oder vermutlich hoffnungsvoller- trotzender Miene und sinniert wohl auch über eine Überschrift. Auf einem anderen Abzug aus jener späten Kriegszeit nestelt er an Blöcken, Briefumschlägen und der Schreibmaschine herum. Er mochte es mit Negativen und Reportageskizzen zu hantieren, die er seinerzeit, in den Wochen der Iwojima-Ereignisse, auch abends mit schwitzenden Handgelenken neben der Heimatpost im fahl-schwülen Lichtkegel der Petrolumlampen aufgriff. Wieder mit der Zigarillospitze im Mundwinkel.

Quelle: Zeithistorische-Forschungen.de/ Jost Dülffer